Film-Kunstwerk «Marx» feiert international Premiere

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Das monumentale Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz ist zur Ikone geworden und die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Auch für Künstler ist es immer wieder Inspiration. Ein solch filmisches Kunstwerk wird nun 24 Stunden lang zeitgleich in 17 Städten weltweit gezeigt.

Chemnitz (dpa) - Im Volksmund wird er nur «Nischel» oder «Kopp» genannt: das Chemnitzer Karl-Marx-Monument, das im Oktober 50 Jahre alt wird. Dem monumentalen Kopf des Philosophen ist der Künstler Olaf Nicolai voriges Jahr zur Kunstausstellung «Gegenwarten» ganz nah gerückt. Mit einer Kamera hat er die Skulptur 24 Stunden lang in Nahaufnahme gefilmt und bringt die Zuschauerinnen und Zuschauer dabei auf Augenhöhe zu Marx. Auf den Tag genau ein Jahr später feiert Nicolais filmisches Kunstwerk nun am Dienstag in Chemnitz und 16 weiteren Städten wie Jerusalem, Berlin, London und Los Angeles Premiere.

«Nicolai ist es gelungen, eine ebenso monumentale Form zu finden wie sie die Chemnitzer Skulptur im Alltag ausstrahlt», konstatiert der Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, Frédéric Bußmann. Durch die gewählte Perspektive schwinde die Monumentalität und die Herrschaftsgeste des Monuments. «Man lernt, den Monumentalkopf von seiner politischen Aufladung und Ideologie ein Stück weit zu abstrahieren und sich stärker auf die Ästhetik des Materials, der Oberfläche und des Bildhauers Lew Kerbel einzulassen.» Zugleich stelle Nicolai, der in Chemnitz aufgewachsen ist, die Frage nach dem Verlauf der Zeit sowie ihrer Bedeutung in Physik und Philosophie.

Der Film wurde am 21. September 2020 von 12.00 Uhr mittags bis 12.00 Uhr des Folgetages aufgenommen. Zur gleichen Zeit - jeweils Ortszeit - wird er nun in den verschiedenen Museen gezeigt. In Chemnitz selbst ist er im Säulensaal der Kunstsammlungen am Theaterplatz zu sehen, der Eintritt ist frei. Laut Bußmann ist die Premiere des 24-Stunden-Films eine Einladung, eine Nacht im Museum zu verbringen. Isomatte und Schlafsack dürften dazu gern mitgebracht werden.

Nicolai war nicht der einzige Künstler, der sich bei der Kunstschau im vergangenen Jahr das Marx-Monument vorgeknöpft hat. Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová stellten dem Denkmal des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel dabei eine eigene hintersinnige Skulptur entgegen: «Der Darm». Widmen sich Bildnisse von Menschen üblicherweise deren Kopf, wählten sie sich den Darm des Philosophen aus, der seither in einem Park ebenso monumental zu sehen ist.

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