Fachschule kann jetzt mehr Polizisten ausbilden

Bisher fehlten der Einrichtung in Ebersdorf Räume für zusätzliche Klassen. Das hat sich geändert, aber vorerst nur vorübergehend.

Ebersdorf.

In Sachsen gehen laut Aussage von Innenminister Roland Wöller noch immer mehr Polizisten in Ruhestand, als junge Beamte nachrücken. Um gegenzusteuern, erhöht der Freistaat die Anzahl der Ausbildungsplätze an den Polizeifachschulen in Chemnitz und Schneeberg. Doch die Chemnitzer Einrichtung war zuletzt mit rund 270 Schülern in elf Lehrgruppen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Denn in den Gebäuden der ehemaligen Fliegerabwehr-Kaserne an der Max-Saupe-Straße in Ebersdorf, die sich die Fachschule mit zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei teilen muss, fehlten schlichtweg Räume für zusätzliche Klassen.

Trotzdem sollen auf dem Gelände künftig regelmäßig 16 Klassen, die hier Lehrgruppen heißen, mit insgesamt etwa 400 Polizeimeisteranwärtern für eine Laufbahn im mittleren Dienst der sächsischen Polizei ausgebildet werden. "Das Problem ist, dass immer acht Klassen pro Jahrgang denselben Lehrplan haben, also in den selben Fächern unterrichtet werden müssen", erklärt Polizeioberrat Mirko Hentschel, der Leiter der Polizeifachschule. Dafür hätten die Räume in den alten Kasernengebäuden aus den 1930er-Jahren nicht ausgereicht. Im Februar vergangenen Jahres hatte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) deshalb den Auftrag erhalten, bis zum Beginn des Ausbildungsjahres 2018/19 am 1. September die erforderlichen Kapazitäten zu schaffen.

"Normalerweise dauern unsere Projekte von der ersten Vorplanung bis zur Inbetriebnahme sechs bis acht Jahre", sagte der Chemnitzer SIB-Niederlassungsleiter Peter Voit zur feierlichen Schlüsselübergabe für zwei neue Unterrichtsgebäude am Dienstag. Dass deren Bau deutlich schneller möglich war, hat mehrere Gründe. Voit sprach von einem "Kraftakt" der Beteiligten von Freistaat, Polizei, Planungsbüro und SIB. Außerdem seien die erforderlichen 5,6 Millionen Euro besonders zügig aus dem sogenannten Zukunftssicherungsfonds Sachsen bereitgestellt worden. Und es sind keine massiven Bauwerke, sondern Interimsbauten aus containerähnlichen Raummodulen errichtet worden.

Doch auch diese bieten den Polizeifachschülern und ihren Lehrkräften optimale Bedingungen, wie der Leiter des Präsidiums der sächsischen Bereitschaftspolizei, Polizeipräsident Horst Schröder, lobte. In einem rund 560 Quadratmeter großen, eingeschossigen Ausbildungsgebäude sind sogenannte Handlungsräume - je zwei sind als Wohnung, Gaststätte und Polizeirevier zum Üben eingerichtet - sowie zwei Medienauswertungsräume untergebracht, in denen die angehenden Polizeimeister Videoaufnahmen ihrer Ausbildung auswerten. Das zweite, zweigeschossige und reichlich 2600 Quadratmeter große Schulgebäude beherbergt Lehrsäle, PC-Kabinette und -Grafikräume, Kriminalistik- und Sprachkabinette sowie Büros für Lehrer. "Es ist schön, dass wir endlich mehr Platz für unser Ausbildungsmaterial wie die Spurensicherungskoffer haben als in den Altbauten", sagte Polizeihauptkommissar Dirk Rentsch, Hauptfachlehrer für Kriminalistik. Wegen der Raumnot seien die aktuell 62 Lehrkräfte der Fachschule bisher häufig gezwungen gewesen, zu improvisieren. Ihre Anzahl soll sich mit dem Zuwachs an Klassen auf 84 erhöhen. Von den drei sächsischen Polizeifachschulen ist die Chemnitzer hinter der Schneeberger die zweitgrößte - mit doppelt so vielen Klassen wie die in Leipzig.

Sowohl Bereitschaftspolizei-Präsident Schröder als auch Fachschul-Leiter Hentschel hoffen, dass die beiden Interimsgebäude trotz vollwertiger, mehr als eine Million Euro teurer Ausstattung tatsächlich Übergangslösungen bleiben. "Uns fehlt zum Beispiel noch eine Aula. Für Klausuren ganzer Jahrgänge müssen wir uns im Luxor einmieten", begründet Hentschel den Wunsch nach einem Neubau, der schon seit Jahren im Gespräch ist. Laut SIB-Niederlassungsleiter Voit werden ein neues Fachschulgebäude mit Schießanlage und Sportplatz sowie ein neues Service- und Logistik-Zentrum auf dem Kasernengelände in Ebersdorf ein Thema der Haushaltsverhandlungen für die Jahre 2019 und 2020 im Landtag sein.

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