Eschestift-Ruine: Aus Altersheim wird neue Kita

Ab Ende 2019 sollen in dem historischen Gebäude am Zeisigwald 100 Kinder betreut werden. Der Bau erlangte einst bundesweit zweifelhafte Berühmtheit.

Hilbersdorf/Sonnenberg.

Es gab Zeiten, da war es Fernsehteams eine besondere Freude, bei Fußballspielen des Chemnitzer FC die Kamera für einen Moment über das Stadion hinaus zu schwenken - in Richtung Zeisigwald, wo am Rande des Stadiongeländes ein alter, kasernenähnlicher Bau vor sich hin verfiel. Eine Ruine in Großaufnahme, als optischer Gruß gewissermaßen aus dem Osten, wie man ihn sich am anderen Ende der Republik so vorstellte.

Was außerhalb von Chemnitz kaum jemand gewusst haben wird: Bei dem Komplex an der Forststraße - dem Eugen-Esche-Stift - handelt es sich um einen Ort mit Geschichte. Er geht auf den 1845 in Limbach geborenen Strumpffabrikanten Eugen Moritz Otto Esche (1845 bis 1902) zurück, einstmals Besitzer einer der größten Strumpfwarenfabriken Deutschlands. Bevor er 1902 verstarb, stiftete er in seinem Testament 300.000 Mark "zur Begründung einer der Verwaltung des Rates der Stadt unterstehenden Stiftung, aus der Häuser für würdige und bedürftige Leute, besonders Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Moritz Samuel Esche zur unentgeltlichen Wohnung errichtet werden sollten". 200.000 Mark waren für Grundstückskauf und Bau bestimmt, der Rest und die Zinsen für die Instandhaltung. Die ursprünglichen Pläne für die Anlage wurden nie vollständig verwirklicht. Zu DDR-Zeiten dienten die Gebäude als Altersheim. Sie wurden aber nach 1970 leergezogen. Zuletzt drohte der Totalverfall.

Nun aber soll tatsächlich neues Leben in die Anlage einziehen. Der Stadtrat hat in dieser Woche grünes Licht gegeben für den Umbau eines Teils des Komplexes in eine Kindertagesstätte durch den neuen Eigentümer, das Chemnitzer Bau- und Projektentwicklungsunternehmen Fasa. Betrieben werden soll die Einrichtung mit 100 Plätzen für Krippen- und Kindergartenkinder durch die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Chemnitz (KJF), einem der größten Träger der freien Jugendhilfe in der Stadt. Dabei besteht die Möglichkeit, die Kapazität bei Bedarf auf 130 Plätze zu erhöhen. Im Dezember kommenden Jahres soll die Kita in Betrieb gehen.

Die Verantwortlichen im Rathaus schätzen den Standort. Auf den gut 5500 Quadratmetern könnten alle Anforderungen einer inklusiven Frühpädagogik, verbunden mit waldpädagogischen konzeptionellen Bestandteilen, verwirklicht werden, heißt es. Die zentrale und zugleich ruhige Lage unmittelbar am Rande des Zeisigwaldes biete dafür ideale Voraussetzungen.

Das Problem: Die Kosten für den Bau der Kita sind höher als üblich. Die Grenze von 25.000 Euro pro Platz wurde nicht eingehalten. Zur Begründung wird auf die denkmalgerechte Sanierung des Eschestifts verwiesen - bei gleichzeitiger Einhaltung der rechtlichen Maßgaben für Kindertageseinrichtungen. Zudem sei vorgesehen, das Gebäude energetisch zu ertüchtigen, was sich künftig nicht zuletzt bei den Nebenkosten bemerkbar machen soll. Die Größe des Gesamtobjektes biete überdies im Nachbargebäude die Möglichkeit, eine Kochküche einzurichten - sowohl für die neue Kita als auch für weitere Kindertageseinrichtungen der KJF. (mit mib)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    Interessierte
    23.06.2018

    Das ist natürlich auch schön , ein Wald-Kindergarten , immer frische Luft und es gibt viel zu entdecken ...
    Und das Haus ist endlich gerettet ...
    Wer hatte denn diese grandiose Idee im ´Stadtrat`???



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...