Ein Kopf als Hingucker - Schau zeigt präparierte Körper

Eine nicht alltägliche Ausstellung wird in der Stadthalle Limbach-Oberfrohna gezeigt. Besucher stellen immer wieder dieselbe Frage.

Limbach-Oberfrohna.

In der Stadthalle Limbach-Oberfrohna stehen an diesem Wochenende echte Körper im Rampenlicht - fachmännisch konserviert. Rund 200 Exponate in knapp 30 Vitrinen und Schaukästen erklären auf spezielle Weise den menschlichen Organismus. Vollständige Körper werden ebenso präsentiert wie einzelne Organe und Knochen, sachlich und ohne Effekthascherei. Ein erwachsener Körper, der in 153 Schnitte zergliedert wurde, bildet dabei den größten Ausstellungsgegenstand: Er wurde auf fünf Vitrinen aufgeteilt.

Die gezeigten Exponate sind Leihgaben aus den USA, mit denen die Schweriner Macher des Projektes "Echte Körper" seit 2009 auf Reisen gehen. "Unsere Ausstellung ist vom medizinischen Aspekt bestimmt und nicht von künstlerischen Ambitionen oder dem Anspruch, mit einer reißerischen Schau ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Wir wollen erklären, wie unser Organismus funktioniert", erklärt Robert Weber vom Projektteam das Anliegen.


Das wurde den Besuchern am Freitag, dem ersten Tag der Ausstellung, schnell deutlich. So detailgetreu und lebensnah die Exponate auch sind - die nüchterne Atmosphäre in der Stadthalle, die der eines Labors gleicht, führt eher zu staunend-interessierten als emotionsgeladenen Blicken. Viele Gäste sind neugierig und wollen mehr über die Exponate erfahren. "Die uns meist gestellte Frage lautet: Ist das wirklich echt?", erzählt Robert Weber und berichtet, dass neben aufgeschlossenem Publikum aller Altersklassen auch vielerorten medizinisch und sozial gebildetes Fachpersonal sowie Sportler die Schau besuchen. "Da sind Fußballer oder Turner dabei, die sich einmal die Funktionsweise der Gelenke anschauen und einen Eindruck bekommen wollen, wie etwa Meniskus oder Achillessehnen aussehen."

Auf Entdeckertour gingen am Freitag auch Jasmin Schaarschmidt und Joan Handrick. "Wir sind ausgebildete Krankenschwestern und frischen unser Wissen auf", verrieten die Besucherinnen. "Wegen einer Prüfung haben wir uns intensiver mit dem Körper beschäftigt - aber zumeist anhand von Abbildungen in Büchern. Die Schau bietet die dreidimensionale Ansicht, und die vermittelt einen viel besseren Eindruck von den Organen", erklärt Jasmin Schaarschmidt. "Man versteht, dass ein Herz etwa so groß ist wie eine Faust." Zudem sei es nützlich, sich die lateinischen Fachbegriffe ins Gedächtnis rufen zu können.

Für die Schau ist Lesefreude unabdingbar. Denn die Funktionsweise der ausgestellten Organe wird nicht nur mit schematischen Abbildungen, sondern auch einer gehörigen Portion Text vermittelt. "Knochen, ein kompaktes Material, doppelt so hart wie Granit und nicht weniger zugkräftig als Gusseisen", lautete eine der vielen Informationen. Die von den Fachleuten organisierte Reise durch und mit dem Körper beginnt mit der Befruchtung und den im Volksmund gepflegten Mythen um das Fabelwesen Storch, führt über Bausteine wie Gehirn, Herz, Kreislauf, Magen, Darm, Geschlechtsorgane und Skelett samt typischer Erkrankungen bis hin zum Altern und dem Tod.

Im Vergleich zu den umstrittenen "Körperwelten" des Anatomen Gunther von Hagens seien die Exponate der aktuellen Schau hinter Glas abgeschirmt und nicht so spektakulär inszeniert, stellte Claus Friedrich aus Burgstädt fest. Auch diese Vorgehensweise habe aber seinen Reiz, so der Besucher. "Faszinierend, wie viele Bausteine uns eigentlich zusammenhalten." Immerhin besteht das Skelett aus 220 einzelnen Knochen, die durch Knorpel, Bänder, Sehnen und Muskeln verbunden sind.

"Eine sehr informative Schau, die ich aus der Ankündigung heraus aber spektakulärer erwartet hatte", sagte Nancy Beckert. Auch die Limbach-Oberfrohnaerin ist aus beruflichem Interesse gekommen. "Ich bin als Pflegeassistentin tätig. Da ist es wichtig, die Funktionsweise unserer Gelenke zu kennen."

Die Ausstellung ist noch am heutigen Samstag und morgigen Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr in der Stadthalle zu sehen. Der Eintritt kostet 15 Euro für Erwachsene und 10 Euro für Schüler und Studenten.

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