Ein Buch über die Vielfalt

Zwei Frauen stellen in ihrer Arbeit Migranten vor, die in Chemnitz leben. Die Befragten erzählen, was ihnen an der Stadt gefällt - und was sie vermissen.

Zentrum.

Wer Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache benötigt - sei es, weil er aus dem Ausland kommt oder weil ihm Lesen und Schreiben schwerfallen -, der ist bei zwei Frauen von der Chemnitzer Volkshochschule an der richtigen Adresse. Seit zehn Jahren bieten die Pädagogin Anja Hüttner und die Linguistin Denise Wagner kostenfreie Kurse und Workshops an, die "Deutsch in leichter Sprache" vermitteln - also durch kurze Sätze und eine einfache Grammatik. Weil es kaum Arbeitsmaterialien in leichter Sprache gebe, wie sie sagen, entwickelten die zwei Frauen in Modellprojekten mit ihren Schülern eigene Lehrbücher.

Derzeit arbeiten sie an einem Buch, das den Titel "Mein Nachbar in Chemnitz" trägt. In dem 200-Seiten-Werk sind Porträts von Menschen zu finden, die aus anderen Ländern nach Chemnitz gezogen sind - sei es aus privaten oder aus politischen Gründen. "In der Stadt leben 139 Nationalitäten. In unserem Buch wollen wir die Vielfalt von Chemnitz zeigen", sagt Denise Wagner. Iraker, Iraner, Ungarn, Pakistaner, Rumänen, Bulgaren, Tschechen, Ukrainer, Chilenen, Mexikaner, Inder oder Polen - sie alle haben schon einen Platz in dem Buch gefunden, das Lebenswelten miteinander verbinden soll. Und es werden die verschiedenen Länder in leichter Sprache vorgestellt.

Jede Migrantin und jeder Migrant werden auf zwei Seiten porträtiert. Sie beantworten Fragen, unter anderem die, warum sie nach Chemnitz gekommen sind, was sie in der Stadt gut finden oder was sie vermissen. "Etwa die Hälfte aller Befragten sagte uns, dass der Schlossteich ihr Lieblingsplatz sei", erzählt Anja Hüttner. Frauen und Männer, die aus anderen größeren Städten hierher kamen, bezeichnen Chemnitz zudem als "wunderbar grün". Denise Wagner aber ergänzt: "Einige sagten uns aber auch, dass sie das Gemeinschaftliche, das sie aus ihrer Heimat kennen, hier vermissen."

Anja Hüttner und ihre Kollegin sind für ihre Interviews in interkulturelle oder religiöse Einrichtungen gegangen, um mit den Menschen aus anderen Ländern ins Gespräch zu kommen, wie zum Beispiel in den Interkulturellen Garten auf den Kaßberg, der als Kooperationspartner fungiert. Das Besondere an den Interviews: Sie wurden von Lernenden aus den Sprachkursen der beiden Frauen geführt. Die Texte für das Buch "Mein Nachbar in Chemnitz" werden schließlich vor Druck noch einer Prüfgruppe gezeigt, die sie unter dem Aspekt "leichte Sprache" bewerten muss. "So können wir sicher sein, dass wir zielgerichtet arbeiten", sagt Anja Hüttner.

Das Buch soll 2020 erscheinen und sowohl als Lehrwerk in der Volkshochschule genutzt werden als auch zum Ausleihen in der Stadtbibliothek erhältlich sein. Im Frühjahr ist zudem eine Ausstellung in der Volkshochschule geplant.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    4
    dwt
    10.10.2019

    Genau arndt.. das fehlt dir besonders.
    Integration. Darüber darfst du ruhig mal weiter und nachdenken.

  • 4
    10
    ArndtBremen
    10.10.2019

    Wem Gemeinschaftlichkeit fehlt, sollte sich integrieren.



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