"Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts an meinem Auto baue"

In Oberrabenstein haben sich dieses Wochenende Fahrzeugbastler aus ganz Deutschland getroffen. Ein Club aus Chemnitz ist der Organisator. Er kümmert sich nicht nur um Autos.

Rabenstein.

Wie schnell ihr Ford Focus fährt, kann Justine Sinani gar nicht sagen. "Der Tacho reicht nur bis 240", sagt die 21-jährige Mittelbacherin. Manchmal fahre sie das Auto zwar aus, aber selbst dabei achte sie darauf, dass der Wagen ja keinen Kratzer bekommt. "Beim Parken laufe ich lieber ein paar Schritte mehr, als ihn in eine enge Lücke zu stellen", erzählt die Krankenschwester. Denn der sieben Jahre alte Ford, den sie sich im Januar dieses Jahres gekauft hat, ist seitdem ein Schmuckstück geworden. Mehr als 1000 Euro hat allein der gelbgrüne Metalliclack außen und innen gekostet, etwa 900 Euro die LED-Scheinwerfer und fast ebenso viel die Musikanlage mit 3000 Watt. Dagegen war die Innenverkleidung aus gestepptem Lederimitat ein Schnäppchen. Und die Leistung des 1,6-Liter-Motors wurde durch geänderte Software von 150 auf 220 PS gesteigert - natürlich alles mit Segen vom Tüv, so Sinani.

"Nur die Motorhaube und der Dachhimmel sind noch Serie, aber die will ich auch noch verändern", verrät die junge Frau, die durch ihren Freund 2014 zum Hobby Auto-Tuning gekommen ist und es seitdem mit Begeisterung lebt. "Ich bin von Null auf 100 gestartet. Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts an meinem Auto baue", so Justine Sinani. Bisher habe sie insgesamt etwa 15.000 Euro in Veränderungen an ihrem Ford investiert.


Ihr Freund, Nick Schneider aus Rabenstein, ist Rettungssanitäter und schon zwei Jahre länger Tuning-verrückt als sie. Gemeinsam schrauben beide an ihren Autos und fahren an Wochenenden zu Treffen und Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um die Schmuckstücke zu präsentieren und Pokale dafür zu sammeln. "Ich bin durch den Freundeskreis reingerutscht", berichtet der 27-Jährige. Irgendwann legte der Erste sein Auto tiefer, veränderte den Auspuff und die Optik. Die anderen bekamen Lust, es ihm gleichzutun.

2014 gründete er mit ein paar Freunden den Chemnitzer Ford-Club Ford-Schritt-Society und veranstaltete ein Jahr später ein erstes kleines Treffen. "Wir sind wie eine Familien, kochen und essen zusammen, gehen ins Kino und baden, unternehmen Ausflüge", berichtet Nick Schneider. In Siegmar haben sich die Mitglieder ein Clubhaus mit Wohnräumen, Büro, Billardtisch, Kinderspielecke und natürlich einer Autowerkstatt zum Selber-Schrauben eingerichtet.

Mittlerweile zählt die Ford-Schritt-Society 45 Mitglieder, von denen etwa ein Viertel weiblich ist, im Alter von 18 bis 50 Jahren und veranstaltet an diesem Wochenende auf der Wiese neben dem Parkplatz am Stausee Oberrabenstein ihr fünftes Treffen "Tuning am See". Mehr als 1000 mehr oder weniger getunte Autos mit ihren Besatzungen aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und anderen Ländern werden dazu von Donnerstag bis Sonntag erwartet.

Schon vor dem großen Ansturm standen am Freitag auf der fünf Hektar großen Wiese neben Imbissständen, Teile- und Bekleidungshändlern Autos von Volkswagen, Audi, Ford, Mercedes, BMW und anderen Marken einträchtig nebeneinander. "Im Unterschied zu anderen Treffen ist uns Markenoffenheit besonders wichtig", betont Heiko Schneider. GSGM - Gemeinsam gegen Markenhass - ist das Motto des Clubs, der sich zudem sozial engagiert. So werden an diesem Wochenende bei einer Tombola Geld für Knochenmarkspenden und im Winter im Vita-Center Kleidung für Obdachlose gesammelt. Ein Rahmenprogramm für die oft in Familie anreisenden Teilnehmer des Treffens reicht von Hüpfburg und Kinderschminken bis zur Party mit Stripshow. Auch Nicht-Teilnehmer sind willkommen (Eintritt 10 Euro). "Aber ab Mitternacht ist Ruhe", verspricht Veranstalter Heiko Schneider.

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