Ferienlager erneut vor dem Aus

Die Stadt will neue Regeln für Kinder- und Jugendprojekte aufstellen. "Die Verreiser" sehen sich deshalb auf dem Abstellgleis. Nicht zum ersten Mal.

Reichenbrand.

Gut gefüllte Unterschriftenlisten und eine Online-Petition haben dazu beigetragen, dass die Kindervereinigung auch in diesem Jahr Ausflüge und Ferienlager veranstalten kann. In einem Extra-Beschluss hatte der Stadtrat die Förderung für das Projekt "Die Verreiser" kurzfristig auf die beantragten 105.000 Euro aufgestockt, nachdem der Jahreszuschuss zunächst auf 75.000 Euro gekürzt worden war.

Die Initiative wurde als Ferienlager-Ersatz gegründet und bietet seit 26 Jahren Reisen für Kinder und Jugendliche an - vom Zeltlager in Flöha bis zum Segelcamp auf der Ostsee. Durch die Förderung der Stadt sind die Reisepreise niedriger als auf dem freien Markt, was vor allem sozial schwachen Familien zugute komme. In diesem Jahr organisieren die Verreiser 30 Ferienlager mit insgesamt etwa 570 Plätzen, so Mathias Hofmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins mit Sitz in Reichenbrand.

Für das kommende Jahr allerdings sieht er keine Chance mehr für die Ferienlager-Initiative, weil die Stadt die Projektförderung komplett einstellen will, wie jetzt bekannt wurde. Die Rathaus-Pressestelle bestätigt auf Anfrage, dass ab 2018 die Förderrichtlinie grundsätzlich geändert werden soll. Danach würden nicht mehr Projekte pauschal, sondern Personen - in diesem Fall Kinder beziehungsweise Eltern- bezuschusst. Knackpunkt: Mit der neuen Regelung will die Stadt dafür sorgen, dass sie ausschließlich für Kinder und Jugendliche mit Hauptwohnsitz in Chemnitz Geld gibt. Doch die Ferienlager der Verreiser können bislang von allen Interessenten gebucht werden. Etwa ein Drittel der Nutzer kommt nicht aus der Stadt. Die Verwaltung schlägt vor, dass Chemnitzer Teilnehmer an Kinder- und Jugendreisen mit zehn Euro pro Tag bezuschusst werden, Inhaber des Chemnitz-Passes (sozial Schwache) mit 25Euro. Damit wäre der Großteil des Reisepreises bezahlt. Die Entscheidung, ob die Förderrichtlinie geändert wird, obliegt dem Stadtrat.

Personal- und Sachkosten könnten auf dieser Basis für Projekte wie das der Verreiser nicht finanziert werden, sagt Hofmann. Es sei auf eine Mischfinanzierung angewiesen. Vom Träger selbst ausgebildete Betreuer hatten die Reisegruppen bislang begleitet. Deren Ausbildung vorab würde künftig auch entfallen.

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