Feuer und Flamme für leuchtende Rahmen

Ein Werbefachmann macht sich mit einer neuen Idee zum zweiten Mal im Leben selbstständig. Einen baldigen Ruhestand kann er damit abschreiben.

Altchemnitz.

Die Idee fand er einfach zu gut. Wolfram Junge war über 20 Jahre Geschäftsführer der Werbeproduktionsfirma Baseg. Die hatte er gegründet, obwohl er studierter Elektrotechniker ist. Vor ein paar Jahren begann er, sich um eine Unternehmensnachfolge zu kümmern. Der 60-Jährige hätte demnächst in den Ruhestand gehen können. "Aber das kann ich jetzt abschreiben", sagt er. Schuld daran ist diese Idee. Unter dem Dach seiner alten Firma habe man die nicht umsetzten können. Deshalb beschloss Junge, noch eine Firma zu gründen. "Wie der Bergsteiger, der sagt, dass er unbedingt auf den Berg hinauf muss", zieht Junge einen Vergleich.

Und was ist nun die Idee, die Junge unter dem Firmennamen Prevedo verkaufen will? Es sind zwei Produkte, die anderen Firmen zum Beispiel auf Messen dabei helfen sollen, auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem Namen Ilumag stellt Junge Tafeln her, die mit LED-Technik beleuchtet werden. Sie sind 6 Millimeter dünn und maximal 1,20 Meter mal 2 Meter groß. Dazwischen sei jede Größe machbar, so Junge. Grundlage für die Tafeln ist Plexiglas. Darauf liegt ein Chromrahmen, die LEDs sind unter ihm versteckt. Das Motiv wird auf eine Folie gedruckt und kann dank eines magnetischen Rahmens einfach ausgetauscht werden. Die LED-Technik erzeugt ein flächiges Licht, die Tafeln wirken wie Fernsehbildschirme, nur dass sie nicht flimmern. Etwas vergleichbares, elegantes, habe er bisher auf dem Weltmarkt nicht gefunden, sagt Junge. Einsetzten könne man das Produkt nicht nur in der Werbung, sondern auch zu Hause oder als beleuchtetes Namensschild oder ganzes Leitsystem in großen Unternehmen.


Das zweite Produkt richtet sich vor allem an Firmen, die sich auf Messen präsentieren. Dort würden zwei verschiedene Aufsteller das Bild dominieren: sogenannte "roll-ups", die sich leicht aufziehen lassen, und "pop-ups", leicht aufstellbare Wände, mit Plakaten bespannt. Diesen Markt will Junge nun mit seinem Produkt Ilutex aufmischen. Dabei handelt es sich um eine mobile Messewand, bestehend aus Würfeln, die ebenfalls mittels LEDs beleuchtet sind. Die Würfel sind in den Maßen 60 x 60 Zentimeter, 80 x 80 Zentimeter oder 1 x 1 Meter erhältlich. Junge erklärt, dass sie wie Legosteine aufeinandergestellt werden können. Bespannt sind sie mit Textildrucken - auch hier lässt sich das Motiv wechseln. Die einzelnen Bausteine können in Rollcontainern verstaut werden. Das Ergebnis wirkt von weitem wie eine Videowand.

Gekommen ist Junge auf die Idee, als die Firma Baseg beinahe zeitgleich Aufträge der TU Chemnitz und des Fraunhofer-Instituts erhalten habe. "Könnt ihr uns nicht ein Werbemittel bauen, das uns abhebt von den anderen", habe die Bitte gelautet. Für Fraunhofer sei eine Videowall entstanden, für die Uni LED-Tafeln. Ungefähr drei Jahre habe es gedauert, bevor Junge bereit war, sich selbstständig zu machen. Jetzt hat er zwei Mitarbeiter, mit denen er auf 350 Quadratmetern die Produkte bauen will. Gemietet sind dafür Räume im Wirkbau an der Lothringer Straße, wo vorher Siemens arbeitete. Bisher habe er nur Testaufträge bearbeitet. Doch jetzt gehe es richtig los. Seine Investition beziffert Junge auf 250.000 Euro. "Mein Traum ist es, einmal zehn Mitarbeiter zu haben", sagt er, "um den Weltmarkt zu bedienen".


Firmensitz mit historischer Bedeutung

Das neue Unternehmen Prevedo hat seinen Sitz im historischen Wirkbau-Gelände an der Lothringer Straße. Es war ein Standort des Maschinenbaus für die Textilindustrie. Heute hat sich dort ein Gewerbepark entwickelt. Die neun teilweise miteinander verbundenen Gebäude mit annähernd 43.000 Quadratmetern Mietfläche sind aufgeteilt in Büro-, Gewerbe- und Lagerbereiche. Bis 2014 war dort auch das Siemens-Werk mit etwa 400 Mitarbeitern angesiedelt, bevor es seinen neuen Standort an der Leipziger Straße errichtete.

Carl Schubert und Bruno Salzer eröffneten an dem Standort 1885 ihre Fabrik, in der Wirkmaschinen für Strümpfe hergestellt wurden. Das Geschäft wuchs, 1889 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen expandierte weiter, seine Maschinen revolutionierten die Strumpfindustrie in Europa und Übersee. Es überstand Weltwirtschaftskrise und beide Weltkriege. Nach 1945 wurde aus dem Chemnitzer Teil des Unternehmens der VEB Wirkmaschinenbau. Nach der Wiedervereinigung bestand er als Wirkbau Textilmaschinenbau GmbH bis zur Liquidation 1994 weiter. (mit saho)

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