Durch Luftschleuse zum Cranach-Altar

In Augustusburg gibt es derzeit eine besondere Gelegenheit zum Besuch der Schlosskirche. Sie gilt aber nur begrenzte Zeit.

Augustusburg.

Die Augustusburger Schlosskirche mit dem wertvollen Cranach-Altar ist aktuell und noch bis 5. November erstmals für Besucher direkt zugänglich. Möglich wird das in zwei Varianten. In jedem Fall muss dafür eine Eintrittskarte gekauft werden, mit der Interessierte direkt die Kirche aufsuchen oder mit der sie die Gelegenheit nutzen können, die bis Dezember präsentierte Ausstellung "Mangamania" über japanische Comics zu besuchen.

Preislich macht das keinen Unterschied, so Schlossbetriebe-Geschäftsführerin Patrizia Meyn zur gestrigen Pressekonferenz.

Bislang war der bis 2015 umfangreich restaurierte Altar, der die kurfürstliche Familie um Schlossbauherr August und seine dänische Frau Anna zeigt, für Besucher nur über eine Führung durch das Haus erreichbar oder bei einer Veranstaltung in der Kirche. Nun wurde unter Aufsicht des Denkmalschutzes eine Klimaschleuse installiert.

So können Besucher die lutherische, 1572 geweihte Kirche nun erstmals - aber nur bis November - direkt vom Hof aus betreten. "Dazu wurde aus konservatorischen Gründen eine gläserne Spezialtür notwendig", sagt Meyn, weil die Luft im unbeheizten Raum ohnehin schon jahreszeiten- und witterungsbedingt schwanke - die Luftfeuchte von 40 bis 70Prozent, die Temperatur vom Gefrierpunkt bis zu mehr als 25 Grad Celsius. "Das ist ohnehin schon eine Belastungsprobe für den Altar, die durch sich im Kirchenraum aufhaltende Besucher verschärft wird", ergänzte die Schlosschefin.

Für die vorübergehende Variante habe man sich entschieden, um neben der Mangaausstellung auch einen Einblick in deutsche Comics am Beispiel der zwölfteiligen Serie "Martin Luther - Ein Mönch verändert die Welt" von Ulrike Albers und Johannes Saurer zu gewähren.

Um die Gefahren für die Kunstwerke im Raum, insbesondere den Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515 bis 1586), während der Sonderöffnung so gering wie möglich zu halten, sei eine Lüftungsampel eingebaut worden. Sie zeigt an, wann die Klimaschleuse geschlossen werden muss. Das werde von einer Aufsicht auch kontrolliert, die sich künftig während der Öffnungszeiten im Raum aufhalten wird. "Außerdem darf keine Zugluft in die Kirche entstehen", so Meyn, "auch die Fenster müssen daher geschlossen bleiben." Die umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen rühren daher, dass Schäden am Altar, etwa ein millimeterbreiter Riss, die für 200.000 Euro bis 2015 behoben worden waren, vermieden werden sollen. Insbesondere das Altargemälde ist nicht nur wegen seines prominenten Urhebers wertvoll. Es zeige zudem als einziges noch erhaltenes Bildkunstwerk die vollständige kurfürstliche Familie in für die Renaissance zeittypischer Kleidung, so Meyn. Die Restaurationsarbeiten an Malerei, Rahmen und Konstruktion von Altar und Kanzel fanden bis vor zwei Jahren in der Kirche selbst statt. Eine Herausforderung war, neben der Sicherung der Risse die nur noch 1,15 Zentimeter dicken Lindenholztafeln zu verstärken sowie eine Klimakammer hinter dem Kunstwerk zu installieren.

Der zutritt zur Augustusburger Schlosskirche vom Hof aus kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, als Familienkarte 22 Euro und ist für Kinder bis sechs Jahre frei.

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