Erstklässlern droht ab Sommer längerer Weg zur Schule

Weil sich das Ungleichgewicht bei den Anmeldezahlen verschärft, sollen einige Kinder aus dem Zentrum in den Ortsteilen lernen. 2020 könnte es eine noch weitreichendere Änderung geben.

Limbach-Oberfrohna.

Es gab Zeiten, da wurden an der Pleißaer Schule 600 Mädchen und Jungen in acht Jahrgängen unterrichtet. Was 1910 Realität war, ist heute nicht mehr vorstellbar - zurzeit lernen in der Grundschule etwa 85 Schüler. Doch mit dem Beginn des Schuljahres 2019/20 werden es aller Voraussicht nach mehr sein, nämlich bis zu 120. Das wäre die Folge einer Änderung der Grundschulbezirke, die die Limbacher Stadtverwaltung anstrebt.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist nicht Pleißa, sondern die Goethe-Grundschule im Zentrum. Wie vor einem Jahr wurden deutlich mehr Kinder angemeldet, als die dreizügig konzipierte Bildungsstätte aufnehmen kann. Da nun 115angehende Abc-Schützen registriert wurden, müssten rein rechnerisch fünf erste Klassen her. Selbst wenn sich die Zahlen wegen Umzügen und Zurückstellungen noch ändern können, steht schon jetzt fest, dass das Rathaus handeln muss.

Während vor einem Jahr einige Kinder mit Migrationshintergrund an die Gerhart-Hauptmann-Grundschule geschickt wurden, ist es damit dieses Mal nicht getan. Wie Oberbürgermeister Jesko Vogel bei der Bürgerversammlung in Pleißa ankündigte, sollen die Schulbezirke angepasst werden. "Wir haben zu viele Schüler in der Innenstadt", sagte Vogel. Einige von ihnen sollen deshalb die Schulen in Pleißa und Kändler besuchen. In Kändler gibt es noch Kapazitäten, weil dort weniger Schüler angemeldet wurden als in den vergangenen Jahren. Der Großteil der Kinder, die das Rathaus neu verteilen will, soll aber in Pleißa unterrichtet werden. Erstmals seit Jahren könnten dort zwei erste Klassen gebildet werden. Betrachtet man lediglich die Kinder aus dem bisherigen Pleißaer Schulbezirk, wäre nur eine Klasse nötig. Vogel erklärte das Vorhaben damit, dass im Pleißaer Schulgebäude genug Räume zur Verfügung stehen.

Jenny Ankert kann das bestätigen. Mit Verweis auf mehrere Fachkabinette könne man derzeit fast von Luxus sprechen, sagt die Elternsprecherin der Grundschule Pleißa. "Auch im Hort befinden wir uns in einer komfortablen Situation", sagt sie. Daher könne die Bildungsstätte problemlos mehr Schüler aufnehmen, auch wenn es Grenzen gebe. "Eine komplette Zweizügigkeit kann ich mir nicht vorstellen", erklärt Ankert. Laut Vogel ist davon auszugehen, dass auch 2020 zwei erste Klassen gebildet werden. Dann gingen die Schülerzahlen aber wieder zurück. Da diese Prognose für die ganze Stadt gilt, könne das Rathaus nicht für wenige Jahre mehr Platz an der Goetheschule schaffen, der später nicht mehr benötigt werde, warb der OB um Verständnis.

Eine Liste der Straßen, die bisher zum Bezirk der Goetheschule gehören, nun aber Kändler oder Pleißa zugeschlagen werden sollen, hält die Stadtverwaltung noch unter Verschluss. Eine Sprecherin verweist darauf, dass zunächst der Stadtrat entscheiden müsse. Die Unterlagen werden erst einige Tage vor der Sitzung am 4. Februar veröffentlicht. Vogel sprach in Pleißa davon, dass unter anderem die Dr.-Goerdeler-Straße und andere Straßen rund um den Dürerplatz betroffen sind. Von dort sind es etwa 600 Meter zur Goetheschule - aber zwei Kilometer zur Grundschule Kändler und drei Kilometer nach Pleißa. Einige Erstklässler und ihre Eltern müssen also deutlich weitere Wege in Kauf nehmen. Laut Elternsprecherin Ankert könnte dieser Nachteil ein Stück weit dadurch kompensiert werden, dass die Atmosphäre an einer größtenteils einzügigen Dorfschule familiärer sei als an der dreizügigen Goetheschule mit mehr als 300Schülern.

Das Rathaus hat bereits alle Mütter und Väter, die von den angestrebten Schulbezirksanpassungen betroffen sind, angeschrieben und um Verständnis geworben. "Es ist uns bewusst, dass diese Änderung für Sie relativ kurzfristig erfolgt und sicher auch Ihre Vorbereitungen auf den besonderen Tag des Schulanfangs Ihres Kindes berührt", heißt es in dem Brief, der der "Freien Presse" vorliegt.

Für das Schuljahr 2020/21 gehen die Pläne der Stadt noch weiter. Wie Vogel sagte, sollen dann alle Schulbezirke aufgelöst werden - bis auf denjenigen der Thomas-Müntzer-Schule. Für das Rathaus bedeutet das mehr Flexibilität bei der Verteilung der Schüler. Für die Mädchen und Jungen sowie ihre Eltern bringt ein solcher Schritt aber auch eine größere Unsicherheit mit sich, wo die Kinder letztlich lernen werden.

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