Fast 700 Lehrstellen in Mittelsachsen frei

Schülerumfrage zeigt: Jugendliche orientieren sich vor allem auch im sozialen Netzwerk - Arbeitsagentur rät zu mehreren Berufswünschen

In diesem Monat hat das Ausbildungsjahr begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr suchen noch mehr Betriebe händeringend Azubis. Steffen Jankowski hat Antworten zu wichtigen Fragen zusammengetragen.

Wie ist die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt?

Die Agentur für Arbeit in Freiberg hat am 31. Juli noch 691 freie Lehrstellen gemeldet: 180 in Freiberg, in Rochlitz und Döbeln je 149, in Hainichen 146 und in Flöha 67. Zugleich seien noch 393 Bewerber ohne einen Ausbildungsvertrag gewesen. Rein rechnerisch habe es 0,84 Stellen für jeden der 1765 Bewerber gegeben. Weil sich einige davon aber noch für Studium, Freiwilliges Soziales Jahr oder ähnliches entscheiden, blieben am Ende Stellen frei, heißt es.

Wie war die Situation vor einem Jahr gewesen?

2017 hatte es Ende Juli in Mittelsachsen noch 566 unbesetzte Lehrstellen und 469 unversorgte Bewerber gegeben. Bis Ende Oktober waren davon laut Antje Schubert von der Arbeitsagentur noch 154 freie Stellen und 48 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag übrig geblieben. Letztere seien unter anderem in berufsvorbereitende Maßnahmen vermittelt worden: "Es hat sich davon keiner arbeitslos melden müssen." Auch dieses Jahr werde sich noch einiges auf dem Markt bewegen.

Welchen Rat gibt es für junge Leute, die noch keinen Ausbildungsplatz haben?

"Besonders wichtig ist, dass sich Jugendliche Alternativen zu ihrem Wunschberuf überlegen", sagt Susan Heine als Chefin der Freiberger Arbeitsagentur. Gute Chancen gebe es im Metallbereich, im Hoch- und Tiefbau, im Maschinenbau, im Großhandel und in der Gastronomie. Bei Verkäufern, Kfz-Mechanikern und Büromanagern dagegen gebe es weniger Stellen als Ausbildungskandidaten.

Worauf achten Betriebe bei der Auswahl ihrer Lehrlinge?

Eine große Rolle spielen die weichen Faktoren wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Kommunikationsfertigkeiten, Interesse, Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit, erläutert Andrea Tippmer von der IHK Mittelsachsen. Die fachlich spezifischen Anforderungen der Unternehmen seien auch der Lehrstellenbörse der IHK Chemnitz im Internet zu entnehmen: www.karriere-rockt.de

Was erwarten die Jugendlichen von den Betrieben?

Dominik Siegmund, Schüler am Beruflichen Schulzentrum in Freiberg (BSZ), hat für seine Facharbeit dazu 150 Schüler des BSZ und der Heiner-Müller-Oberschule in Eppendorf befragt. Ganz oben steht ein gutes Betriebsklima, gefolgt von abwechslungsreichen Tätigkeiten, eingebunden werden und Übernahme-Chancen. Erst dahinter rangiere das Lehrlingsentgelt. Die Größe des Betriebes ist nur für wenige entscheidend.

Wie finden Bewerber und Betriebe zusammen?

Laut der Umfrage des 20-jährigen Flöhaers nutzen Jugendliche neben der Agentur für Arbeit vor allem im sozialen Netzwerk Youtube und Facebook. Die IHK rät zudem zu Ausbildungsmessen, Tagen der offenen Tür und Schülerpraktika.

Die häufigsten Lehrberufe

Im Bezirk Chemnitz der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) sind 3031 Ausbildungsverträge geschlossen worden. Die Top 5 der IHK-Berufe in Mittelsachsen, dem Erzgebirgskreis, dem Kreis Zwickau, dem Vogtlandkreis und der Stadt Chemnitz sind dabei Einzelhandelskaufleute, Zerspanungsmechaniker, Verkäufer, Mechatroniker, Industriemechaniker und Kaufleute für Büromanagement.

Im Handwerk gibt es laut Kreishandwerksmeister Jürgen Endmann zu wenige Bewerber. "Das will kaum einer machen, da muss man ja richtig arbeiten", so der Lunzenauer. Entscheidend sei, wie die Eltern zum Handwerk stehen. Im Friseur- und im Kfz-Bereich sei die Lage noch gut, aber bei Bäckern, Fleischern und Dachdeckern sehe es schlecht aus. (jan)

0Kommentare Kommentar schreiben