Ende 2020 sollen Straßenbahnen die City mit Aue verbinden

Noch im Juli beginnen die Bauarbeiten an einer weiteren Strecke des Chemnitzer Modells. Und das Netz wird weiter ausgebaut.

Bernsdorf.

Neun Brücken, fünf neue Haltestellen, vier Pendler-Parkplätze, fünf Verknüpfungsstellen für Bus und Bahn sowie drei Kreuzungsbahnhöfe sollen bis nächstes Jahr an der Bahnstrecke von Chemnitz nach Aue gebaut werden. Mit diesen Arbeiten soll die bisherige Eisenbahnstrecke für das Chemnitzer Modell fit gemacht werden. Ab Ende 2020, kündigte der Bauherr, der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) am Montag an, sollen Straßenbahnen die Chemnitzer City mit dem Erzgebirge verbinden.

Doch zuvor muss erst einmal gebaut werden. Vergangene Woche hatte das Eisenbahnbundesamt den Planfeststellungsbeschluss und damit Baurecht erteilt. Am 30. Juli sollen die Bauarbeiten laut VMS beginnen. Und das mit Dampf. "An vielen Stellen entlang der 47 Kilometer langen Strecke soll gleichzeitig gearbeitet werden", kündigte Mathias Korda, Infrastrukturleiter beim VMS an. 65 Millionen Euro sollen die Bauarbeiten kosten, deren Schwerpunkte zwischen Zwönitz und der Straßenbahnwendeschleife an der Haltestelle Technopark in der Nähe der Fraunhoferstraße in Bernsdorf liegen. Vom dortigen Gleisstumpf entsteht auf etwa 200 Metern eine zweigleisige Neubaustrecke bis zum unteren Ende des Südbahnhofes. Zudem erfolgt der ebenfalls zweigleisige Ausbau des bestehenden, derzeit noch eingleisigen Streckenabschnittes bis zum Bahnhof Reichenhain. Nichts mehr gebaut werden muss zwischen Hauptbahnhof und der Haltestelle Technopark. Auf dieser Strecke rollen bereits Straßenbahnen.


Der Ausbau der Strecke nach Aue ist laut VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus ein "wichtiger Meilenstein fürs Chemnitzer Modell". Damit werde das Zwönitztal besser an Chemnitz angebunden. "Für Touristen und Tagesausflügler ebenfalls eine attraktive Verbindung", so Neuhaus. Diese sowie Pendler sollen die Straßenbahnen künftig zumeist im Halbstundentakt bis Thalheim und stündlich bis Aue fahren. Die Erzgebirgsbahn war stündlich unterwegs. Laut Mathias Korda wird der halbstündliche Takt von 5.30 bis 18.30 Uhr gefahren. Der erste Zug soll Aue morgens kurz vor 4 Uhr verlassen, die letzte Bahn abends 22.45 Uhr in Chemnitz losfahren, so Korda. Betrieben wird die neue Strecke von der City-Bahn Chemnitz. Züge der City-Bahn rollen schon jetzt auf den Strecken nach Stollberg, Burgstädt, Mittweida und Hainichen. Die stündliche Verbindung nach Aue wird in die Linie C 13 integriert. Sie verkehrt jetzt zwischen Chemnitz und Burgstädt und soll ab Ende 2020 nach Aue verlängert werden. Die halbstündliche Verbindung nach Thalheim wird Bestandteil der Linie C 14, die schon zwischen Chemnitz und der Hochschulstadt Mittweida fährt und ab nächstem Jahr bis nach Thalheim führt.

Durch die neue Streckenführung durch die Chemnitzer Innenstadt und die neuen Haltestellen wird sich die Fahrzeit zwischen Aue und dem Chemnitzer Hauptbahnhof im Vergleich zur bisherigen Fahrzeit der Erzgebirgsbahn von 73 Minuten etwas verlängern, so Mathias Korda. Dafür benötigten Fahrgäste, die ins Zentrum wollten, weniger Zeit. Bisher mussten sie am Südbahnhof oder am Hauptbahnhof umsteigen. Genaue Fahrzeiten nannte er jedoch noch nicht. Die Straßenbahnen werden künftig mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zwischen Chemnitz und dem Erzgebirge pendeln.

Seit September ist die Bahnstrecke wegen vorbereitender Bauarbeiten gesperrt. Pendler und Reisende müssen auf Busse umsteigen. Damit künftig möglichst viele Fahrgäste die Straßenbahn nutzen, sollen mehr Busse zu den Bahnhöfen fahren, sagte Korda. So sollen Berbisdorf und Eibenberg besser an Einsiedel angebunden werden.

Ursprünglich sollten die Straßenbahnen des Chemnitzer Modells bereits seit Ende 2018 Chemnitz mit Aue verbinden. Doch zusätzliche Arbeiten bei der Planung der Bautätigkeiten sowie das Warten auf den Planfeststellungsbeschluss verzögerten das Vorhaben. Der Ausbau des Chemnitzer Modells geht indes weiter. 2020 ist Baustart für den Anschluss von Oelsnitz im Erzgebirge, teilte der VMS am Montag mit. 2020 sollen auch die Planungen für die Strecke nach Limbach-Oberfrohna beginnen. Später folgt der Ausbau der Strecken nach Cranzahl und Olbernhau im Erzgebirge.

Das Chemnitzer Modell

Beim Chemnitzer Modell nutzen Straßenbahnen Eisenbahngleise. Es ist so ausgelegt, dass die Türhöhe der Züge mit der Höhe der Bahnsteige übereinstimmt - so ist der Zustieg barrierefrei. Derzeit gibt es vier Linien: nach Burgstädt, Mittweida, Hainichen und Stollberg. Auf allen Strecken werden neben dem Chemnitzer Hauptbahnhof auch mehrere Haltestellen in der Innenstadt angefahren. Geplant sind weitere Verbindungen nach Limbach-Oberfrohna sowie mehrere Städte im Erzgebirge. Betreiber ist die City-Bahn Chemnitz. (grit/lkb)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Haecker
    02.07.2019

    So richtig glaube ich es erst, wenn die Frist für Widersprüche bzw. Klagen abgelaufen ist (obwohl man sich kaum einen Grund für Widersprüche vorstellen kann. Schließlich geht es ja nur um einen Ausbau im Bestand. Und für evtl. Grundstücksbeanspruchungen für zusätzliche Haltepunkte sollten ja Lösungen zu finden gewesen sein. - Aber man kann ja nie wissen, auf was für Ideen manche Leute kommen!)



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