Ein Oldtimer für London: Von der Chemnitz an die Themse

Noch befindet sich das betagte Auto im Chemnitzer Industriemuseum. Dass es in England gezeigt wird, liegt an dessen spezieller Konstruktion.

Kapellenberg.

Das Auto, um das sich alles dreht, ist eigentlich nur ein halbes. Zu sehen ist nur die linke Seite, die einen Blick ins Innere preisgibt. "Es wurde 1938 in Zwickau extra als Schnittmodell angefertigt, um die verbaute Technik zu veranschaulichen", sagt Jürgen Kabus, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Industriemuseum. Seit Anfang dieser Woche ist der DKW F7 Meisterklasse, so die korrekte Bezeichnung, nicht mehr in der Dauerausstellung zu sehen. Von Sammlungsleiter Achim Dresler und einigen Kollegen vorsichtig ins Depot der Einrichtung gebracht, soll er binnen der nächsten Wochen nun auf Hochglanz poliert werden. Ende Juni geht es dann mit einem Transporter nach London.

Dort, im Victoria & Albert Museum im Stadtteil Kensington, das nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als drei Millionen Menschen besucht haben, soll der Oldtimer ab Anfang Juli gezeigt werden - als Teil einer großen Ausstellung zum Thema Sperrholz, das in Möbeln, Häusern, Flugzeugen und eben auch Automobilen verbaut ist. "Bis ungefähr gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bestand die Karosserie von Autos vornehmlich aus Holz", sagt Kabus. Die des fast vier Meter langen, knapp 1,50 Meter breiten und 750 Kilogramm schweren DKW F7 ist mit Kunstleder bespannt und sitzt auf einem stabilen Stahlrahmen. Dabei handelt es sich bei der frontal angetriebenen Limousine, von der bis 1939 insgesamt rund 80.000 Exemplare das Audiwerk in Zwickau verließen, indes selbst um eine Leihgabe. Denn sie gehört dem Deutschen Museum in München, das sie seit der Auslagerung der eigenen Automobilausstellung vor einigen Jahren aber nicht mehr zeige, so Kabus. Dass Museen untereinander Objekte tauschen sei absolut üblich - die Anfrage aus London sei wegen der Bedeutung des dortigen Museums aber dennoch außergewöhnlich und mit viel Prestige für Chemnitz verbunden.


Wie lange der DKW in London ausgestellt wird, ist bislang noch nicht ganz klar. "Vermutlich bis Januar oder Februar", so Kabus. Seinen Platz im Industriemuseum nimmt nun sein Vorgänger, ein DKW F5, ein.

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