Fachkräfte sollen Flüchtlingen helfen

Der Erzgebirgskreis muss die soziale Betreuung Asylsuchender neu regeln, weil es der Freistaat verlangt. Was bedeutet das für die weitere Arbeit mit den Menschen?

Stollberg.

Im Erzgebirgskreis leben aktuell knapp 2000 geflüchtete Menschen (Stand: 1. Juni 2018). Dabei handelt es sich um Asylsuchende und anerkannte Geflüchtete. Auch geduldete Ausländer sind in dieser Zahl enthalten. Ungefähr 1400 dieser Personen leben in Wohnungen, etwa 575 in Gemeinschaftsunterkünften. Betreut werden sie von Trägern der freien Wohlfahrtspflege, also von Vereinen und Sozialverbänden. Diese fungieren auch als Ansprechpartner für private Unterstützer oder Helferkreise.

Da es zur Hoch-Zeit des Zuzuges von Menschen aus Krisenregionen 2015 schnell gehen musste, wurde die Betreuung mit Vereinen und Verbänden verhandelt und freihändig vergeben. Nun pocht der Freistaat darauf, die Sozialbetreuung förmlich zu vergeben. Die bisher gültigen Vergabeerleichterungen sind weggefallen. Bestehende Verträge waren aber bis zum 30. Juni verlängert worden. Parallel dazu sind die Betreuungsleistungen förmlich ausgeschrieben und zum 1. Juli vergeben worden. Über Konditionen und Vertragsmodalitäten will man sich in der Kreisverwaltung nicht äußern.

Der Aufgabenbereich umfasst die beiden Hauptbereiche sozialpädagogische Betreuung und Netzwerkarbeit. Dazu müssen die Auftragnehmer ausreichend Sozialarbeiter, Diplom-Sozialpädagogen oder vergleichbares Fachpersonal mit interkulturellen Kenntnissen einstellen. Diese helfen den Geflüchteten zunächst dabei, sich in der neuen Lebenslage zurechtzufinden und Eigenverantwortlichkeit aufzubauen. Zudem sollen die Migranten mit den grundlegenden Rechten und Pflichten des gesellschaftlichen Zusammenlebens vertraut gemacht werden. Das reicht von der Hausordnung in den Unterbringungen über die Gleichstellung der Geschlechter bis hin zur rechtsstaatlichen Grundordnung. Die Sozialbetreuer, die jeweils für 150 Menschen zuständig sind, begleiten ihre Klienten auch bei Krankheit, Schwangerschaft oder schwierigen Lebenssituationen. Auch Konfliktbewältigung und das friedliche Zusammenleben fällt in die Aufgabenbeschreibung der Sozialbetreuer.

Der Erzgebirgskreis betreibt zurzeit neun Gemeinschaftsunterkünfte. In den vergangenen Monaten sind die Unterbringungskapazitäten um 2300 Plätze reduziert worden. "Die Landkreisverwaltung hat sich dazu entschlossen, bis auf Weiteres keine Unterbringungskapazitäten abzubauen", sagt Landkreissprecherin Stefanie John. Vielmehr werde man die internationalen und nationalen Entwicklungen beobachten. Eine Ausnahme macht der Erzgebirgskreis jedoch. Das Containerdorf im Burkhardtsdorfer Gewerbegebiet wird zum Jahresende geschlossen. In der für 160 Personen ausgelegten Einrichtung leben zurzeit nach Aussage von Burkhardtsdorfs Bürgermeister Thomas Probst etwa 50 Menschen. Mehr als 70 seien es indes nie gewesen. Die 50 Bewohner werden in andere Unterkünfte umziehen und das Areal geht an die Gemeinde zurück.

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