Feste sorgen für belebte Innenstadt

Während rund um das Rathaus beim Kinderfest Spiel und Sport im Vordergrund standen, feierten Muslime und viele Neugierige am Marx-Kopf das Ende des Fastenmonats Ramadan.

Mit so viel Trubel hatten die Veranstalter des Zuckerfestes nicht gerechnet. Mehrere hundert Menschen drängten sich in Spitzenzeiten am Samstagnachmittag gleichzeitig rund um den Marx-Kopf sowie im Erdgeschoss des Behördengebäudes dahinter. Während draußen Trommeln und orientalische Klänge so manchen Besucher zu spontanen Tanzeinlagen animierten, wartete drinnen das namensgebende Büfett. Da durften türkische Baklava, jenes mit Sirup ummantelte Blätterteiggebäck, ebenso wenig fehlen wie die verschiedensten Kekse und Blechkuchen - Hauptsache süß.

Das ist typisch für das Fest, das im Islam einen hohen Stellenwert genießt, weil es das Ende des Fastenmonats Ramadan markiert. In diesem Jahr war die Fastenzeit nach dem islamischen Mondkalender am Dienstag zu Ende gegangen. Man habe aber wegen der Kinder nicht mitten in der Woche feiern wollen, begründete Kenan Allejji vom Verein für Arabische Kultur und Integration die Verlegung aufs Wochenende. Rojin Issa war mit dreien ihrer fünf Sprösslinge angerückt. "Bei uns zu Hause wird das groß gefeiert. Da besuchen sich die Familien gegenseitig, und die Kinder bekommen nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Kleidung und Geld", erzählte die Syrerin. Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan machten den Großteil der Besucher aus, doch auch Deutsche schauten vorbei, so wie Student Andy Schäfer, der Flüchtlingen ehrenamtlich Sprachunterricht erteilt. "In einer offenen Gesellschaft muss man die religiöse Vielfalt auch abbilden. Deshalb ist das Fest wichtig", sagte er. Zustimmung erhielt er von Irene König. Die 62 Jahre alte Frau wohnt auf dem Sonnenberg und hatte mit sechs Gleichgesinnten die Chemnitzer Sektion der Initiative "Omas gegen rechts" gegründet. Dass es im Vorfeld Kritik wegen der Veranstaltung gab - gerade vor dem Hintergrund des abgesagten Stadtfests in diesem Jahr -, konnte sie nicht verstehen. "Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich finde das Zuckerfest gut, während ich denke, dass das Stadtfest nach den Vorfällen 2018 durchaus mal ein Jahr Pause vertragen kann", sagte sie.


Soll das Zuckerfest nach der Premiere künftig jedes Jahr stattfinden, so ist das Kinderfest Charlie bereits fest etabliert. Nach rund 15.000 Besuchern im vergangenen Jahr hatte Veranstalter Sven Hertwig auch diesmal mit einer ähnlichen Resonanz gerechnet. "Wir sind definitiv zufrieden", sagte er. Am Morgen ging es allerdings ein bisschen zäh los, auch wegen des Wetters, das letztlich auch Einfluss aufs Programm hatte. So konnte eine Riesenrutsche wegen starken Windes nicht auf dem Markt aufgebaut werden.

Am Stand von Ex-Fernsehmoderator Ingo Dubinski ("Elf-99") auf dem Düsseldorfer Platz konnten Besucher mit einer 3-D-Brille virtuelle Achterbahnfahrten durch den Europapark Rust unternehmen. Das sorgte für Vorfreude bei den Jüngsten. "Wir waren schon mal dort und fahren dieses Jahr wieder hin", sagte der zwölfjährige Konstantin Hempe. Sein Vater Peter Bauer vermisste bei allem Lob für das Kinderfest Angebote für ältere Kinder. "Außer dem Formel-1-Simulator auf dem Rosenhof und dem Bungee-Jumping war da nicht viel", sagte er. Besucherin Andrea Rank freute sich über die vielen Sportangebote. "Die finde ich toll", sagte sie. Ihr siebenjähriger Sohn Arthur vergnügte sich derweil beim Sumoringen im Fettanzug, vorher war er beim Floorball- sowie Basketballspielen. Im Gegensatz zum Vorjahr sei das Kinderfest allerdings ein bisschen "zerrissen", wie Rank sagte - mit Flächen wie dem Jakobikirchplatz mittendrin zum Beispiel, auf dem nichts los war.

Den Trubel in ihrer Umgebung spürten indes auch die Inhaber der Einzelhandelsgeschäfte im Umfeld. "Das macht sich schon positiv bemerkbar. Gegenüber dem Hutfestival zuletzt ist es allerdings kein Vergleich", fand Susann Seidel vom Buchladen Monokel. Und Jana Morgenstern vom Bekleidungsgeschäft Blob an der Börnichsgasse sagte: "Wenn ich aus dem Ladenfenster schaue und viele Leute sehe, dann freut mich das immer. Klar, dass ich jede Veranstaltung vor meiner Tür begrüße."


Übergriff und Kundgebung

Die rechtsextreme Gruppierung Pro Chemnitz hatte am Roten Turm zu einer Gegenveranstaltung zum Zuckerfest aufgerufen. Die Polizei war mit 120 Beamten in der Innenstadt präsent. Am Abend, Stunden nach Beendigung beider Veranstaltungen, kam es zu einem Übergriff. An der Zentralhaltestelle hatte ein 18-jähriger laut Polizei einen 41-Jährigen offenbar mit einem Messer verletzt. Bei dem 18-Jährigen handelt es sich um einen syrischen, bei dem 41-Jährigen um einen deutschen Staatsangehörigen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Am Sonntag hatte daraufhin die rechtsgerichtete "Bürgerinitiative Heidenauer Wellenlänge" zu einer Kundgebung am Marx-Kopf aufgerufen. Laut Polizei kamen rund 50 Menschen, etwa 60 Demonstranten protestierten gegen die Veranstaltung. Die Polizei war mit 66 Beamten vor Ort. (fp)

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