Eltern wegen längerer Schulwege verärgert

Weil die Goetheschule aus allen Nähten platzt, sollen einige Kinder nach Pleißa und Kändler geschickt werden. Mütter und Väter werden von dem Vorhaben der Stadt kalt erwischt.

Limbach-Oberfrohna.

Mit der Einschulung seines Sohnes, die im Sommer bevorsteht, beschäftigen sich Dirk Schüppel und seine Ehefrau schon lange. Im vergangenen August meldeten sie den Sechsjährigen an der Goethe-Grundschule an. Im Dezember informierten sie sich bei einem Elternabend in der Bildungsstätte im Limbacher Zentrum unter anderem darüber, welche Materialien ihr Sohn für den Unterricht benötigt. Parallel kümmerten sich die Schüppels um einen Hortplatz und fanden diesen in der Evangelischen Kita an der Lutherstraße. "Zu Beginn des Schuljahres werden die Erstklässler der Goetheschule von einer Erzieherin abgeholt und zum Hort gebracht. Später gehen sie dann zusammen mit älteren Kindern", sagt der Vater. Alles schien also in bester Ordnung zu sein.

Das änderte sich vor wenigen Tagen. Da erhielt die Familie einen Brief von der Stadtverwaltung. Diese informierte darüber, dass der Stadtrat Anfang Februar eine Änderung der Schulbezirke beschließen soll. Die Zliner Straße, an der die Schüppels wohnen, soll demnach der Grundschule Pleißa zugeschlagen werden. Die bisherigen Planungen der Familie sind also Makulatur.

Die dreizügige Goetheschule hat Platz für 84 Erstklässler. Nach Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung wurden aber 115 Kinder angemeldet. Deshalb will die Stadtverwaltung einige der Mädchen und Jungen nach Pleißa und Kändler schicken. Dirk Schüppel kann zwar nachvollziehen, dass die Stadt die Goetheschule nicht erweitern will, da die Schülerzahlen Prognosen zufolge schon in wenigen Jahren wieder sinken sollen. "Aber ich bin verwundert über die Informations- und Kommunikationspolitik", sagt der 39-Jährige. Er verstehe nicht, dass dem Rathaus offenbar so spät auffalle, dass nicht alle Kinder an der Goetheschule aufgenommen werden können. Noch beim Elternabend im Dezember sei davon keine Rede gewesen. "Da geht natürlich auch ein Stück Vertrauen in die Verantwortlichen verloren."

Schüppel sieht sich jetzt vor viele Fragen gestellt. Wie soll sein Sohn ab Sommer zur Schule kommen? "Zur Goetheschule ist es von uns aus ein Kilometer. Er hätte zu Fuß gehen können." Bis zur Grundschule Pleißa müsse der Sechsjährige aber etwa 2,5 Kilometer zurücklegen. Auch der Hortplatz an der Lutherstraße steht nun zur Disposition, da die dortige Kita keine Kooperation mit der Grundschule Pleißa unterhält. Er werde von der Stadtverwaltung vor vollendete Tatsachen gestellt, kritisiert Schüppel. "Hätte ich gewusst, dass mein Sohn nach Pleißa gehen soll, hätte ich ihn vielleicht an einer freien Schule angemeldet. Aber dort sind die allermeisten Plätze inzwischen vergeben", stellt der Vater fest. Er will jetzt einen Ausnahmeantrag stellen in der Hoffnung, dass sein Sohn doch noch einen Platz an der Goetheschule erhält.

Auch bei anderen Eltern ist der Ärger groß. "Wir sind stinksauer auf die Stadt. Sie muss doch wissen, wie viele Kinder jedes Jahr eingeschult werden", sagt eine Mutter, die mit ihrer Familie am Heinrich-Mauersberger-Ring wohnt. Auch ihr Sohn soll jetzt die Grundschule Pleißa besuchen. Die Mutter will ebenfalls einen Antrag stellen. "Mein Sohn hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, und an der Goetheschule gibt es dafür eine Spezialklasse", begründet die Limbacherin.

Auf die Frage, warum beim Elternabend an der Goetheschule im Dezember von den Platzproblemen noch keine Rede war, antwortet Schulleiter Olaf Kreher nur indirekt. Es sei Aufgabe der Stadtverwaltung, für eine ausreichende Kapazität zu sorgen. Auf die Planungsprozesse habe die Schule keinen Einfluss.

Katrin Heiber sagt, sie könne den Unmut der Eltern verstehen. Die Schul-Fachbereichsleiterin im Rathaus verweist darauf, dass die Stadt kaum eher hätte reagieren können. Noch im November habe sich die Anzahl der künftigen Erstklässler stark verändert. "Da sind Kinder hinzugekommen, deren Eltern die Anmeldung zunächst versäumt hatten", erklärt sie. Auf die Daten des Einwohnermeldeamtes allein könne man sich nicht verlassen. Einige Eltern zögen freie Schulen vor, andere Kinder würden nach der Schuluntersuchung zurückgestellt, sagt Heiber.

Da die Vorbereitung eines Stadtratsbeschlusses, wie er jetzt für Anfang Februar vorgesehen ist, zwei Monate dauere, habe die Stadt beim Elternabend im Dezember noch keine Lösung präsentieren können, erläutert die Fachbereichsleiterin. "Hätten wir dort das Problem angesprochen, hätten am nächsten Tag die Eltern von 115 Kindern bei uns vorgesprochen." Mit Blick auf den Schulweg verweist Heiber auf die Buslinie 256, die die Innenstadt mit Pleißa verbindet. "Das ist aus unserer Sicht eine recht komfortable Lösung."

Heiber macht darauf aufmersam, dass mehrere Eltern mit den Änderungen der Schulbezirke gut leben könnten, weil ihre Kinder so eine kleinere Dorfschule besuchten. Zum Schuljahr 2020/21 sollen die Bezirke dann fast vollständig aufgehoben werden. Heiber: "Dann bekommen wir mehr Flexibilität."


Kommentar: Ein großes Chaos

Wenn es um die gestiegenen Erstklässler-Anmeldezahlen an der Goetheschule geht, bekleckert sich die Stadtverwaltung nicht mit Ruhm. Bereits im vergangenen Jahr erschien das Vorgehen wenig planvoll. Das zunächst erwogene Aufstellen von Containern wurde aus Kostengründen verworfen, die Nutzung der Aula als Klassenraum ebenfalls. Als am Ende einige Kinder mit Migrationshintergrund an die Gerhart-Hauptmann-Schule geschickt wurden, die ohnehin in deren Nähe wohnen, fragten sich Beobachter, warum das Rathaus nicht eher auf diese Idee gekommen war.

Man hätte erwartet, dass die Stadt aus dem Chaos lernt; dass sie dieses Mal frühzeitig eine Lösung präsentiert und die Eltern informiert, damit diese Planungssicherheit haben. Doch das Gegenteil ist der Fall. Dass Mütter und Väter einen Elternabend der Goetheschule besuchen, nur um wenige Wochen später zu erfahren, dass ihr Kind doch nicht dort lernen soll, ist absurd. Mit der ab 2020 vorgesehenen Auflösung der Schulbezirke will die Stadt nun die Notbremse ziehen. Das kommt allerdings viel zu spät.

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1Kommentare
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  • 4
    1
    VaterinSorge
    24.01.2019

    Ich kann der Stadt nur ganz schnell raten, mit den betroffenen Familien ganz schnell praktikable Lösungen zu finden und darauf zu achten, dass es hier um die Kinder selbst geht, die neben der allgemeinen Schulpflicht, auch Rechte auf gute Bildung und ordentliche Rahmenbedingungen haben. Mit den Versuchen durch umlegen von Schulbezirken Schülerströme zu lenken, wird man anstehende Probleme nicht lösen können und keinen Frieden erzeugen. Das ist alles Gift für die Psyche der Schulanfänger und deren Eltern.
    Wenn es günstige Busverbindungen gibt, Förder- Hort und GTA Angebote passend sind, Geschwister- und Freundeskreise berücksichtigt werden können, gibt es sicherlich gute Wege auch andere Schulen mit weniger Auslastung zu besuchen. In anderen Städten hat man das auch geschafft und sich engagiert. In Penig beispielsweise stellte man eine Micky-Maus Linie bereit, um Kinder, die weiter weg sind zur Schule-Hort und nach Hause zu fahren. Manchmal sind es kleinere Klassen oder eine ruhigere Umgebung die auch von Vorteil sind, doch das kommt eben nicht von allein und schon gar nicht durch neue Schulbezirke. Limbach ist eine so tolle und moderne Stadt, Ihr solltet das doch gemeinsam in den Griff bekommen und Euch glücklich schätzen, dass ihr so viele Schulanfänger habt. Kümmert Euch um sie, damit sie auch später gut gebildet der Stadt erhalten bleiben!



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