Extra zur Landesgartenschau: Drei Nackte auf der Insel

Im Mühlbachtal sind Figuren aus Holz platziert. Es ist das erste Kunstwerk eines neuen Skulpturenpfades. Weitere Fundamente sind schon vorbereitet. Doch es gibt ein Problem.

Frankenberg.

Im tristen Grau des Dezembers fallen diese drei Frauen in Orange- und Rottönen im Mühlbachtal schon aus der Ferne auf. Seit gut zwei Wochen zieren "Drei Figuren auf der Insel" das Areal der Paradiesgärten der Landesgartenschau (LGS). Die hölzernen Damen sind das erste Objekt des Skulpturenpfades, der nicht direkt Teil der LGS ist, aber deshalb ins Leben gerufen worden war. Es ist eine Idee des Kunst- und Kulturvereins Frankenberg.

Der neue Rundweg mit insgesamt 20 Objekten soll laut Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) zu einem Spaziergang durch die Geschichte und zu besonderen Ereignissen der Stadt einladen. Informatives zu Kunstwerken und Künstlern werde auf Internetseiten vermittelt, auf die Spaziergänger über einen QR-Code mit dem Smartphone zugreifen können. Einbezogen werden bereits vorhandene Skulpturen wie "Der Nacksche Mann", der "Hochzeitsbrunnen" und das Körnerdenkmal. Designer Marcel Kabisch aus Frankenberg wurde als Ideengeber und Vereinsmitglied zum Leiter des Projekts berufen, das verschiedene mit der Stadt verbundene Themengebiete aufgreift.

Die errichteten drei etwa drei Meter hohen nackten Frauenfiguren stehen für das Gebiet Natur und Park. Auf der Mühlbachinsel sollen sie künftig auch im Grün für einen Blickfang sorgen. Geschaffen wurden die Figuren aus Eichenholz von Olaf Klepzig aus Dresden. Er war in früheren Jahren bereits Teilnehmer der Aktion "Kunst am Wasser" an der Talsperre Kriebstein und ist überregional auch als Organisator der Aktion "Kunst offen in Sachsen" bekannt, die alljährlich zu Pfingsten in Ateliers einlädt. Im Netzwerk Facebook wurde auf einer Frankenberg-Seite schon heftig diskutiert. Die Meinungen reichen von "einfach hässlich" bis zu "Kopfkino" und "die sehen ganz nett aus".

Gedanken haben sich einige Frankenberger auch gemacht, wie lange die Figuren von Zerstörung verschont bleiben. Das Areal ist derzeit mit einem Bauzaun gesichert. "Gearbeitet wird bei uns auch im Winter", versicher Thomas Schneider, einer der Bauleiter der LGS. "In bestimmten Bereichen ist auch ein Wachschutz eingesetzt."

Im Friedenspark ist jedoch eine kurz vor Weihnachten aufgestellte Plastik schon umgekippt worden. Marcel Kabisch hat dies auf dem Weg zur Kirche bemerkt: "Der Beton des Sockels war wohl noch nicht ausgehärtet. Aber es ist unverständlich, wieso jemand so etwas macht." Der Schaden sei inzwischen behoben, der Sockel nun fest verankert, die Figur aber noch verhüllt. Es handelt sich um das Flachrelief von Eva Backofen aus Dresden, das einen Pestdoktor mit Schnabelmaske zeigt. Zwei weitere Fundamente im Park sind schon vorbereitet, Kabisch rechnet fest damit, dass im Januar die Kunstwerke dazu installiert werden können. Gleiches gelte für das Mosaik der "Seestadt", das auf dem Dammplatz seinen Platz finden soll und die übergroße Handtasche, die am Baderberg an das frühere Kaufhaus erinnern soll.

Kabisch hat jüngst auch Ullrich Eißner in Dresden einen Besuch abgestattet. Der Professor arbeitet an der Bronze-Büste des Dramatikers Heiner Müller, der von 1947 bis 1951 in Frankenberg gelebt hat. "Ich bin zuversichtlich, dass bis April 2019 fast alle Kunstwerke stehen", erklärte Kabisch. Allerdings weist er darauf hin, dass der Pfad eine Sonderstellung hat. "Der Pfad ist aber nicht Teil der Gartenschau, mehr ein schönes Beiwerk. Es gab einige Verzögerungen, weil Arbeiten neu ausgeschrieben werden mussten." Etwa 91.000 Euro kostet das Vorhaben, das zu 80 Prozent aus EU-Mitteln gefördert wird.

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