Eskalation am Lessingplatz: Polizei verhindert Massenschlägerei

Jugendliche und Kinder aus verschiedenen Stadtteilen hatten sich offenbar verabredet. Bereits in den vergangenen Wochen war die Polizei immer wieder in die Gegend gerufen worden.

Dieser Abend hätte blutig enden können: Allem Anschein nach haben nur glückliche Umstände verhindert, dass auf dem Sonnenberg bis zu 100 Jugendliche und Kinder aus verschiedenen Teilen der Stadt aufeinander losgegangen sind. Dutzende Polizeibeamte, die am Mittwochabend zu einer Großkontrolle gegen Drogen- und Straßenkriminalität in den Stadtteil ausgerückt waren, schritten ein und verhinderten in einem mehrstündigen Einsatz eine Eskalation.

Schauplatz war der Lessingplatz im Norden des Stadtteils. Dort hatten sich laut Polizei gegen 18 Uhr verschiedene Gruppen von Jugendlichen eingefunden und sich gegenseitig mit Worten und Gesten provoziert. "Das sah sehr nach einer verabredeten Aktion aus", hieß es später. Nach einer halben Stunde sei die Stimmung bereits derart aufgeheizt und feindselig gewesen, dass erste Beteiligte in den Seitenstraßen aufeinander losgingen. "Nur durch das sofortige Einschreiten der Beamten vor Ort konnte verhindert werden, dass die Jugendlichen sich gegenseitig verletzten und Sachschäden, etwa an abgestellten Autos, entstanden", sagte ein Polizeisprecher.

Für viele Einwohner des Viertels, aber auch für die Polizei, kam die Eskalation nicht völlig überraschend. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es auf dem Sonnenberg immer mal wieder Auseinandersetzungen, Gewalt- und Raubstraftaten unter jungen Leuten gegeben, nicht zuletzt im Umfeld von Spielplätzen. Anwohner beschwerten sich zudem wiederholt über Ruhestörungen zu später Stunde.

Wer sich da mit wem befehdet, lässt sich offenbar nicht ohne Weiteres feststellen. Die Gruppen, die am Mittwochabend auf dem Lessingplatz aufeinander losgehen wollten, waren laut Polizei vielfältig zusammengesetzt. Auf Fotos sind einheimische Jugendliche vereint mit Kindern von Migranten zu sehen. Einige Beiträge in sozialen Netzwerken lassen darauf schließen, dass von außerhalb des Stadtteils gezielt eine Konfrontation mit jungen Bewohnern des Sonnenbergs gesucht wurde. Andere Einträge deuten darauf hin, dass Cliquen von unterschiedlichen Treffpunkten im Stadtteil miteinander im Clinch liegen. Stadtteilmanager René Bzdok spricht von einem "relativ neuen Phänomen". Die für den Sonnenberg zuständigen Straßensozialarbeiter wollten sich am Donnerstag nicht äußern.

Die Polizei hat am Mittwochabend von rund 80Jugendlichen zunächst die Personalien erfasst. Die meisten von ihnen seien zwischen 13 und 15 Jahre alt gewesen, sagte ein Sprecher. Mehrere der Kontrollierten waren den Beamten bereits als Tatverdächtige aus Raub- und Körperverletzungsdelikten bekannt, die sich in jüngerer Zeit im Stadtgebiet ereignet hatten. Gegen eine 18-jährige Deutsche werde nun nach einer Beleidigung gegenüber Polizeibeamten ermittelt.

In Auswertung der Vorfälle will die Polizei das Gespräch mit der Stadtverwaltung suchen - um zu diskutieren, wie verhindert werden kann, dass sich das Konfliktpotenzial weiter verfestigt. Unabhängig davon werde man das Geschehen auf dem Sonnenberg weiter im Blick behalten, nicht zuletzt in den Abendstunden, kündigte ein Polizeisprecher an.

Während der Komplexkontrolle am Mittwoch, bei der neben Teilen der Innenstadt wegen einer Reihe schwerer Straftaten erstmals auch die Spielplätze am Lessingplatz und im Bereich Martin-/Augustusburger Straße im Fokus standen, stellte die Polizei vier mutmaßliche Drogendealer - drei russische Staatsbürger im Alter von 20, 41 und 44 Jahren sowie eine 28-jährige Deutsche. Insgesamt neun Rauschgiftdelikte wurden angezeigt sowie geringere Mengen an Marihuana, Ecstasy, Crystal und Heroin sichergestellt.

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5Kommentare
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  • 17
    10
    cn3boj00
    24.08.2018

    @Hankman, ich kann Ihnen nur zustimmen. Aber es ist eben so scön einfach, alles auf die Merkel und die Migranten abzuwälzen. Doch da kann man sich so schön ein reines Gewissen einreden und muss nicht nachdenken. dabei haben solche Phänomene Tradition, denken wir an die Mods in England oder auch jüngere Ereignisse im Vorzeigeland Schweden. Migranten spielen dabei bestenfalls eine Katalysator-Rolle. Das eigentliche Problem, die rasch zunehmende soziale Spaltung, verbunden mit dem sinkenden Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit, Drogenkonsum und Generationenentfremdung ist aber hausgemacht. So oder so ist eine solche Entwicklung abzusehen gewesen. Es gibt keine Vorbilder mehr, die Jugend wird sich selbst überlassen, Eltern ist das Smartphone wichtiger als die Kinder, alle reden über Lehrer, aber niemand über Schüler. Ausbildungschancen verlieren sich im Dschungel von hunderttausenden Berufs- und Studienprofilen die keiner mehr versteht. Ellenbogen, Selbstbedienung, Lügen und Betrügen, Respektlosigkeit vor dem Gesetz dominieren die Eliten.
    Aber es ist ja immer gut wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen kann.

  • 13
    3
    Letsop
    24.08.2018

    Dieses Ereignis mit derartig vielen gewaltbereiten und gewalttätigen minderjährigen Jugendlichen hier in der Chemnitzer Provinz - unfassbar.
    Es scheint, als ob die gegenwärtige Gesellschaft, teilweise auch dem digitalen Zeitalter geschuldet, die Lage einfach nicht mehr im Griff hat.

  • 16
    9
    Hankman
    24.08.2018

    @Lumielix: Ich glaube, da fügt niemand was zusammen. Es geht auch nicht um "sozial-kulturelle Bereicherung" und sonstige Kampfbegriffe. Es ist eben die Gesellschaft, die sich in den letzten etwa 20 Jahren entwickelt hat. Und wir alle haben das zugelassen. Wir haben zugesehen, als Neoliberale aus verschiedenen Parteien die Weichen gestellt haben - hin zu einer Gesellschaft, in der die Ellbogen mehr gelten als Solidarität und Zusammenhalt. Die gnadenlos aussortiert, wer dazugehören darf und wer nicht: Wir und die da unten. In der ein Drittel einfach ausgegrenzt wird, weil es nicht mithalten kann. Die uns weismachen will, dass alle Arbeitslosen faule Schweine sind und wir sie hassen müssen. Eine Gesellschaft, die einfach im Wesen gnadenlos ist. Und eine Gesellschaft, die auch so heruntergekommen ist, weil aalglatte Scharfmacher behaupteten, es müsse sich alles, aber auch alles in Euro und Cent "rechnen" und der Staat solle sich aus allem raushalten.

    Und wenn mir jetzt noch mal einer weismachen will, das sei erst seit 2015 alles so schlimm, dem kann ich nur sagen: Belüg dich selbst weiter. Die Saat wurde viel früher gelegt. Wir ernten jetzt die Früchte. Ich sehe zaghafte Ansätze eines Umsteuerns, immerhin. Denn so kann es nicht weitergehen.

  • 17
    14
    lumielix
    23.08.2018

    Und diese unerträglichen Zustände muss man nun ertragen eine tolle Gesellschaft baut sich da zusammen oder besser gesagt wird zusammen gefügt. Auch solche derartigen Konflikte der sozial kulturellen Bereicherung muss man erstmal in unserer geneigten lupenreinen Demokratie verkraften lernen. Toll ????

  • 33
    1
    CPärchen
    23.08.2018

    Danke an die Polizei!



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