Fast 150 Chemnitzer haben keine Wohnung

Diakonie legt Jahresbericht vor - Mehr Beratung wegen Coronapandemie

Fast 150 Chemnitzer haben keinen festen Wohnsitz und leben mehr oder weniger auf der Straße. Das ist das Ergebnis des Jahresberichts der Diakonie zum Thema Wohnungslosigkeit in Chemnitz im Jahr 2019.

Da es keine bundesweit einheitlichen Statistiken gibt, in denen Obdachlose erfasst werden, übernimmt diese Aufgabe in Sachsen die Diakonie. Der soziale Träger nutzt dafür die Anzahl der Menschen, die in einer Anlaufstation - in Chemnitz ist das der Tagestreff Haltestelle in der Annenstraße - eine Postadresse einrichten. Die benötigen sie, um bestimmte Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. In Chemnitz haben nach Angaben der Diakonie 146 Personen solch eine Postadresse bei der Diakonie. Fast die Hälfte von ihnen sind Männer im Alter von 27 bis 40 Jahren; knapp ein Sechstel sind Frauen.

Die Anzahl der Postadressen-Nutzer ist seit 2016 um mehr als ein Drittel gestiegen. Der Leiter der Chemnitzer Wohnungsnotfallhilfe Alfred Mucha führt das auf den Umzug des Tagestreffs und damit der Poststelle an den prominenteren Ort an der Annenstraße zurück. "Wir sind nun besser bekannt", sagt er.

Wer auf der Straße lande, habe in der Regel über einen längeren Zeitraum Mietschulden gehabt, erklärt Mucha. Ursache dafür seien unter anderem Scheidungen oder Schicksalsschläge wie Todesfälle. Nicht jeder Wohnungslose übernachte aber im Freien. "Viele Menschen ohne Wohnung kommen bei Verwandten oder Bekannten unter", erklärt Mucha. Die Diakonie geht davon aus, dass sachsenweit etwa 15 Prozent aller als wohnungslos erfassten Personen tatsächlich auf der Straße lebten. Heruntergebrochen auf Chemnitz wären das etwa 22 Personen.

Für dieses Jahr geht die Chemnitzer Wohnungsnotfallhilfe von etwa vergleichbaren Zahlen wie 2019 aus. Verändert hätten sich aber die Notlagen - coronabedingt. In der Pandemie seien Chemnitzer in wirtschaftliche Not geraten und hätten Mietschulden angehäuft. "In unsere Beratung kommen Menschen, die früher nie bei uns aufgetaucht wären", sagt Mucha.

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