Ein Millionär und sein Plattenbau-Hotel

Früher war das Hochhaus am Bernsbachplatz ein Wohnheim. Nach erneutem Umbau ist das jetzige Residenz-Hotel moderner als je zuvor. Eigentümerin ist eine der reichsten Familien Deutschlands.

Vier-Sterne-Haus ist das 1992 eröffnete Residenz-Hotel am Bernsbachplatz schon seit 2002. Nach seiner zweiten vollständigen Modernisierung seit 1990/91 ist der Ende der 1960er-Jahre errichtete Plattenbau jetzt endgültig im 21. Jahrhundert angekommen. Gestern wurde nach zweimonatiger Schließung Wiedereröffnung gefeiert. Innen und außen erinnert nichts mehr an das frühere Wohnheim für kubanische und ungarische Vertragsarbeiter, das deswegen von den Karl-Marx-Städtern zuerst "Zuckerhut" und später "Paprika-Turm" genannt wurde.

Nachdem Lobby, Bar und Restaurant schon in den vergangenen Jahren renoviert worden waren, wurden seit Februar die Fassade und alle rund 190 Zimmer des 15-Geschossers "ein bisschen frischer" gemacht, wie es Gregor Gerlach aus Hamburg gestern mit hanseatischer Untertreibung beschrieb. Laut dem Juniorchef der Seaside-Hotelgruppe hat die Eigentümerfamilie, die zu den 500 reichsten in Deutschland zählt, "einen mittleren einstelligen Millionenbetrag" in den Umbau investiert. Sein Vater Theo Gerlach hatte die Gruppe in den 1970er-Jahren gegründet und betreut heute, 87-jährig, die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels auf den Kanarischen Inseln. Gregor Gerlach kümmert sich um die deutschen Häuser in Hamburg, Leipzig, Dresden und Chemnitz. Der 46-Jährige ist zudem Mit-"Erfinder" und Miteigentümer der Systemgastronomie-Kette Vapiano.

"Chemnitz war 1992 unsere erste Neueröffnung in Ostdeutschland, kurz vor dem Park-Hotel in Leipzig", erinnerte er sich gestern. 2015 kam das Gewandhaus-Hotel in Dresden dazu. Mit den jüngsten Investitionen im Residenz-Hotel habe er relativ lange gezögert, räumte er ein. Denn Chemnitz sei nun einmal "nicht der stärkste Markt der Welt", so Gerlach. Am Ende sei die Modernisierung aber unumgänglich gewesen und unter dem Motto erfolgt: "Wenn, dann auch richtig."

Antikes Interieur hatte dabei keine Chance: "Das Gebäude ist nun einmal kein Barockschloss", so der Geschäftsführer. Ein Verkauf des Hauses mit 32 Mitarbeitern stand für ihn nie zur Debatte, versicherte er auf Nachfrage. Denn die Entwicklung sei in den vergangenen zehn Jahren durchaus positiv verlaufen.

Laut Michael Lehmann, General Manager für die Seaside-Hotels in Leipzig und Chemnitz, stieg die Auslastung im Residenz von anfangs 30 auf etwa 50 Prozent der Betten. Künftig soll sie noch besser werden. Hoteldirektorin Susanne Punner sieht noch Steigerungspotenzial bei Individualtouristen, die Chemnitzer Museen oder Industriedenkmale besuchen wollen. Bisher übernachten vorwiegend Geschäftsleute sowie Reisegruppen, die ins Erzgebirge wollen, im Residenz-Hotel.

Um neue Zielgruppen zu erreichen, wurden die Zimmer in drei Kategorien umgestaltet und ausgestattet. Alle sind aber nach wie vor um die 30 Quadratmeter groß, wie es der Plattenbau vorgibt, und jetzt mit Rauchmeldern ausgestattet. In den 82 einfachsten Standard-Zimmern stehen noch die bisherigen Möbel, wurden aber aufgearbeitet. Die Wände wurden neu gestrichen, Fußbodenbeläge, Gardinen und sämtliche anderen Stoffe wurden erneuert.

Die 59 mittleren "Premium"-Zimmer sind durchweg mit neuen Möbeln, darunter Betten und Sitzgruppen, Minibars und an den Wänden montierten großen Flachbildfernsehern, ausgestattet. In den insgesamt 36 "Deluxe"-Zimmern - die sich alle in der 14. und 15. Etage befinden - wurden außerdem noch die Bäder komplett erneuert.

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