Experte: Pilze im Wald sind derzeit Mangelware

Kaum Regen und kühle Nächte - bei Sammlern bleiben die Körbe leer. Dabei hatte dieses Jahr verheißungsvoll begonnen.

Hohenstein-Ernstthal.

So ein miserables Pilzjahr wie 2018 hat Pilzberater Werner Stolpe aus Hohenstein-Ernstthal noch nicht erlebt. Dabei reichen seine Aufzeichnungen über Pilzfunde in der Region lückenlos bis 1977 zurück. "2018 habe ich insgesamt nur 382 Pilzarten gefunden, sonst immer 500 bis 700 pro Jahr. Im August 2018 waren es sogar nur sechs. Das hat es noch nie gegeben", zieht der 68-Jährige Bilanz.

In diesem Jahr scheint sich das Ganze zu wiederholen. "Bisher habe ich nur 274 Arten gefunden." Dabei hatte das Pilzjahr 2019 prächtig angefangen. Allein im Monat Mai entdeckte der Pilzexperte 99 Arten. Bis Mitte Juni füllten sich die Körbe vor allem mit Steinpilzen, Perlpilzen und Rotkappen. Was in den nächsten Wochen folgte, bezeichnet Stolpe schlichtweg als Totalausfall. Seinen Schaukasten am Haus konnte er nur noch spärlich bestücken. "Wenn das Wasser fehlt, ziehen die Pilze die Notbremse. Das Myzel, das höchstens zwei Zentimeter unter dem Waldboden entlangläuft, kann sich nicht entwickeln." Unter dem Myzel versteht man fadenförmige Zellen eines Pilzes, die für das menschliche Auge kaum sichtbar sind. Pilze bestehen bis zu 90 Prozent aus Wasser. "Ideal sind feuchtwarme Tage mit Temperaturen über 20 Grad Celsius, dann schießen sie eben sprichwörtlich wie Pilze aus dem Boden", sagt Stolpe.


Wenn Pilzsammler bisher mit weinendem Auge und leerem Korb aus dem Wald kamen, gibt es jetzt eher eine Chance. "Aber man muss Geduld haben und lange suchen", hat Stolpe festgestellt. Er hatte in dieser Woche einiges im Korb: "Im Moment findet man den Rotfußröhrling, den Goldröhrling, auch Stadt-, Wiesen- und Schafchampignons." Den leicht giftigen Bruchreizker, der auch schwere Magen-Darm-Probleme verursachen kann, lassen die meisten Leute aus Unwissenheit stehen. Doch getrocknet und zerkleinert ist er ein perfekter Gewürzpilz, der dem Essen eine Maggi-Note verleiht. "Deshalb heißt er im Volksmund auch Maggi-Pilz", so der Fachmann.

Wie mager die Pilzsaison bisher war, ist auch an den Beratungszahlen ablesbar. In guten Pilzjahren finden sich bei Werner Stolpe bis zu 600 Pilzsammler pro Saison zur Beratung ein. Im Jahr 2018 nahmen gerade einmal 102 Pilzsucher seine Dienste in Anspruch. "In diesem Jahre sind es erst 50 gewesen", sagen seine Aufzeichnungen, die er fast täglich akribisch führt.

Seinen Schaukasten am Haus in der Südstraße 5 hat er jetzt wieder gut bestückt, unter anderem mit dem Rosa anlaufenden Milchling, der kein Speisepilz ist und äußerst selten vorkommt. "Den finde ich immer an derselben Stelle im Oberwald." Auch der essbare Gold- oder Lärchen-Röhrling sowie der essbare Maronen-Röhrling sind zu sehen sowie ein Wurzelnder Bitter-Röhrling (kein Speisepilz), den Stolpe am Gondelteich im Grünfelder Park in Waldenburg gefunden hat.

Dass das Pilzjahr trotz der derzeitigen Flaute noch zu retten ist, steht für den Profi außer Frage. "Im vorigen Jahr gab es im September noch mal einen Schub."

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