Einzelhändler zwischen Frust und Hoffnung

Die Manager der großen Einkaufszentren bilanzieren ein ausgesprochen schwieriges Jahr. Betroffen davon ist nicht nur die Innenstadt, sondern auch der Stadtrand. Das liegt nicht nur an den Ereignissen von Ende August.

Wenn Galeria-Kaufhof-Geschäftsführer Jan Grossmann das Jahr 2018 für den Chemnitzer Einzelhandel mit einem Wort zusammenfassen soll, dann nennt er die Lage schlicht "herausfordernd". Das vergangene Jahr sei für seine Branche ausgesprochen schwierig gewesen, sagt Grossmann. Als Gründe nennt er zum einen das Wetter, den heißen Sommer bzw. den bislang eher zu warmen Advent, aber auch jene Ereignisse, die Chemnitz seit dem Stadtfest im Sommer beschäftigen. Hinzu kämen dann noch Vorfälle wie die Bombendrohung in der Sachsen-Allee am vergangenen Wochenende. So etwas habe auch Auswirkungen auf die gesamte Stadt, ist er überzeugt. Wer zum Einkaufen nach Chemnitz fahren wolle und mit derartigen Nachrichten konfrontiert werde, der unterscheide nicht mehr zwischen den einzelnen Standorten. "Es heißt dann nur, es ist wieder Chemnitz, da fahren wir gar nicht erst hin", so der Galeria-Kaufhof-Chef.

Jörg Knöfel, Manager vom innerstädtischen Einkaufszentrum Galerie Roter Turm, sieht das zwar nicht ganz so. Er glaube nicht, sagte er gestern, dass die Bombendrohung in der Sachsen-Allee große Auswirkungen auf die Besucher der unmittelbaren Innenstadt hatte. Aber auch er schätzt die Gesamtlage des Chemnitzer Einzelhandels ähnlich ein. "Das war bis ins Weihnachtsgeschäft hinein ein schwieriges Jahr, wir sind Stand heute unter den Zahlen des Vorjahres", sagt er. Auch mit dem bisherigen Verlauf der Adventszeit sei er nicht zufrieden. Der Weihnachtsmarkt sei nicht so gut gefüllt wie er sein müsste, und das habe Auswirkungen auf den Einzelhandel. Als Grund hat auch Jörg Knöfel das Wetter ausgemacht. Es sei bisher zu warm gewesen, der Regen der vergangenen Tage habe sein übriges beigetragen.

In der Sachsen-Allee verweist man vor allem auf den heißen Sommer. Den habe es zwar auch in anderen Jahren gegeben, "aber in anderen Jahren ist der Umsatz zurückgekommen, dieses Jahr nicht", schätzt Centermanager Hans-Jörg Bliesener ein. Hinzugekommen sei die besondere Situation in Chemnitz nach dem Stadtfest; das habe dem Einzelhandel nicht geholfen, fügt er hinzu. Immerhin konstatiert er seit Ende Oktober für sein Haus einen deutlichen Aufwärtstrend, was auch mit der Neueröffnung des Gastronomie-Bereichs in der Sachsen-Allee zusammenhänge. Das wirke sich auch auf das Weihnachtsgeschäft aus - mit einer Bremswirkung, wie er es nennt: die Bombendrohungen am vergangenen Wochenende. Bliesener: "Wir sind gerade dabei, den Schaden zu quantifizieren." Mit dem Thema beschäftigt sich auch der Handelsverband Sachsen. Geschäftsführer René Glaser sagte, der Vorgang werde für den oder die Verantwortlichen erhebliche Schadenersatzansprüche nach sich ziehen.

Dass die Ereignisse vom Spätsommer in Chemnitz nicht nur die Innenstadt getroffen haben, bestätigt Thomas Stoyke vom Chemnitz-Center. "Auch wir haben an den Samstagen Frequenz- und Umsatzrückgänge verzeichnen müssen", sagte er. Als Grund nannte er die negativen Auswirkungen der bundesweiten Berichterstattung über die Stadt: "Wer im erweiterten Speckgürtel von Chemnitz lebt, entscheidet sich bei einer Einkaufsfahrt dann eher für Dresden oder Leipzig."

Und dennoch bleiben Stoyke und seine Kollegen optimistisch für den Rest des Weihnachtsgeschäfts. "Es soll kalt und trocken werden, genau das richtige Wetter zum Einkaufen", sagt der Manager vom Chemnitz-Center. In der Galeria Kaufhof hofft Geschäftsführer Jan Grossmann derweil, dass nun verstärkt Winterstiefel und Winterjacken gekauft werden. Jörg Knöfel von der Galerie Roter Turm fügt hinzu, vielleicht lege man ja jetzt noch einen guten Endspurt hin. "Das Defizit vom Gesamtjahr", davon ist er überzeugt, "werden wir aber nicht mehr aufholen."

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 6 Bewertungen
11Kommentare
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  • 1
    3
    Hinterfragt
    17.12.2018

    U.a.
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/freitagsproteste-sorgen-fuer-haendlerfrust-artikel10336320
    waren dann wohl FakeNews?

  • 4
    1
    VaterinSorge
    16.12.2018

    Ehrlich gesagt geht mir PC oder gegen PC ziemlich am A... vorbei, denn das beeinflusst nicht unbedingt die Entscheidung, ob man sich für Shoppingtouren für Chemnitz entscheidet oder nicht. Ich hoffe aber, dass sich sowohl Einzelhändler, Einkäufer und Entscheider sogenannter Kaufhäuser für bessere Bedingungen und modernere Erzeugnisse entscheiden. Auch ist der Trend mittlerweile unverkennbar, dass mehr Leute konventionelle Einkaufserlebnisse dem Internetshopping vorziehen. Eine Chance für Stadtväter und Gewerbetreibende, für Konsumenten und Gastronomen. Auch ist es mir gleich, ob mich jemand für einen Gutmensch hält, denn was bedeutet das schon? Also Chemnitz, tut was für Eure Kunden von nah und fern, dann wird's schon.

  • 9
    3
    Einspruch
    16.12.2018

    V.i.S. hat es schon ganz gut beschrieben. Das Wetter, PC, die Dürre usw. hat jedenfalls nichts mit schlechten Umsätzen zu tun.
    Wir fahren an den seltenen Wochenenden, wo wir vielleicht mal beide frei haben, ziemlich weit, in der Hoffnung, mal was anderes zu sehen, nicht unbedingt Schnäppchen.
    Hier ist es doch so. Kennst du einen Laden, kennst du alle. Das einzig zuverlässige sind eifrige Politessen, hohe Parkgebühren. Die Demos und Vorfälle in der Zeitung sind uns jedenfalls relativ egal, die gibt es auch woanders.
    Manchmal hämmern wir am WE nach Berlin oder sonstwohin, nur, um mal was anderes zu sehen außer Größe 34-36, Schuhe bis 42 und 50 Prozent Sale nach vorherigem Mondpreis.

  • 5
    8
    ArndtBremen
    16.12.2018

    @Hinterfragt: Vielen Dank für die Beihilfe zur Gehirnbenutzung einiger Kommentatoren. Es ist erschreckend, daß manche nicht mehr wissen, was gestern geschrieben wurde. Das ist nahe an einer politischen Demenz. Hinterfragt, wir sollten uns mal zum Gedankenaustausch treffen.

  • 6
    10
    ArndtBremen
    16.12.2018

    @Vaterin Sorge: Die Behauptung, daß PC für den Rückgang der Umsätze verantwortlich ist stammt nicht!!! von mir. Das haben doch Ihresgleichen, also Gutmenschen stets behauptet. Also schön bei der Wahrheit bleiben, Herr Gutmensch.

  • 5
    7
    Hinterfragt
    16.12.2018

    "...das ist wohl die absurdeste und bescheuertste Begründung, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist...."

    Aber genau dies wurde durch Innenstadthändler so hier auch in FP kommuniziert.

  • 9
    4
    CPärchen
    16.12.2018

    Ein Gastronom Nahe des Mischels machte tatsächlich die Erfahrung, dass die Demonstranten von ProChemnitz seine Gäste fernhalten. Das wurde ihm teils sehr direkt mitgeteilt. Da kann er auch nichts dagegen machen, wenn die Gäste "keinen Bock haben". Aber es ist die Mischung.

    Autofeindlichkeit in der Innenstadt, sinnlose Bombendrohungen, Sicherheitsgefühl, Verkehrssituation, Wetter, Internethandel, Demonstrationen,...
    Ich wüsste auch keinen Rat für die Händler im Zentrum. Viel Schuld sehe ich in der R2G-Stadtregierung (Sicherheitsanpassungen zu lange verzögert, Kunden mit Autos als Einnahmequelle)

  • 13
    5
    VaterinSorge
    16.12.2018

    naja lieber Arndt, das ist wohl die absurdeste und bescheuertste Begründung, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist. Das Einzelhandelsproblem, dass es im Übrigen in vielen Städten ob groß oder klein gibt, können nur die Einzelhändler in Kooperationen mit den Stadtvätern und den Einwohnern/Kunden selbst lösen. Dabei ist derzeit Chemnitz nicht unbedingt mit glücklichen Umständen gesegnet, denn die Besucher kommen gern zum feiern und nicht zum shoppen. Durch den desaströsen Nahverkehr, gepaart mit überdimensioniertem Wohlstandsgehabe, überproportionaler Überalterung der Einwohner und überschwänglichen Gebrauchtwagenangeboten, hat nun jeder Haushalt mehrere Fahrzeuge im Besitz, sodass tatsächlich gebührenfreie Parkplätze fehlen, die eine menge Kaufkraft vergraulen. Es gibt glaube ich auch keine andere Stadt, die ihre Besucher mit so vielen Geschwindigkeits- und Parkgebührenkontrollen begrüßt, wie es in Chemnitz an der Tagesordnung ist. Größtenteils sind es echte Fallen an Stellen, die man nicht unbedingt als gefährlich einschätzt. Der andauernde Aufmerksamkeitsstress führt dann dazu, dass man froh ist, wenn man wieder raus ist aus der Stadt und begnügt sich dann mit Alternativen, die dem Chemnitzer Einzelhandel schaden. Eine neue Geschäftsidee von Parkwächtern, die parkenden Fahrzeuglenkern bei MC Donald, Aldi, Lidl usw. auf der Spur sind, weil man dort mittlerweile Parkuhren ins Fenster legen muss, ist die nächste Schikane und sorgt mehr für Frust als Einsicht. Also, bei soviel Barrieren macht Chemnitz keinen Spaß und fühlt sich nicht gastfreundlich an.

  • 7
    17
    ArndtBremen
    16.12.2018

    War bis jetzt nicht immer Pro Chemnitz Schuld an den Fastinsolvenzen der Händler? Jetzt, wo nicht mehr so oft demonstriert wird, sind es die gebührenpflichtigen Parkplätze und der überteuerte öffentliche Nahverkehr. Da reicht es wohl für die Nazikeule nicht mehr.

  • 16
    4
    CPärchen
    15.12.2018

    Kann ich so nicht bestätigen. In der Innenstadt gibt es neben den großen Ketten auch viele interessante Geschäfte. Anzüge in der Innenstadt zu finden ist ja nunmal wirklich einfach, gleich für welchen Geldbeutel.

    Was für die Innenstadt tatsächlich stimmt ist das Verjagen der Autofahrer. Nachdem auf den Parkplätzen deutlich mehr kontrolliert wird, weiche ich auch aus auf umliegende Zentren. Warum sollte ich Parkgebühren bezahlen oder als Pärchen 7,50€ für die Öffentlichen, wenn ich anderswo mein Auto umsonst abstellen darf und bei den Toiletten keine Frauen auf Trinkgeld warten müssen. Ist auch eine Frage des Service.

  • 13
    11
    VaterinSorge
    15.12.2018

    Chemnitz ist schon immer für Kaufinteressenten dermaßen unattraktiv, dass ich mich wirklich wundere, dass der Einzelhandel erst jetzt jammert und sich mal einige Fragen stellt.
    Die Manager und selbständigen Einzelhändler sollten sich doch mal die Mühe machen und mal aus irgendeiner Richtung von außen mit dem normalen Auto kommen und versuchen, ihr Geld in einem der Läden loszuwerden. Das vergeht einem schon, wenn man in den völlig unberechenbaren Stadtverkehr eintaucht, es zudem schon etwas dunkel wird und man eine bestimmte Einkaufsstelle anpeilen möchte. Es wird einem nicht leicht gemacht keine Hinweise keine Kaufanreize keine wirkliche Verführung zum bummeln. Hat man dann einen Parkplatz (natürlich gibt es nur gebührenpflichtige) gefunden, betritt man dann ein Fachgeschäft, folgt der nächste Schock. Die Waren, die hier angeboten werden, sind völlig unmodisch, keine aktuellen Kollektionen, nur kleine Größen und wirklich nichts schickes, was einem vom Hocker hauen könnte. Von den Schuhen (Größen enden bei Größe 45 manchmal 46) über Anzüge, die nie passend sind, Hosen die bei Länge 33 enden, Billig - Strickware die völlig überteuert ist. So wie es in den Läden aussieht, sieht es auch auf den Straßen aus. Irgendwo müsste man jetzt mal anfangen, das Sortiment etwas attraktiver, wertiger und aktueller zu machen, dann bekommt man auch die richtige Kundschaft. Wer mal erleben möchte, wie es auch anders gehen kann, der kann mal nach Erfurt, Dresden oder Stuttgart oder nur nach Kirchheim fahren und sich ein Bild machen. Und gute Klamotten ist das Wichtigste für funktionierende Innenstädte, nicht Döner, Fastfood oder Pfennigpfeifer & Co. Also, Mut zu mehr Mode und Moderne in der Stadt der Moderne. Schafft die Jagd auf Autofahrer ab und knippst ein paar Lichter an.



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