Erinnerung an ermordete Juden aus Chemnitz

Zum israelischen Holocaust-Gedenktag ist vor dem ehemaligen Kaufhaus Schocken zweier früherer Mitarbeiter gedacht worden, die unter Naziherrschaft umgekommen sind. Im Gespräch ging es auch um eine neue Städtepartnerschaft.

Die frischpolierten Messingtafeln glänzen in der Sonne. Auf einem der sogenannten Stolpersteine steht "Hier arbeitete Bernhard Stieglitz", auf dem anderen "Hier arbeitete Jette Tamler". Neben jedem Stein vor dem Eingang des heutigen Archäologiemuseums liegt eine weiße Rose, darüber ein Banner mit der Aufschrift "Mahnwache".

"Wir stehen hier, um an die sechs Millionen Opfer des Holocaust zu erinnern", eröffnet Christiane Fiedler vom Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde die Gedenkveranstaltung. Am Donnerstag war der israelische "Tag des Gedenkens an den Holocaust und das Heldentum", auf Hebräisch "Jom haShoa". Es ist der Nationalfeiertag in Israel. "In ganz Israel steht heute für zwei Minuten alles still", erklärt Fiedler. "Auch wir wollen für zwei Minuten schweigen. Für die ermordeten Juden aus Chemnitz." Zum siebten Mal organisierte der Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde die Mahnwache. Diese findet in jedem Jahr an einem anderen der 176 Stolpersteine in Chemnitz statt. Die in den Boden eingelassenen Gedenktafeln befinden sich meist vor dem Wohn- oder Arbeitsort der Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

In diesem Jahr sollte an die Verkäuferin Jette Tamler und den Konditor Bernd Stieglitz erinnert werden, die vor ihrer Deportierung im damaligen Kaufhaus Schocken gearbeitet hatten. Die 1902 geborene Tamler wurde im Mai 1942 in das Ghetto Belzyce bei Lublin in Polen gebracht und bei dessen Räumung durch die SS im Oktober 1942 zusammen mit 5300 weiteren Menschen ermordet. "Der acht Jahre jüngere Stieglitz wurde nach Polen ausgewiesen, nachdem er sich längere Zeit in der Nervenheilanstalt Chemnitz befand", erklärt Christiane Fiedler. Im August 1939 wurde er ermordet. "Die Vergangenheit gerät immer mehr in Vergessenheit", sagt SPD-Stadtrat Detlef Müller während der Mahnwache. Aktionen wie diese oder das Verlegen von Stolpersteinen tragen aus seiner Sicht dazu bei, dies zu verhindern.

Wie Frank Blumstein vom Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde berichtet, sei die israelische Stadt Kirjat Bialik an einer Partnerschaft mit Chemnitz interessiert. Aktuell finden dazu Gespräche statt, sagt er. "Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Vergebung und Versöhnung keine Selbstverständlichkeit sind."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...