Es wird heiß - Chemnitz im Supersommer

Seit Wochen ist es beständig warm. Freiluft-Veranstalter, Ferienkinder und Löwe Malik freut es. Andere haben ihre liebe Not mit den Temperaturen. Einige fürchten Trinkwassermangel. Selbst die Freibäder sind nicht zufrieden.

Die Erben von Rudi Carrell, dem verstorbenen Entertainer mit dem Hit "Wann wird's mal wieder richtig Sommer", dürften in diesem Jahr kaum etwas an Tantieme verdienen. Denn jetzt ist er eingetreten, der Sommer, den es angeblich früher immer gab. Seit Wochen ist es warm, zuletzt nennenswert geregnet hat es in Chemnitz am 12. Juli, wie aus der Statistik der Wetterstation des Kosmonautenzentrums im Küchwald hervorgeht. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer seit Anfang April anhaltenden Dürre. Für die kommenden 14 Tage sagt der "Freie Presse"-Wetterexperte Dominik Jung dauerhaft Temperaturen um die 30 Grad Celsius voraus. Er spricht von einer markanten Hitzewelle, die extrem und vor allem für ältere oder kranke Menschen gefährlich werden kann.

Dem wird auch in den Seniorenheimen Rechnung getragen. Die Bewohner müssten genügend trinken. Darauf achten die Mitarbeiter in diesen Tagen besonders, sagt Kerstin Kunze, Ressortleiterin Stationäre Pflege und Behindertenhilfe der gemeinnützigen Heimgesellschaft. Die Pflegekräfte seien zudem angewiesen, die Bettdecken aus den Bezügen zu nehmen, damit die Bewohner nicht zu warm zugedeckt sind. Die Küchen versuchen, leichte Kost anzubieten, "also nicht unbedingt Eisbein", so Kunze.

Zusätzliche Arbeit bereiten Dürre und Hitze der Feuerwehr. Zwischen 1. Juni und 24. Juli hatte die Wehr 18 Einsätze, die mit der anhaltenden Witterung in Verbindung zu bringen sind, teilt Dirk Schneider, Abteilungsleiter bei der Berufsfeuerwehr, mit. Er sagt, dass 98 Prozent der Brände vom Menschen verursacht werden. Dazu zählen zum Beispiel Zigarettenkippen, Grillfeuer im Wald und heißgelaufene Erntemaschinen. Lediglich zwei Prozent der Brände seien natürlichen Ursprungs wie Blitzschläge oder Selbstentzündungsprozesse. Ab Mittwoch werden zwei Löschzüge der Feuerwehr in besonderem Einsatz im Stadtgebiet unterwegs sein: Mit einem Mitarbeiter des Grünflächenamts an Bord, bewässern sie wegen der akuten Trockenheit bis Freitag Straßenbäume. Ebenfalls zu den Aufgaben der Feuerwehr gehört es, bei Hitze Gewässer umzuwälzen, wenn Teiche kaum noch Sauerstoff haben und die Fische darin zu ersticken drohen. Dafür werde das Wasser angesaugt und in hohen Fontänen wieder in den Teich fallen gelassen. Beim Hereinfallen wird wieder Sauerstoff unter die Wasseroberfläche gedrückt, erklärt Schneider. Das komme zwar in Chemnitz bisher selten vor. Aber die Hitzewelle habe ja erst begonnen.

Angesichts dessen eigentlich unverständlich: Die städtischen Freibäder profitieren vom sommerlichen Wetter nicht. Bis 22. Juli zählten sie in Chemnitz rund 50.800 Besucher. Zum gleichen Datum im Vorjahr waren es 6600 mehr, teilt die Stadtverwaltung mit. Zur Erklärung hieß es, der Mai und der Juni hätten keine bis wenige heiße Sommertage gehabt. Die heiße Phase habe pünktlich mit den Sommerferien begonnen, in denen viele Chemnitzer nicht in der Stadt sind. Anders ist das am Stausee Rabenstein. Ihn besuchten bis zum 22. Juli 34.000 Badegäste. Im Vorjahr waren es zum gleichen Stichtag 25.000, teilt Theresa Oertel von der Eissport und Freizeit- Gesellschaft mit. Im Umland läuft die Freibadsaison unterschiedlich. Bis Ende vergangener Woche wurden im Sommerbad Garnsdorf 10.500 Besucher gezählt, das entspricht etwa zwei Dritteln der Gesamt-Besucherzahl von 2017 (15.400). Die Saison laufe gut. Ob man aber über dem Durchschnitt liege, lasse sich noch nicht sagen, berichtet Martin Lohse, Referent des Bürgermeisters. "Überrannt werden wir nicht gerade", sagt dagegen Schwimmmeister Uwe Keul vom Sommerbad in Dittersdorf. Das Wetter schlage sich nicht unbedingt in den Besucherzahlen nieder.

Zu den Wetter-Gewinnern zählen die Veranstalter des Parksommers im Stadthallenpark. 2017 hatten sie nach einem Monat 10.000 Besucher gezählt. In diesem Jahr kamen schon in den ersten zwei Wochen 9500 Gäste, sagt Nathalie Beyreuther, Vize-Pressesprecherin der C3-Veranstaltungszentren. Keine der Abendveranstaltungen musste bisher abgesagt werden.

Über die Hitze gar nicht klagen kann auch Michaela Haubold. Im Gegenteil, sie zieht sich täglich eine warme Jacke an, denn sie arbeitet als Bergführerin in den Felsendomen Rabenstein. Dort herrscht ganzjährig eine Temperatur von acht Grad Celsius. Die Besucher im Sommer würden das angenehm finden. Manche unterschätzten es aber auch, wenn sie bei einer Führung eine Stunde unter Tage sind, so Haubold.

Richtig froh über Hitze ist dagegen Löwe Malik im Tierpark. Im Gegensatz zu manch anderen Tierpark-Bewohnern, wie dem Sibirischen Tiger, der es kühl mag, sucht Malik die Sonne, denn sie erinnert ihn an seine Heimat Angola. In den kommenden 14 Tagen dürfte er sich in Chemnitz zuhause fühlen. (mit hfn)

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