Einstige Schüler kehren als Lehrer zurück

Am Goethegymnasium unterrichten derzeit gleich zwei frühere Absolventen im Rahmen ihrer Ausbildung. Ob sie Chemnitz auf Dauer erhalten bleiben, ist noch offen.

Wer noch ganz am Beginn seines Berufslebens steht, der muss sich in aller Regel erst einmal orientieren. Wie das so läuft rund um den eigenen Arbeitsplatz, wie die Kollegen drauf sind. Angehende Lehrer stellen da keine Ausnahme dar. Mitunter aber eben doch, wie der Fall von Anna Büttner und Daniel Thiemer zeigt. Die beiden absolvieren derzeit am Goethegymnasium in Bernsdorf ihr Referendariat - jenen anderthalbjährigen Vorbereitungsdienst, der sich dem Lehramtsstudium obligatorisch anschließt. Büttner unterrichtet Spanisch und Englisch, Thiemer Geografie und Geschichte. Und das über nahezu alle Jahrgangsstufen hinweg, bis hinauf zu den angehenden Abiturienten.

Ihren Arbeitsplatz auf Zeit kennen die beiden allerdings beinahe ebenso gut wie ihre berufserfahrenen Kollegen. Denn sie sind einst selbst am Goethegymnasium zur Schule gegangen. Dass es sie im Rahmen ihrer Ausbildung erneut dorthin verschlagen würde, damit hatten beide nie und nimmer gerechnet.

"Ich glaubte zuerst, da hat wohl jemand etwas durcheinandergebracht", erinnert sich Anna Büttner an den Moment, als sie jenes Schreiben in der Hand hielt, mit dem ihr ihre künftige Referendariatsstelle mitgeteilt wurde - und sie dort den Namen ihrer alten Schule las. Die 27-Jährige hat in Leipzig studiert, mehrere Auslandsaufenthalte in Spanien und Schottland absolviert und sich später in verschiedenen Bundesländern beworben. Dass ihr am Ende fürs Referendariat auch das Goethegymnasium angeboten wurde, wertet sie als Glücksfall. Auch, weil sich damit eher lästige Themen, wie das der Wohnungssuche in einer fremden Stadt, von vornherein erledigt hatten.

Aber fühlt es sich nicht seltsam an, neuerdings neben den Paukern von einst im Lehrerzimmer zu sitzen? Ja, er habe da schon so seine Bedenken gehabt, gibt Daniel Thiemer zu. Zumal er als Schüler durchaus nicht mit allen Lehrern gleich gut klarkam. "Aber letztlich sehen die Kollegen in uns nicht ihre ehemaligen Schüler, sondern begegnen uns mit beruflichem Respekt. Obwohl wir noch Referendare sind, läuft das hier sehr auf Augenhöhe."

Ganz so außergewöhnlich ist die Konstellation aber offenbar nicht. Auch am Agricolagymnasium absolviert derzeit eine frühere Schülerin ein Referendariat. Ein Zufall? Nicht wirklich, meint Schulleiterin Silvia Fehlberg. "Wer beispielsweise Spanisch unterrichtet, für den kommen in Chemnitz nur zwei Gymnasien infrage, weil die Sprache nur dort angeboten wird."

Laut Katrin Loth vom Landesamt für Schule und Bildung geben Lehramtsstudenten, die sich um eine Referendariatsstelle bewerben, mittlerweile durchaus häufiger ihre frühere Schule als gewünschten Einsatzort an. Gibt es dort Bedarf - und das ist insbesondere in eher ländlichen Gegenden oft der Fall - versuche die Schulverwaltung, diesem Wunsch zu entsprechen. Schon der Hoffnung wegen, dass die angehenden Lehrer nach Ende ihrer Ausbildung weiterhin der Region erhalten bleiben. "Etwas Besseres kann uns ja gar nicht passieren", so Loth.

Für Anna Büttner und Daniel Thiemer stand schon während des Abiturs fest, dass sie Lehrer werden wollen. Da Geografie seit jeher sein Fach gewesen sei, hätten ihn immer wieder Mitschüler konsultiert, wenn sie mit dem Stoff Probleme hatten, erzählt der 28-Jährige. "Da hab' ich gemerkt, dass das etwas für mich sein könnte." Bei Anna Büttner zeichnete sich der Berufswunsch sogar schon in der Grundschulzeit ab. "Meine Lehrerin an der Montessorischule hat mich immer zuschauen lassen, wenn sie Arbeiten korrigiert hat. Das hat mir gefallen."

Ob sie nach Abschluss ihres Referendariats an einer Schule in Chemnitz oder der Region unterrichten werden, steht noch nicht fest. "Ich könnte mir schon vorstellen, hier weiterzumachen", sagt Daniel Thiemer. Aber auch mit einem anderen Arbeitsort in Sachsen hätte er kein Problem. Anna Büttner indes zieht es eher nach Leipzig. Denn dort, so sagt sie, seien auch die meisten ihrer Freunde zu Hause.

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