Eltern fühlen sich überrumpelt

An der Grundschule in Grüna sollen Klassen für die Kinder von Migranten eingerichtet werden. Im Ort hagelt es Kritik - vor allem aus einem Grund.

Grüna.

Einer aktuellen Erhebung zufolge fällt deutschlandweit in keinem anderen Bundestagswahlkreis der Ausländeranteil an der Bevölkerung so niedrig aus, wie in der Gegend zwischen Hohenstein-Ernstthal, Limbach-Oberfrohna und Burgstädt. In den angrenzenden, eher ländlich geprägten Stadtteilen von Chemnitz sieht es kaum anders aus. In Grüna aber könnte sich das Bild noch in diesem Jahr zumindest tagsüber ein wenig ändern. Die Sächsische Bildungsagentur plant, nun auch an der dortigen Grundschule zwei eigene Klassen für Kinder von Asylbewerbern und Flüchtlingen einzurichten.

Offiziell bekanntgemacht wurden die Pläne noch nicht, trotzdem sind sie im Dorf seit Tagen Thema Nummer eins. "Mein Telefon steht nicht mehr still", schildert Ortsvorsteher Lutz Neubert die Situation. "Viele Eltern wollen wissen, was hier Sache ist." Doch auch er kann ihnen nicht viel sagen. "Nicht nur ich, der gesamte Ortschaftsrat ist ziemlich angefressen, weil wir nicht frühzeitig informiert wurden."

Dabei, so Neubert, gehe es ihm und den Ortschaftsräten weniger um persönliche Befindlichkeiten, sondern eher um Folgen für die Dorfgemeinschaft. "Dank der Unterstützung aus unseren Vereinen und mithilfe von Spenden der hier ansässigen Unternehmen haben wir an unserer Schule manches möglich gemacht, wofür die Stadt kein Geld hatte", erläutert er. Die dabei aufgebaute Vertrauensbasis stehe nun vor einer ernsten Belastungsprobe. "Ohne, dass wir hier im Ort irgendetwas dafür könnten."

Viele Eltern vermuten, dass die Überlegungen nicht zufällig erst jetzt bekannt wurden, und nicht schon vor den Anmeldungen der neuen Erstklässler Mitte der Vorwoche. Auch der Umstand, dass es erst am kommenden Dienstag eine erste gemeinsame Beratung mit der Bildungsagentur geben soll, sei wohl kein Zufall, meinen sie mit Blick auf die morgige Bundestagswahl.

Andere wiederum wundern sich, warum ausgerechnet in Grüna Klassen für die Kinder von Migranten eingerichtet werden sollen. "Hier gibt es doch weit und breit keine Asylbewerber und Flüchtlinge", wundert sich ein Unternehmer. Bislang sei die Welt in Grüna "noch in Ordnung", findet er.

Ein Sprecher der Bildungsagentur nennt für die Standortentscheidung im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen werde angestrebt, die Beschulung der Kinder möglichst gleichmäßig im Stadtgebiet zu verteilen und nicht in einzelnen Gegenden zu konzentrieren, sagte er. Zum anderen gehe es um die Frage, wo überhaupt noch nutzbare Räume vorhanden seien oder kurzfristig geschaffen werden können.

In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits an einer ganzen Reihe von Grund-, Ober- und Berufsschulen in Chemnitz Klassen für Kinder von Migranten eingerichtet, ebenso an mehreren Gymnasien. Die Schüler lernen dort zunächst vor allem die deutsche Sprache. Später nehmen sie an ausgewählten Unterrichtsstunden der regulären Schulklassen teil, bevor sie schließlich an eine Schule in der Nähe ihres Wohnortes wechseln.

Wie gut das Miteinander gelingt, hängt den Erfahrungen zufolge nicht zuletzt von der Personalausstattung, der Zusammenarbeit von Schulleitung und Elternvertretern sowie vom persönlichen Engagement vor Ort ab. Zuletzt hatten vor den Sommerferien an einer Oberschule in Schloßchemnitz Eltern massiv gegen die geplante Aufnahme von rund 100 Schülern aus Migrantenfamilien protestiert. In der Folge wurde ein Teil der Kinder auf andere Schulen verteilt. Mit den übrigen hat es laut der Elternsprecherin der Schule entgegen mancher Prophezeiung bislang keinerlei nennenswerte Probleme gegeben. "Davon hätte ich mit Sicherheit erfahren", versichert sie. "Wir Elternvertreter sind untereinander alle sehr gut vernetzt."

Bei den Kindern, die in Grüna unterrichtet werden sollen, wird es sich laut Bildungsagentur ausschließlich um Mädchen und Jungen im Grundschulalter handeln. Da sie von außerhalb kommen, soll für sie eine Schülerbeförderung organisiert werden. Wann die Klassen eingerichtet werden, sei noch unklar. Voraussichtlich jedoch etwas später als zuletzt geplant.

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6Kommentare
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  • 6
    3
    Pedaleur
    28.09.2017

    Es ist beschämend. Und es bestätigt dieses vorgeschobene "Wir haben nur was gegen Wirtschaftsflüchtlinge". Es geht gegen alles Fremde. Hier geht es um Kinder, die eine Chance verdient haben, eine gute Bildung zu erfahren. Was haben diese Leute eigentlich für ein Problem? Das schicke Eigenheim mit Garten für die eigenen Kinder, aber anderen Kindern, die in diesem Alter schon prägendes erlebt haben, nicht mal einen Schulplatz gönnen? Was noch dazu kommt, man hat Kontakt zu den Eltern, die dann ebenso verpflichtet sind, sich einzubringen und nicht irgendwo isoliert leben. Stichwort Schulsozialarbeit. Ich schließe mich Felto84 an. Wenn man hier versäumt, diese Kinder zu beschulen, produziert man Probleme und befördert evtl. auch ein späteres Abrutschen in die Kriminalität. Möglichweise gibt es sogar die Chance, dass diese Kinder eine Ausbildung absolvieren und im Sinne des prognostizierten Fachkräftemangels dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wenn sie denn hier bleiben. Wenn nicht, ist es gelebte Entwicklungshilfe, von der von AfD bis Linkspartei ja alle sprechen. "Es gibt nur eine Sache auf der Welt, die teurer ist als Bildung- keine Bildung." John F. Kennedy.

  • 5
    4
    gelöschter Nutzer
    25.09.2017

    Gut vomdorf, ich befrage mich mal selbst.

    Außerdem kam in diesem Artikel nicht ein Lehrer zu Wort, sondern nur besorgte Bürger, die fürchten, dass die Welt in ihrem Grüna nicht mehr in Ordnung ist, wenn die Grundschulkinder dort unterrichtet werden.

  • 5
    4
    vomdorf
    24.09.2017

    @Felto84: Bitte sprechen Sie doch mal mit einem Lehrer für DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache).... sie würden sich wundern, was sich in Grundschukklassen mit solchen Kindern abspielt.

  • 10
    5
    gelöschter Nutzer
    24.09.2017

    Die "echten" Deutschen haben also Angst vor 6 bis 10 jährigen Grundschülern. Armes Deutschland!

    Bezeichnend ist, dass in diesem Artikel nicht eine einzige Begründung, warum das so ein großes Problem sein soll, genannt wird. Nur Befindlichkeitsäußerungen ("da war die Welt noch in Ordnung") und nicht ein Argument, warum diese Kinder in Grüna so ein Problem darstellen könnten. Wovor haben die Leute eigentlich Angst? Statt dessen blühen wieder die Verschwörungstheorien.

    Ich würde mir viel größere Sorgen machen, wenn diese Kinder nicht in eine staatliche Schule mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern gehen würden. Dann hätten wir in vier bis fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Jugendliche Straftäter mehr in der Stadt und auch in Grüna. So besteht eine gute Chance, dass das nicht passiert und diese Kinder nie auffällig sondern zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft werden.

    Hätte Deutschland ein Einwanderungsgesetz könnte das dann tatsächlich zu den Fachkräften führen, die wir brauchen. Leider wird es so sein, dass die Familien mit diesen Kindern in wenigen Monaten oder Jahren wieder gehen müssen und wir statt dessen kriminelle Männer mit ungeheurem Hass auf die ungläubigen Deutschen um die 18 behalten, die schlau genug waren ihren Ausweis zu entsorgen. Das muss sich ändern! Aber deswegen Angst vor Grundschülern zu haben und diese noch nicht einmal begründen zu können, ist lächerlich und peinlich.

  • 10
    6
    lupus
    24.09.2017

    Das Verhalten ist schon eigenartig und nicht zu akzeptieren.
    Noch keinen Flüchtling getroffen und dann sich gegen eine Schulklasse wehren.
    Die Forderung, daß jede Nutzung der staatlichen Schule mit jedem, der sich dazu ermächtigt fühlt, vorher besprochen werden soll, ist eigentlich eine Anmaßung.

  • 12
    5
    AmZeisigwald
    24.09.2017

    Es handelt sich um Kinder die in eine Schule gehen sollen. Manche tun so als würden da Schwerverbrecher eingeschult werden.
    "....die Welt war noch in Ordnung...." bitte bleibt auf dem Teppich.
    Der Lehrermangel und schlecht ausgebildete Seiteneinsteiger sind das Problem der Zukunft in unseren Schulen! Lg nach Grüna



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