Ehrenmäler werden vorm Verfall bewahrt

Der Urenkel eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Chemnitzers setzt sich für den Erhalt von Gedenksteinen auf dem Friedhof ein. Passend zum Kriegsende vor 100 Jahren hat ihn jetzt eine gute Nachricht erreicht.

Immer, wenn Uwe Hänel den städtischen Friedhof besucht, bringt er Blumen mit. Als er den Strauß Nelken auspackt und in die Vase vor dem Ehrenmal für die Gefallenen des Reserve-Infanterie-Regiments Nummer 244 steckt, wirken die Blumen, die sich noch darin befinden, frisch. Auch sie sind von ihm.

Hänel hat eine persönliche Beziehung zu dem Denkmal, der "Stele des Lichts". Sein Urgroßvater Paul Fritsche war Mitglied des Königlich Sächsischen Reserve-Infanterie-Regiments 244. Er fiel am 3. September 1916 in der Schlacht an der Somme in Frankreich. Deutsche standen Briten und Franzosen gegenüber. Die Schlacht war die verlustreichste des Ersten Weltkriegs. Das alles weiß Hänel noch gar nicht so lange. Seit acht Jahren befasst er sich mit dem Thema. Damals war seine Großmutter 97 Jahre alt und erzählte zum ersten Mal von ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hatte, weil er im Krieg geblieben war. Hänel begann zu recherchieren und fand heraus, wo der Mann, der 94 Jahre als verschollen galt, gefallen war.

Bei seinen Recherchen, die ihn schon mehrmals nach Frankreich führten, stieß Hänel auch auf Ehrenmäler. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Billy Berclau in Frankreich fand er ebenfalls ein Denkmal für das Reserve-Infanterie Regiment 244. Das Denkmal sei in bestem Zustand, sagt Hänel und zeigt ein Foto. Zuständig für die Pflege ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Auch in Chemnitz wurde Hänel auf Denkmäler für die Soldaten des Ersten Weltkriegs aufmerksam. Auf dem städtischen Friedhof gibt es vier davon. Eines ist die Stele des Lichts. Doch sie ist in wesentlich schlechterem Zustand als das Denkmal in Frankreich. Ein Gitter wurde um die Säule gestellt, weil sie sich nach rechts neigt und umzustürzen droht. Auf der Rückseite findet sich ein Riss, die Inschrift auf einer Steinplatte auf dem Boden davor ist kaum lesbar. Die Stele ist eine Arbeit des Chemnitzer Bildhauers Heinrich Brenner, der Bau wurde vom Regiment finanziert und 1924 eingeweiht.

Gegenüber steht ein weiteres Mahnmal. "Säule mit Walküre" heißt es, von Bruno Ziegler. "Das hat die Stadt Chemnitz 1916 in Auftrag gegeben", sagt Hänel. Eingeweiht wurde es ebenfalls 1924.Heute ist das Mahnmal stark verwittert. Ganz oben auf der Säule sitzt die Walküre auf ihrem Pferd. Sie hält einen Speer in der Hand. Doch die obere Hälfte fehlt. "Zu DDR-Zeiten wurde das Denkmal saniert. Man hat vergessen, die obere Hälfte des Speers wieder anzubringen", weiß Hänel.

Gemeinsam mit Pfarrer Ulf Peters aus Steinpleis, der ebenfalls ein Nachfahre aus dem 244er-Regiment ist, bringt Hänel seine Recherchen voran. Gemeinsam haben sie Kontakt zum städtischen Friedhof aufgenommen. "Wir haben den Friedhof überzeugen können, dass eine Sanierung angeschoben wird", sagt Hänel. Eine entsprechende E-Mail hat er kürzlich erhalten. Das bestätigt der Friedhofs- und Bestattungsbetrieb der Stadt Chemnitz. Der bauliche Zustand der Ehrenmälersei seit Jahreswechsel 2016/2017 bekannt. Die Bitte von Hänel und Peters um Sanierung sei zeitgleich eingetroffen. Zwischen den beiden Denkmälern befindet sich eine Grabanlage, in der 585 Soldaten im Ersten Weltkrieg beigesetzt wurden. Darum übernehme der Bund die Kosten für die Instandsetzung der Begräbnisstätten, teilt der Friedhofsbetrieb mit. Ein entsprechender Fördermittelantrag sei an die Landesdirektion Sachsen gestellt worden. Die Fragen nach den Kosten für die Sanierung und wann diese begonnen werden soll, blieben unbeantwortet.

Zwei weitere Denkmale für Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg befinden sich auf dem Friedhof in der Nähe des Eingangs an der Augsburger Straße. Während Hänel auch dort Sanierungsbedarf sieht, teilt der Friedhofsbetrieb mit, sie seien in mängelfreiem baulichen Zustand.

Die Nachricht von dem Sanierungsvorhaben kommt passend zu einem denkwürdigen Tag. Denn am Sonntag jährt sich das Kriegsende zum 100. Mal. Hänel wisse noch längst nicht genug über den Krieg und das 244. Regiment, sagt er. Warum er sich all die Forschungsarbeit macht? "Weil ich das Mahnen gegen den Krieg am Leben halten will", sagt der 45-Jährige. "Wir haben das unverschämte Glück, im Frieden zu leben", sagt er weiter, dann müssten wir auch den Anstand haben, an die zu erinnern, die nicht mehr nach Hause zurückgekehrt sind.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...