Ein Jahr nach dem Urteil - wie Beate Zschäpe in der JVA Chemnitz lebt

Hochhausblöcke überragen die Gefängnismauern. Hinter einem Fenster liegt die Zelle von Beate Zschäpe. Wie lebt die Rechtsterroristin ein Jahr nach dem Urteil in der JVA Chemnitz?

Chemnitz.

Die Nacht ist früh vorbei. Um 6.00 Uhr steht für Beate Zschäpe in der JVA Chemnitz werktags das Wecken im Tagesplan - so auch an diesem Donnerstag, an dem sich das Urteil gegen die Rechtsterroristin zum ersten Mal jährt. Das Oberlandesgericht (OLG) München hatte die 44-Jährige am 11. Juli 2018 als einziges noch lebendes Mitglied der Neonazi-Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, verbüßt Zschäpe noch keine Haftstrafe, sondern sitzt in Untersuchungshaft. Nach Prozessende hatte sie ihre Verlegung aus Bayern nach Chemnitz beantragt. Die dortige JVA ist für Sachsen und Thüringen zuständig. Seit 4. Februar ist Zschäpe die bekannteste Insassin des Frauengefängnisses an der Peripherie der sächsischen Stadt - sie ist dort gemeinsam mit weiteren 47 Frauen im U-Haft-Bereich.


Sichtbar geprägt wird das Gefängnis von Hochhausblöcken, in denen die Frauen leben. Die Zimmer sind karg eingerichtet und zweckmäßig möbliert: Bett, Stuhl, Schreibtisch, Nachtschrank, Kleiderschrank, Wandregal, Spiegel, Pinnwand und Wäschebehälter. «Der Haftraum von Frau Zschäpe hat dieselbe Ausstattung wie andere Hafträume der Justizvollzugsanstalt», sagte Gefängnisleiterin Eike König-Bender der Deutschen Presse-Agentur. Eine Freiheitsstrafe verbüßten dort zum gleichen Zeitpunkt insgesamt 203 Gefangene.

Doch wie lebt Zschäpe im Gefängnis jener Stadt, in der ein Überfall auf einen Supermarkt am 18. Dezember 1998 als das erste Verbrechen des NSU gilt? Der Tagesablauf für die Untersuchungshäftlinge ist strikt geregelt. Nach dem Wecken werden um 7.45 Uhr die Zellen zum ersten Mal aufgeschlossen, bis 8.15 Uhr gibt es Frühstück - samt Postabgabe und Medikamentenausgabe. Anschließend können die Frauen für eine Stunde an die frische Luft.

Von 10.30 Uhr an stehen Sport und andere Freizeitaktivitäten auf dem Programm. Fitness, Tischtennis und Volleyball werden angeboten, die weniger Sportlichen können basteln, malen oder zeichnen. Zudem gibt es eine Bibliothek. Nach dem Mittagessen werden um 13.00 Uhr die Zellen wieder verschlossen und erst um 17.00 Uhr für die Ausgabe von Abendbrot, Post und Medikamenten für eine halbe Stunde geöffnet. Um 17.30 Uhr werden die Türen für eine weitere Nacht verriegelt.

An den Wochenenden und Feiertagen ist der Ablauf ähnlich - nur wird erst um 9.00 Uhr geweckt, Sport- und Freizeitmaßnahmen fallen weg und die Zellentüren werden schon um 16.45 Uhr wieder verschlossen.

Zum weiteren Inventar von Zschäpes Zelle oder auch zu eventuellen Vergünstigungen oder Auflagen gibt es mit Blick auf Persönlichkeitsrechte keine Auskunft. Grundsätzlich aber könnte sich auch Zschäpe über die Anstalt zum Beispiel ein TV-Gerät kaufen oder mieten, wenn sie nicht im Gemeinschaftsraum fernsehen wolle, hieß es.

Wer arbeiten will, kann dies in der Wäscherei, der Näherei, der Stickerei oder in der Grünflächenpflege tun. Überdies sind schulische oder berufliche Ausbildung möglich. Zu den derzeit 175 Beschäftigten in der JVA gehören auch zwei Lehrer sowie ein Arzt, drei Psychologen, eine Kunsttherapeutin und sieben Sozialdienst-Mitarbeiter.

Die Rechtsterroristin Zschäpe stammt aus Jena und wohnte in Freiheit zuletzt in Zwickau. Die sogenannte heimatnahe Unterbringung in einer JVA soll vor allem den sozialen Kontakten durch leichteren Besuch von Familie, Freunden und Bekannten dienen, bestätigte Gefängnisleiterin König-Bender. Und wie oft bekommt Beate Zschäpe Besuch? Wieder gibt die Anstaltsleiterin keine Auskunft. «Ich lege sehr großen Wert auf den Persönlichkeitsschutz», sagt. Sie betont, dass das nicht nur für die prominente Gefangene gilt, sondern für alle Häftlinge.

Bewertung des Artikels: Ø 3.6 Sterne bei 10 Bewertungen
25Kommentare
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  • 5
    0
    Nixnuzz
    12.07.2019

    Keine Ahnung - aber es geht um die Rückholung der Kinder. Falls Gerichtsrelevante Erkenntnisse zur Lebensphiliosphie der noch lebenden Eltern - Teile bekannt sind, dürften die Gefängnisse hier zulauf erhalten. Und die Großeltern hier verpatzte Erziehung und Familie nachliefern.

  • 4
    6
    Malleo
    12.07.2019

    nixx
    Haben die Eltern nach dem Grundgesetz gelebt?

  • 6
    4
    Nixnuzz
    12.07.2019

    @Malleo: "In besagten Lagern gibt es wohl keine Rundumversorgung?" Ganz einfach: NEIN! Stehen Sie auf Sippenhaft? Die primäre Gerichtsentscheidung zur "Heim-Holung" von 4 Personen soll den Kindern hier ein grundgesetzliches Leben ermöglichen. Au Mann....!

  • 9
    5
    Malleo
    12.07.2019

    nixx
    Dieser Staat der unbegrenzten Zumutbarkeit holt nunmehr auch noch deutsche IS Verbrecher aus Lsgern nach D.
    cn3
    In besagten Lagern gibt es wohl keine Rundumversorgung?
    Eben den beschriebenen Abenteuerurlaub.
    Sie hatten es so gewollt.
    Lasst sie mit ihrer radikalen Gedankenwelt des Islam dort.
    Ich brauche diese Bereicherung hier nicht, nicht mal im Knast.

  • 14
    0
    Nixnuzz
    11.07.2019

    Als ich die Versorgungsangaben gesehen habe, fiel mir ein Einkauf dieser Tage im Supermarkt ein. Eine ältere Frau stand vor mir am Kartoffelstand und murmelte noch verständlich: "Wer kann das noch bezahlen?" 2,5kg Kartoffeln für 3,50€.. Wer wird nun durch sein Leben mehr bestraft? Treu und ehrlich aber sauarm!? Ob die alte Frau auch die nächsten 15 Jahre wie Fr.Zschäpe bis zur Rentenleistungs- oder Haft-Überprüfung so gut leben kann..?? Welchen "Freigang" kann sich die alte Frau vielleicht (nicht) leisten? Gefangen in der Altersarmut...Zumindest scheint sie sich das Essen etc. noch selbst-entschieden zubereiten zu können. Der Rest an Freiheit?

  • 9
    2
    cn3boj00
    11.07.2019

    @malleo entweder wurde mein Vorschlag wegzensiert oder es gab ein Problem beim Versenden. Deshalb nochmal kurz nachgereicht: Ich habe mal ein paar Monate verbracht mit nur einem Bett und einem Spind. Kein Nachtisch, Kleiderschrank, Spiegel, Wäschebehälter. Und wir mussten selber sauber machen und Kartoffeln schälen. Ehrlich: das geht!
    Und weiter: "Wer arbeiten will, kann dies ... tun". Man kann, wenn man Lust hat. Sonst eben nicht. Der Mensch muss ja nicht selbst zu seinem Unterhalt beitragen (außer er ist so dumm und lebt in Freiheit). Kostenlose Freizeitangebote gibt es obendrein. Übrigens kümmern sich 175 Angestellte incl. Ärzte und Therapeuten um 260 Insassen. Ein gutes Pflegeheim der gleichen Größe soll etwa 100 Pflegekräfte haben.
    Auch Häftlinge haben Anspruch auf Menschenwürde. Aber eben auch nicht mehr. Und wenn es Ihnen besser geht als Sozialhilfeempfängern oder Pflegebedürftigen, dann leben letztere entweder unwürdig, oder erstere im Wellness-Urlaub.
    Und, lieber Malleo: wenn es statt um Straftäter beispielsweise um Migranten ginge, hätten Sie bestimmt eine Menge eigene Vorschläge. Aber hier geht es ja nur um deutsche Rechtsterroristen, die Menschen auf dem Gewissen haben.

  • 10
    5
    Blackadder
    11.07.2019

    @malleo: Leider kenne ich Distelblüte nicht persönlich. Aber vielleicht ändert sich das ja mal?

    Die drei roten Daumen für die Opfer des NSU hätte ich gerne mal erklärt.

  • 4
    2
    ChWtr
    11.07.2019

    Die Deutungshoheit beansprucht hier niemand. Es sei denn, man will es so deuten und das ist dann wiederum billig.

  • 3
    6
    Distelblüte
    11.07.2019

    @osgar: Dann kneifen Sie eben. Ist okay.

  • 12
    6
    Malleo
    11.07.2019

    black und distel..
    ..und ich glaube, Ihr sitzt euch gegenüber.
    Bei den Linken oder Grünen?

  • 9
    4
    osgar
    11.07.2019

    @Distel warum sollte ich Ihnen etwas erklären? Sie beanspruchen doch hier die Deutungshoheit, da ist jedes Wort eins zu viel. Und das werde ich zukünftig auch beachten.

  • 6
    13
    Blackadder
    11.07.2019

    Sorry, die türkischen Buchstaben haben es wohl nicht durch den FP Filter geschafft....

  • 4
    9
    Distelblüte
    11.07.2019

    @osgar:Ich warte auf Ihre Erklärung. Während Sie sie formulieren, können Sie ja als Gedankenstütze die Namen der Opfer des NSU hinzuziehen, die Blackadder aufgelistet hat.

  • 8
    13
    Blackadder
    11.07.2019

    In Gedenken an die Opfer des NSU:

    Enver ?im?ek
    Abdurrahim Özüdo?ru
    Süleyman Ta?köprü
    Habil K?l?ç
    Mehmet Turgut
    ?smail Ya?ar
    Theodoros Boulgarides
    Mehmet Kuba??k
    Halit Yozgat
    Michèle Kiesewetter

  • 6
    3
    701726
    11.07.2019

    Ein schönes behütetes Leben, Frühstück , Mittag und Abendbrot alles frei.
    Sport Freizeitbeschäftigung toll . Und wenn sie Glück hat einen tollen Blick ins Erzgebirge .

  • 7
    2
    ChWtr
    10.07.2019

    Komisch! Warum sollte man einen Vorschlag machen, wenn eine Feststellung so ziemlich ins Schwarze trifft.

  • 7
    6
    Malleo
    10.07.2019

    cn3.
    Ihr Vorschlag?

  • 14
    6
    cn3boj00
    10.07.2019

    Übrigens lässt sich der Staat jeden Häftling etwa 135 Euro kosten. Pro Tag, wohlgemerkt. So umsorgt war Frau Zschäpe sicher ihr ganzes Leben nicht. Sind eben wertvolle Mitglieder der Gesellschaft, wertvoller als Kranke, Rentner, Kinder.

  • 7
    8
    Distelblüte
    10.07.2019

    @osgar: Helfen Sie bitte meiner Unwissenheit ab. Weshalb sehen Sie B. Zschäpe so anders?

  • 10
    8
    osgar
    10.07.2019

    Ne @Distelblüte, dämlich, um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben, ist Ihr Beitrag.
    Ich staune ganz ehrlich wie Sie sich in die Psyche dieser Frau hineinversetzen können. Lässt tief blicken.

  • 8
    14
    Distelblüte
    10.07.2019

    @osgar: Sie haben doch den Artikel gelesen, oder? Die Haftbedingungen in einem bundesdeutschen Gefängnis mit denen in Nordkorea zu vergleichen ist, naja, dämlich.
    Ansonsten sollten Sie einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass es diese Frau eine verurteilte Rechterroristin ist, die keine familiäre Bindung nach Chemnitz hat, aber trotzdem hierher wollte, weil es noch genügend ehemalige Buddys und NSU-Unterstützer gibt. Und ja, ich würde sehr genau hinschauen, wer da zu Besuch kommt.
    Ich habe gerade noch einmal nachgeschaut: in Deutschland haben Gefangene im Allgemeinen keinen Zugang zum Internet. Das ist Teil des Freiheitsentzugs.

  • 10
    4
    ChWtr
    10.07.2019

    Sorry - ich verallgemeinere jetzt mal: den Strafgefangenen, ob Männlein oder Weiblein geht es doch (sau)gut - lt. dem Artikel von M. Kloth. Ganz sicher besser als so manch einer, der bereits am Monatsanfang nicht weiß, wie er über die Runden kommen soll.

  • 15
    7
    osgar
    10.07.2019

    @Distelblüte Sie können sie ja mal besuchen. Vielleicht bekommen Sie dann erschöpfende Antworten.
    Unglaublich Ihr Beitrag, wir leben hier in Deutschland und nicht in China oder Nordkorea.

  • 18
    9
    kartracer
    10.07.2019

    @Distelblüte, ist DAS IHRE Aufassung von Demokratie??
    Einfach unverschämt, die Haftbedingungen nicht mit Ihnen abzustimmen!

  • 6
    20
    Distelblüte
    10.07.2019

    Wie sieht es mit dem Empfang von Besuchen aus? Hat sie Zugang zum Internet? Wenn ja, wird dieser überwacht? Auch wenn keine verschärften Haftbedingungen vorliegen - Zschäpe ist keine Gefangene wie andere Frauen. Ihr politischer Hintergrund sollte nie aus dem Fokus geraten.
    Ich erinnere mich an die rechtsterroristische "Gruppe Freital", wo bei einem der Angeklagt irgendwann ein Laptop in der Zelle entdeckt wurde, den er schon neun! Monate nutzte. Unkontrolliert.



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