Eisenbahnvereine rücken für Großprojekt zusammen

Die Betreiber zweier Museen in Hilbersdorf wollen im Hinblick auf die Sächsische Landesausstellung im kommenden Jahr mehr kooperieren. Sie haben aber auch eine Sorge.

Hilbersdorf.

Hier die originalgetreue Seilablaufanlage für die lokomotivlose Zerlegung von Güterzügen, dort historische Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven: Auf dem ehemaligen Hilbersdorfer Bahngelände gibt es viel, was das Herz eines Eisenbahnfans höher schlagen lässt. Nur: Wer all das sehen will, muss bislang in der Regel zweimal Eintritt bezahlen. Der Grund: Auf dem 26 Hektar großen Areal existieren zwei Museen nebeneinanderher: das Sächsische Eisenbahnmuseum (SEM), das von einem gleichlautenden Verein betrieben wird, und das Technikmuseum Seilablaufanlage unter Obhut der Eisenbahnfreunde Richard Hartmann.

Beide waren sich lange Zeit nicht wirklich grün, setzten unterschiedliche Schwerpunkte und arbeiteten kaum zusammen. "Es gab einige Irritationen", sagt Wolfgang Vogel, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde. Vermittelbar sei das eigentlich aber nicht, ergänzt Sven Liebold vom Vorstand des SEM. "Der Bürger versteht nicht, dass es hier zwei Vereine auf einer Anlage gibt." Nun raufen sich beide zusammen. Den Anfang machen gemeinsame Öffnungstage wie am Ostersamstag. Die habe es zwar schon ab und an gegeben, berichtet Vogel. "Dieses Jahr wollen wir sie aber intensivieren."

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Weitreichender ist die Kooperation im Rahmen eines Großprojektes. Nächstes Jahr findet die vierte Sächsische Landesausstellung statt. Zentraler Ort der Schau vom 25. April bis 1. November 2020 mit dem Titel "Industrie - Kultur - Sachsen" ist der Audi-Bau in Zwickau. Zudem wurden sechs sogenannte authentische Schauplätze der Industriegeschichte auserkoren. Einer davon ist das ehemalige Hilbersdorfer Bahngelände. Die beiden Museen sollen dafür zu einer Ausstellung zusammengeführt werden, die den Titel "Schauplatz Eisenbahn" trägt. Dafür genutzt werden im wesentlichen die bestehenden Anlagen und Exponate. Die beiden, hunderte Meter voneinander entfernten Museumsareale sollen aber mithilfe eines neuen Weges verbunden werden.

Neu dazu kommt ein Eingangs- und Ausstellungsgebäude. Dabei handelt es sich um einen rund 100 Jahre alten Güterschuppen nahe der Frankenberger Straße. Das seit Jahrzehnten leer stehende Haus wird derzeit saniert. Dort soll eine Schau zum Thema "Eisenbahn und Wirtschaft" entstehen, erklären Maximilian Claudius Noack und Barbara Graupner vom Projektleitungsteam. Langfristig sei denkbar, im Freigelände einen Freizeitbereich mit Spielplatz, Grünanlagen und Gastronomie zu schaffen, ergänzen sie.

Kurzfristig plagen die Verantwortlichen indes Sorgen. Zwar stehen für die Vorbereitung der Ausstellung im kommenden Jahr etwa 1,1 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Das sei aber zu wenig, sagt Graupner. Allein 700.000 Euro würden für den Weg gebraucht. "Uns fehlen etwa 350.000 Euro." Die versuche man über Sponsoren und weitere Fördermittelgeber zu bekommen, so die Architektin.

Sie sieht die gemeinsame Schau im Übrigen als "Zünder" für eine langfristige Kooperation der beiden Museen. SEM-Vorstandsmitglied Liebold hätte nichts dagegen. Perspektivisch könne er sich einen gemeinsamen Verein vorstellen - oder eine Betreibergesellschaft, die über beiden Vereinen steht, sagt er.

Gemeinsamer Öffnungstag zum Saisonstart beider Museen am Samstag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 8 Euro, bis 18 Jahre frei.

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