Einfach Göttlich - Eiserne Hochzeit in Rußdorf

Ein Paar mit einem ungewöhnlichen Namen ist seit 65 Jahren verheiratet. Dabei hätte alles auch anders kommen können. Denn zunächst war noch eine dritte Person im Spiel.

Russdorf.

Es ist ein privates Jubiläum, das nur sehr wenigen Ehepaaren vergönnt ist: Wer 65 Jahre lang verheiratet ist, kann seine Eiserne Hochzeit feiern. Das taten gestern Ilse und Günter Göttlich aus Rußdorf. Am Pfingstsamstag, dem 31. Mai 1952, gaben sie sich bei schönstem Sonnenschein das Ja-Wort. "Es war damals der erste warme Tag im Jahr. Vorher gab es nur Kälte und Regen", erinnert sich Ilse Göttlich.

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können. "Mein Mann hatte zu der Zeit nämlich schon eine andere Freundin", erzählt die Seniorin. "Verrat nicht alles!", entgegnet Ehemann Günter Göttlich prompt. Der 85-Jährige ist als Vertriebener aus Breslau mit seiner Familie zunächst nach Langenchursdorf und dann nach Rußdorf gezogen. Dort wurde er Mitglied einer Clique, zu der auch seine künftige Frau gehörte. Nach ein paar Jahren der Freundschaft verlobten sich die beiden 1951. "Es gab da einen Tanzabend in Meinsdorf, da hat es dann geschnackelt", erzählt Ilse Göttlich.


An ihren Hochzeitstag kann sie sich noch genau erinnern: Sie trug ein weißes, bodenlanges Kleid mit einer ausladenden, edlen Schleppe. Nach der standesamtlichen Trauung im Limbacher Rathaus ging es zurück nach Rußdorf. Von dort wurde das Brautpaar mit einer Pferdekutsche abgeholt und zur Ortskirche gefahren. "Gefeiert haben wir zu Hause. Geld für eine Gaststätte oder einen Tanzsaal war einfach nicht da", so Ilse Göttlich. Gut gehen lassen haben es sich die Eheleute aber wenigstens bei der Silberhochzeit 1977 und der Goldenen Hochzeit 2002 - beide Male wurde groß im Gasthof Sittner in Rußdorf mit der ganzen Familie gefeiert. Dort wird am Wochenende auch die Eiserne Hochzeitsfeier veranstaltet.

Die 85-Jährige ist gebürtige Rußdorferin und gelernte Näherin. Sie häkelt gern und stickt Bilder. Ihr Mann hat als Schmied gearbeitet und war jahrzehntelang hobbymäßig als Taubenzüchter aktiv. Heute leben noch sechs Hühner und ein Hahn auf dem Grundstück der Göttlichs, das für sie ihre kleine grüne Oase ist und in das sie in den Anfangsjahren ihrer Ehe viel Zeit und Energie für Bauarbeiten gesteckt haben.

Was sie 65 Jahre lang zusammengehalten hat? "Die Familie und gemeinsame Ziele im Leben", stellt Günter Göttlich fest. Tochter Ute Illig wurde 1954 geboren und hat ihren Eltern zwei Enkel und mittlerweile eine Urenkelin geschenkt. "Die beiden haben immer an einem Strang gezogen, auch wenn es mal harte Zeiten gab", erzählt Ute Illig. Zoff habe auch im Haus Göttlich geherrscht, verrät Ilse Göttlich. "Wichtig ist nur, dass man sich immer wieder verträgt und nicht zu oft zu schnell aufgibt."

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