Eine Eröffnung am Brühl folgt der nächsten

Auf dem ehemaligen Einkaufsboulevard starten allein in diesem Monat drei neue Geschäfte. Bis Herbst sollen mindestens drei weitere folgen. Dahinter stecken Geschichten und Träume.

Erst in der Mittwochsausgabe hat die "Freie Presse" berichtet, dass die Coffee-Art-Bar vom Tietz an den Brühl zieht. Im Eckgebäude mit der Adresse Untere Aktienstraße 7 wird bereits gearbeitet, die Eröffnung ist für Herbst geplant. Mit seinem Umzug auf den Brühl ist Inhaber Volker Beyer in guter Gesellschaft. Hinter mehreren Eingängen werden dort derzeit Geschäftseröffnungen vorbereitet oder gingen gerade erst über die Bühne.Ihren Mädchentraum erfüllt hat sich Diana Pelta. Im vergangenen Sommer sei sie nach vielleicht 15Jahren wieder auf dem einstigen Einkaufsboulevard gewesen. "Ich war total geflasht von dem, was sich da getan hatte", sagt sie. Seit Jahren hatte sie ein Nagelstudio in der Schönherrfabrik. Am Brühl 32 sah sie eine leere Fläche und entschied sich schnell für einen Umzug. Jetzt manikürt sie nicht nur Nägel, sondern verkauft in ihrem Laden "Styleyourlife" auch ausgefallene Taschen, Schuhe und Kleidungsstücke. "Meine Kunden wollten immer die Sachen, die ich auch trage", sagt sie. Nun verkauft sie diese Dinge im vorderen Bereich ihres Geschäfts.

Gerade erst eröffnet hat Richard Friedrich sein Geschäft. Es befindet sich an der Hermannstraße 3, ein paar Schritte vom Brühl entfernt. "Direkt vom Feld" heißt es. Das, was er verkauft, sind Gewürze. Mit rund zehn Bauern, die über den Globus verstreut leben, steht der 29-Jährige in Kontakt. Sie alle hat er selbst besucht, zum Beispiel einen Paprikabauern auf Mallorca, einen Safranbauern im Iran und eine Kooperative auf Sri Lanka, die Kurkuma, Muskat und Zimt produziert. Eigentlich studierte Friedrich Maschinenbau in Chemnitz. Doch nach dem Studium habe er lieber sein eigenes Ding machen wollen. Schon als Kind sei er gern auf dem Bauernhof seines Opas gewesen und habe sich für Lebensmittel interessiert. Bei Kochabenden mit Freunden in Berlin sei ihm aufgefallen, dass man es heute gewohnt sei, Gewürze und Zutaten einfach aus dem Regal zu nehmen, ohne einen Bezug dazu zu haben. "Ich wusste nicht einmal, wie eine Pfefferpflanze aussieht", sagt er. So sei die Idee mit dem Handel für Biogewürze entstanden. "Aber in Berlin macht jeder Dritte was mit Biolebensmitteln", sagt er. Also ging er zurück in die Heimat, wo er einen Bedarf dafür spüre. Seit drei Jahren war das Unternehmen mit Büro und Onlinehandel in Flöha ansässig. Aber dort sei es nun zu klein geworden, sagt Friedrich, der vier Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt. Montags und donnerstags hat er nun an der Hermannstraße auch für Kunden geöffnet, die lieber nicht online bestellen wollen.An diesem Samstag bekommt der Brühl eine weitere Bar. An der Ecke Zöllnerstraße kann man gerade noch die Ausbauarbeiten beobachten. Unter dem Namen "Balboa" soll eine urbane Kneipe ohne Schnickschnack entstehen. Eine Woche später, am 29. Juni, eröffnet "Natürlich Kreativ" am Brühl 46, ein Ableger des Holzkombinats an der Zöllnerstraße 18, das am selben Tag vierjähriges Bestehen feiert. Im Holzkombinat kann man Arbeitsplätze mieten, um mit Holz zu arbeiten. Der Platz habe nicht mehr ausgereicht, sagt Mitinhaberin Caroline Kügler. Am Brühl eröffnen sie nun einen Laden, in dem man Lasuren, Öle und Bastelmaterial auch in kleinen Mengen kaufen kann. Aber auch Arbeitsplätze entstehen, für Basteln mit Kindern und Erwachsenen. Den Laden hat das Team über das Krach-Projekt erhalten und zahlt zunächst keine Kaltmiete.

Davon profitieren auch Anja Jurleit, Nino Micklich und Marco Henkel. Die drei eröffnen am Brühl 42 das "Kombinat Lump", mit dem sie ebenfalls bei Krach gewonnen haben. Ihre Idee ist es, ein Abo für hochwertige Kunstdrucke zu verkaufen. Alle zwei Monate zahlen die Kunden 40 Euro und erhalten dafür zwei Drucke von Künstlern aus der Region sowie Informationen über diese. 15 Künstler haben sie schon an der Hand, sagt Henkel. Das Ganze sei aus der Beobachtung heraus entstanden, dass es in Chemnitz keine Plattform gebe, auf der man junge regionale Künstler kennenlernen oder deren Arbeiten kaufen könne, erklärt Henkel. Außerdem soll eine kleine Galerie entstehen. Am 1. August erhalten sie die Schlüssel, sagt Henkel, dann beginne man, das Geschäft einzurichten.

Eine Eröffnung Anfang September plant Eric Heim. "Der Fleischladen" wird das Feinkostgeschäft und Restaurant am Brühl, Ecke Hermannstraße heißen. Heim ist Koch und will "Produkte mit Hintergrund" verkaufen, sagt er. So werde es eine Fleisch- und Wursttheke, Brot, Wein und Öle geben. Er arbeite mit Metzgereien zusammen, die nach seiner Rezeptur für ihn Wurst und Fleisch herstellen. Fleisch komme zudem nur aus Freilandhaltung, da, wo es geht, sollen die Produkte regional sein. Das Restaurant werde 24 Sitzplätze innen und eine Terrasse haben, mittags und abends geöffnet sein. Er habe Ernteanteile bei Gemüsebauern, sagt Heim. Die kleine Speisekarte richte sich dann nach dem, was dort geerntet wird.

Wenn es auf dem Brühl so weitergeht, muss man vielleicht bald nicht mehr nur vom ehemaligen Einkaufsboulevard sprechen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    4
    994374
    20.06.2019

    @Kastenfrosch: Ich finde, wie die meisten Leute, in Chemnitz auch immer einen Parkplatz oder ein Parkhaus!
    Das legt aber daran, dass wir Durchschnittsbürger i.d.R. nur dort einkaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wo unweit ein Parkplatz oder eine Haltestelle ist.

    Um potenzielle Kunden, die unterm Theaterplatz oder im Bahnhof-Parkhaus parken in relevanten Größenordnungen zum Brühl zu locken, bedarf es schon erheblicher Alleinstellungsmerkmale dieser Läden oder eine ganz tolle „Aufenthaltsqualität“ auf dem Brühl, vergleichbar mit Läden mit stabilem Angebot für „Bananen“ oder „Videorecorder“ vor 1989 in der DDR. ???? (Außerdem „stört“ da noch der Internethandel.) Apropos Internethandel: Wenn sich überwiegend gestandene Onlinehändler wie "Direkt vom Feld" oder SNOORS (Schnürsenkelladen) (bekommen die dafür eigentlich „Fördergen“?) künftig am Brühl ansiedeln sollten, werden tatsächlich keine Parkplätze benötigt. Dann wird der Brühl nicht „belebt“, sondern zum Gewerbegebiet!

    „Soll es da wirklich nötig sein, den öffentlichen Raum mit weiteren Parkplätzen zu entwerten?“
    – Ob ein öffentlicher Raum durch nahe liegende Parkplätze oder nicht verfügbare Parkplätze aufgewertet oder entwertet wird, wird sich an den Auswirkungen auf die „Umgebung“ zeigen.

    Das werden wir auch in der Innenstadt am Johannisplatz und neben dem Kulturkaufhaus mit Spannung beobachten können.
    Ich freu´ mich drauf ! ????

  • 8
    1
    Kastenfrosch
    20.06.2019

    "Das klingt, als kämen Sie ab und zu mal von ausserhalb."

    Ihre Logik erschließt sich mir nicht. Sie dürfen mir schon glauben, dass ich am Brühl keine Parkplatznot habe. Die habe ich in dieser Stadt im Übrigen selten. Was ich hier jedoch wahrnehme ist, dass man schnell darin ist, Straßenecken und Gehwege zuzuparken, weil man zu bequem ist, ein Stück zu Fuß zu gehen. Aber ich schweife ab.

    Den Bedarf für weitere Parkflächen am Brühl (zumal für Kurzzeitparker) sehe ich nicht. Am Theaterplatz und neben dem Bahnhof gibt es bereits Parkhäuser – zusätzlich zu den Parkflächen an der Straße. Soll es da wirklich nötig sein, den öffentlichen Raum mit weiteren Parkplätzen zu entwerten?

  • 4
    3
    994374
    20.06.2019

    @Kastenfrosch – „Und das, obwohl der Bahnhof nur wenige hundert Meter entfernt ist. “ – Das klingt, als kämen Sie ab und zu mal von ausserhalb.

    Ich bin seit über 15 Jahren (fast) täglich am Brühl unterwegs. Dort waren schon die Parkplätze knapp, als kaum noch jemand in den verfallenden Häusern am Brühl wohnte. Seit 1-2 Jahren gibt es wieder viele sanierte und vermietete Häuser. Zum Glück auch mit vielen (wenn auch nicht ausreichenden) Stellplätzen in den Innenhöfen.
    Also ist die Parksituation sehr angespannt, egal ob in der ganzen Gegend bald, wie vorgesehen, Parkuhren aufgestellt werden.
    Leider hat man die einzige freie Stelle auf dem Brühl mit einem Wohnhaus zugebaut – das wäre eine Gelegenheit gewesen, kostenpflichtige oder Kurzzeit-Parkplätze für Kundschaft zu schaffen. Bekanntlich haben wir in Chemnitz jede Menge Leerstand. Da muss man so eine strategisch wichtige Stelle nicht einfach zubauen!
    Ein Hausbesitzer in der Karl-Liebknecht-Str. war da cleverer: Er hat seine baufällige Bude abgerissen und einen Parkplatz für Dauerparker gebaut. – Eine pflegeleichte Investition!

    Bin gespannt, welche der neuen Läden auf dem Brühl überleben. (Hoffentlich der „Fleischladen“!!!)
    Die Schokomanufaktur musste ja bereits wieder schließen.

  • 14
    5
    Kastenfrosch
    20.06.2019

    "Frage mich aber, wo die Kunden parken sollen."

    In anderen Städten geht es auch, oder? Rund um den Brühl hatte ich bisher selten Probleme, einen Parkplatz zu finden (wenn ich mich schon genötigt sah, mit dem Auto unterwegs zu sein). Und das, obwohl der Bahnhof nur wenige hundert Meter entfernt ist.

    Nein, in ähnlich großen Städten dürfte es ungleich schwerer sein, in so einer zentralen Lage einen kostenlosen (!) Parkplatz zu finden. Aber dass dieser Punkt in Chemnitz beim Stichwort (Innen-)Stadtbelebung so weit oben zu stehen scheint, sagt viel über diese Stadt aus.

  • 10
    7
    994374
    20.06.2019

    Ich wünsche allen Brühl-Unternehmern viele Erfolg!
    Frage mich aber, wo die Kunden parken sollen. Von den Anwohnern und Radfahrern allein, werden sie schwerlich „leben“ können.

  • 3
    20
    Interessierte
    20.06.2019

    Schon interessant , wie Sie mir ´abwechselnd` hinterher rammeln ...

  • 21
    6
    Distelblüte
    20.06.2019

    Schöne kreative Geschäftsideen - da lohnt in jedem Fall ein Besuch. Ich wünsche allen Unternehmern viel Erfolg.

  • 6
    16
    Interessierte
    20.06.2019

    Ich dachte jetzt , es wird werden wieder einmal schöne Cafés eröffnet auf diesen 3 Terrassen , die dort sind …
    "Café Brühl" und "Pinguin-Eisbar" und "Brühl-Boulevard" ...



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