Ein Viertel in ständigem Auf und Ab

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Hutholz

Hutholz.

Innerhalb weniger Jahre von beinahe null auf fast 17.000 Einwohner - und anschließend genauso schnell ein Gutteil des Weges wieder zurück: So rapide auf und ab wie der Stadtteil Hutholz hat sich in den vergangenen 40 Jahren wohl keine Gegend von Chemnitz entwickelt. Ende der 1980er-Jahre als letztes Baugebiet des Wohngebietes "Fritz Heckert" aus dem lehmigen Ackerboden gestampft, schrumpfte der zwischen Wolgograder Allee und Stollberger Straße gelegene Stadtteil ab Mitte der 1990er-Jahre binnen zehn Jahren um zwei Drittel. Komplette Häuserzeilen von Plattenbauten verschwanden, andere wurden auf ein recht ansehnliches Reihenhaus-Niveau zurechtgestutzt.

Und mittlerweile wird sogar wieder neu gebaut. Am Rande des Stadtteils, wo der Blick weit in Richtung Erzgebirge schweift, hat die Wohnungsbaugenossenschaft Einheit, der größte Vermieter in der Gegend, in den vergangenen Jahren in zeitgemäßer Architektur eine Wohneigentumsanlage errichtet. Der letzte Bauabschnitt des "Panorama 3" genannten Vorhabens wird in absehbarer Zeit fertiggestellt.

Für Ulrich Hildebrandt von der Bürgerinitiative Hutholz ein echter Lichtblick. Auch die zu einem der wichtigsten Nahverkehrs-Knoten am Rande der Stadt ausgebaute Endhaltestelle Hutholz - Start und Ziel von acht verschiedenen Bus- und Straßenbahnlinien - mache den lange Zeit vom Stadtumbau geprägten Stadtteil attraktiv, ist er überzeugt. "Ein Auto braucht man hier nicht unbedingt", so Hildebrandt.

Doch es gibt auch jede Menge Sorgenkinder. So das an die Endhaltestelle angrenzende Nahversorgungszentrum Wolgo-Passage, in dem ein Großteil der Läden mittlerweile leersteht. Als die Sparkasse ihren Auszug ankündigte, hagelte es Proteste; Unterschriften wurden gesammelt. Genützt hat es nichts. "Die einstige Filiale steht heute ebenso leer wie die benachbarte Apotheke", verdeutlicht Ulrich Hildebrandt. "Die Leute hier machen sich Sorgen, dass eines Tages noch mehr an Infrastruktur und Versorgung wegbricht."

Ein paar Ecken weiter ist aus Leerstand Verfall geworden. Von der ehemaligen Kaufhalle an der Walter-Ranft-Straße ist nur noch eine von allerlei Graffiti verunstaltete Ruine übrig. Ein Schandfleck mitten im Stadtteil, gegen den kein Kraut gewachsen scheint. Seit mehr als zehn Jahren befinde sich der Komplex in privatem Besitz, so Hildebrandt. "Zuletzt hieß es, dort solle eine Freizeitanlage entstehen. Nur getan hat sich da nichts."

Am anderen Ende von Hutholz, an der Fritz-Fritzsche-Straße, hat der örtliche Großvermieter das Heft des Handelns selbst in die Hand genommen. Rund 1,8 Millionen Euro investierte dort die WG Einheit in die Sanierung eines Ärztehauses, um die medizinische Versorgung vor Ort sicherzustellen. Ein ähnliches Vorhaben hatte die Genossenschaft zuvor bereits im Nachbarstadtteil Markers dorf realisiert.


Das ist Hutholz

Nach drastischem Rückgang der Bevölkerung zählte der Stadtteil am südlichen Stadtrand zu Jahresbeginn erstmals weniger als 5000 Einwohner. Senioren machen dabei 28 Prozent aus; Hutholz liegt damit genau im städtischen Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit betrug Anfang vergangenen Jahres etwa neun Prozent und war damit vergleichbar hoch wie im Lutherviertel oder im Yorckgebiet. Der Ausländeranteil lag zuletzt bei fünf Prozent - so niedrig wie nirgendwo sonst im Heckertgebiet. (micm)

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