Entsorger versteigert Papp-Autos

Eine ungewöhnliche Fuhrpark-Auktion, eine Band rockt in Tschechien und der "Chemnitzer Liebling" ist Gold wert.

Gerold Münster, Geschäftsführer des Recyclingunternehmens Becker Umweltdienste, lässt seinen Firmenfuhrpark versteigern. Räumfahrzeuge, Kipper, Ölspurbeseitiger - alles muss raus, zumindest in der Pappversion. Zum Firmenlauf im September vergangenen Jahres bastelten Münsters Mitarbeiter insgesamt 15 Autonachbauten aus alten Kartons. Die schnallten sie sich um und rannten um den Preis für das kreativste Laufkostüm mit. Ergebnis: Platz zwei. Den Sieg holte sich damals die Mannschaft des Vereins "Tellerlein deck dich". Um dem Gewinner des Laufs nun nachträglich zu gratulieren, bringt Gerold Münster die beckerschen Pappautos unter den Hammer. "Die Versteigerung läuft derzeit auf der Internetseite unseres Unternehmens", erklärt er. Der Erlös geht an die Tellerlein-Helfer, die Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen eine gesunde Ernährung ermöglichen. Doch damit nicht genug: Münster hofft, dass die Versteigerung einen weiteren guten Zweck erfüllt. "Ich wünsche mir, dass diejenigen, die unsere lustigen Gefährte erstehen, diese Autos Schulen oder Kindergärten schenken", so Münster. Dort sollen sie als Sammelbehälter für ein anderes Herzensprojekt herhalten. Im Auftrag des weltweiten Serviceclubs Rotary engagiert sich Gerold Münster nämlich auch für die Ausrottung der Krankheit Polio, der Kinderlähmung. "Dafür sammeln wir verwertbare Plastikdeckel von Getränkeflaschen", erklärt er. "Diese können in den Pappautos aufbewahrt werden. Wir vermitteln sie dann an Verwertungsunternehmen, die die Deckel aufkaufen." Der Gegenwert 500 solcher Deckel entspricht den Kosten einer Impfdosis gegen Polio. Die Krankheit taucht derzeit vor allem in Afghanistan und Pakistan auf. In vielen Chemnitzer Kindereinrichtungen, etwa in der Heinrich-Heine-Grundschule, der Grundschule Glösa und im Kindergarten Sonnenschein werden schon solche Deckel gesammelt. Gerold Münster hofft nun, auf spendable Bieter. Gerade heute sollte ihm dieser Gefallen erfüllt werden. Denn Münster feiert heute Geburtstag.

Matthias Markus Brückner, unter dem Künstlernamen MMB Friedhelm Frontmann der Band "Die arbeitslosen Bauarbeiter", brach gestern mit seinen Musikerkollegen zur Auslands-Mugge auf. "Premiere", freute er sich. "Zum ersten Mal in unserer länger als 18 Jahre währenden Bandgeschichte spielen wir außerhalb Deutschlands." Am ersten Abend heizten sie den Punkrockfreunden in Chomutov ein. Heute geht es weiter nach Prag. "Wir wollen zusammen mit unseren Fans und Kumpels was ganz Besonders erleben", grüßt MMB Friedhelm ins heimatliche Chemnitz. "Also schwingt euch in die Autos und kommt her!" Im Club "Joe" in der tschechischen Hauptstadt greifen die Musiker in die Saiten und ölen schon mal die Stimme. "Dabei könnte ein gutes tschechisches Bier helfen", sagte Friedhelm gestern. "Wir haben uns ja nicht ohne Grund für einen Auftritt bei unseren Nachbarn entschieden." Gesungen wird halb deutsch, halb englisch. "Unsere Kenntnisse der tschechischen Sprache sind leider nicht so ausgeprägt, dass wir ein vernünftiges Lied zusammenbringen würden. Wir hoffen aber trotzdem auf Stimmung."

Matthias Dallinger, Inhaber der Chemnitzer Kaffeerösterei Bohnenmeister, hat sich die Ehre seiner Zunft gesichert. Er vergoldete den "Chemnitzer Liebling". So heißt eine seiner weltweit einzigartigen Kaffeemischungen. Diese sendete er zu Jahresbeginn für den Wettbewerb um Deutschlands besten Kaffee an die Deutsche Röstergilde. Die besten Baristi Deutschlands - so lautet der italienische Name für Kaffeezubereiter - testeten annähernd 200 verschiedene Sorten und entschieden: Dallingers geröstete Auslese hat die Goldmedaille verdient. "Das ist eine wunderbare Anerkennung", freute sich der Chemnitzer Bohnenmeister. Zusätzlich hatte er auch eine Espresso-Variante eingeschickt und auch die rangierte ganz vorn mit: Ein silbernes Abzeichen bekam diese Röstung verliehen. Erfolg auf ganzer Bohne, kann man sagen.

Benita Martin (Foto), Chemnitzer Ärztin und Kunstmalerin, hat wieder mal ein Buch auf den Markt gebracht. Nach zwei Kunstausgaben, die sich mit den Themen Malerei und Medizin beschäftigen, erschien nun auch der dritte Teil der Kinderbuchserie "Schwibbs & Funtjes". Benita Martin ist Autorin und Illustratorin der Reihe, in der es um zwei Blütenpollen geht, die Biologie, Erdgeschichte und Meteorologie erkunden. "Nächste Woche bin ich dann auf der Leipziger Buchmesse zu Gast", freut sie sich. In der vergangenen Woche traf sie sich derweil noch mit Mädchen und Jungen vom Elternverein krebskranker Kinder. Mit ihnen zeichnete sie die Figuren aus dem Buch nach. "Als die Kinder ihre Krankheit für ein paar Minuten vergessen konnten und befreit lachten, da hätte ich weinen können", zeigte sich Benita Martin gestern immer noch gerührt. Viel Zeit bleibt ihr für ihre künstlerische Arbeit derzeit aber nicht. "Die Grippewelle grassiert noch immer. In der Praxis geht es gerade zu wie im Taubenschlag."

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