Extrem trockenes Jahr: Wasserversorgung am Limit

Die für Chemnitz zuständigen Unternehmen richten sich auf zunehmend schwierige Bedingungen ein. Weil Brunnen versiegt sind, mussten 2018 erste Haushalte mit Wasserwagen versorgt werden. Probleme gibt es auch an Leitungen.

Häufiger heiße Sommer und lange Phasen der Trockenheit: Was nicht zuletzt Landwirten und Kleingärtnern vermehrt zu schaffen macht, bereitet auch der Trinkwasserversorgung mehr und mehr Probleme. Im vergangenen Jahr, als von April bis Oktober nur 60 Prozent der hierzulande üblichen mittleren Niederschlagsmenge fiel, konnte nach Branchenangaben die Lieferung im Großraum Chemnitz nur deshalb aufrecht erhalten werden, weil alle verfügbaren Reserven ausgeschöpft wurden. "Die extreme Trockenperiode hat der sicheren Trinkwasserversorgung ihre Grenzen aufgezeigt", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung anlässlich des Tags des Wassers am Samstag. Ihr hat sich auch der Chemnitzer Versorger Eins angeschlossen.

Eins liefert Jahr für Jahr gut zehn Millionen Kubikmeter Trinkwasser an die Haushalte der Stadt. Das entspricht zehn Milliarden Liter - die Talsperre in Einsiedel ließe sich damit mehr als 30 Mal füllen. Von dort und aus den Talsperren Saidenbach und Neunzehnhain (beide bei Lengefeld im Erzgebirge) sowie Eibenstock wird das Wasser vom Zweckverband Fernwasser Südsachsen wird das Wasser über kilometerlange Rohrleitungen nach Chemnitz transportiert.

Kritische Situationen habe es trotz der langen Trockenperiode im Sommer 2018 zwar keine gegeben, versichert Eins-Sprecher Christian Stelzmann. "Wir konnten unsere Kunden jederzeit mit Trinkwasser versorgen, die Wasserqualität und -menge der Vorlieferanten waren immer ausreichend", betont er. Allerdings mussten am Stadtrand zwei Haushalte vorübergehend mit Trinkwasser aus einem Wasserwagen versorgt werden. Sie gehören zu den wenigen Chemnitzern, die nicht an das rund 1500 Kilometer lange Trinkwassernetz angeschlossen sind, sondern sich selbst über eigene Brunnen mit Grundwasser versorgen. "Ein paar Brunnen sind in der Trockenperiode zeitweise versiegt", so Stelzmann. In diesen Fällen stelle Eins auf Wunsch einen Wasserwagen zur Verfügung. Die Kosten für das Wasser, den Lkw und das Personal werden von dem Unternehmen in Rechnung gestellt.

Auch den unterirdischen Leitungen machen lang anhaltende Trockenphasen zu schaffen. Weil bei extremer Hitze die oberen Schichten des Erdbodens mehr und mehr austrocknen, werden Schwingungen - etwa von Lastwagen - intensiver auf die eigentlich gut vor Außeneinwirkungen geschützten Rohre in anderthalb Metern Tiefe übertragen. Wasserrohrbrüche sind die Folge.

Angesichts der Prognosen von Klimaforschern gehen die Versorger rund um Chemnitz davon aus, dass sich Wetterereignisse wie 2018 wiederholen werden. "Wir werden uns stärker als bisher auf diese extremen Versorgungsszenarien einstellen müssen", sagt Ute Gernke, Geschäftsführerin bei Südsachsen Wasser. Dies bedeute, dass die Organisation und die technischen Kapazitäten, insbesondere für die Aufbereitung und Speicherung von Trinkwasser, überdacht werden müssten.

Der Chemnitzer Versorger Eins sieht aktuell keinen Bedarf, nach- und aufzurüsten. "Unsere Anlagen und Netze können jederzeit auf Wunsch auch noch mehr Trinkwasser transportieren", sagt Unternehmenssprecher Stelzmann.

Am Tag des Wassers öffnet der Versorger Eins am Samstag, 23. März, den Trinkwasserspeicher an der Leipziger Straße 104. Von 11bis 17 Uhr können Interessierte an geführten Rundgängen teilnehmen.


Brunnen für die Innenstadt

Nach dem Vorbild anderer Städte wie Dresden, Leipzig und Weimar soll es ab Sommer dieses Jahres auch in der Chemnitzer Innenstadt öffentliche Trinkwasserbrunnen geben. Ein erster Standort an der Zentralhaltestelle stehe bereits fest, mindestens zwei weitere Anlagen sollen noch in diesem Jahr folgen, teilte das Rathaus mit. Dabei arbeite die Stadt mit dem Versorger Eins zusammen. Die Aufstellung der Brunnen hatte der Stadtrat im August vergangenen Jahres auf Initiative von Bündnis 90/Grüne, Linken und SPD beschlossen. (micm)

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6Kommentare
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  • 2
    1
    cn3boj00
    22.03.2019

    Man darf annehmen, dass es in Zukunft mehr Trockenheiten, aber auch mehr Schneefälle oder Starkregen geben wird, genau so wie mehr Stürme, heißere Sommer und kältere Frostnächte. Dies sind sehr wahrscheinlich die Folgen der Eisschmelze am Nordpol, die zu einer Abschwächung des für unser gemäßigtes Klima so wichtigen Golfstroms und das Ausbrechen des Polarwirbels nach Süden führen.
    Natürlich nur, weil wir eben schon immer Wetter haben. Eine Klimaerwärmung die viel schneller voranschreitet als die natürliche Schwankungen zwischen Warm- und Kaltzeiten ist natürlich eine Erfindung der Wissenschaftler.

  • 4
    7
    BlackSheep
    22.03.2019

    Sollten sich vielleicht die ganzen Klimawandelleugner durchlesen.

  • 1
    7
    Tauchsieder
    22.03.2019

    Lesen und nochmals lesen, dann kommt es schon von ganz allein.
    Viel Geschrei um nichts, dass tangiert die Wenigsten

  • 8
    7
    Hinterfragt
    22.03.2019

    @Maresch; Warum gleich persönlich werden?
    Schon in der Überschrift steht AM LIMIT.

    Wenn etwas am Limit ist, dann ist das wohl ein Problem.

  • 14
    7
    Maresch
    22.03.2019

    @Hinterfragt. Vielleicht sollten Sie mal den Text lesen, wenn Sie sich schon "hinterfragt" nennen. Dann könnten Sie sich auch Ihre Frage ganz einfach beantworten.

  • 11
    16
    Hinterfragt
    22.03.2019

    "...mussten 2018 erste Haushalte mit Wasserwagen versorgt werden. Probleme gibt es auch an Leitungen...."

    Irgendwie habe ich n Erinnerung, dass man letztes Jahr immer wieder publik machte, dass es bei der Wasserversorgung, trotz der wenigen Niederschläge, keine Probleme gibt.
    Jetzt plötzlich die Wende, warum?



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