Film über Lunzenauer Kriegsverbrecher im Kino

Der Streifen "Der Hauptmann" läuft in Chemnitz. Erzählt wird vom Leben eines Massenmörders. Bisher war wenig über ihn bekannt.

Lunzenau.

Er war mir persönlich bekannt, schreibt der ehemalige Lunzenauer Wolfgang Bönitz in einer Abhandlung über Willi Herold, die im Archiv der Stadt Lunzenau aufbewahrt wird. Dessen Gewalttaten und Morde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sind Inhalt des derzeit im Kino laufenden Films "Der Hauptmann". "Wolfgang Bönitz hat uns 2002 die von ihm recherchierte Abhandlung über Willi Herold zukommen lassen", sagt Bürgermeister Ronny Hofmann. In der Stadtchronik ist allerdings nichts über den jungen Mann zu finden, der im Krieg zum Verbrecher wurde.

Bönitz wurde seinen Aufzeichnungen zufolge in einem Katalogbuch zu einer Ausstellung über die Lebensbedingungen im Zweiten Weltkrieg im Ruhrlandmuseum in Essen fündig. Dort sei von einem jungen Soldaten die Rede gewesen, der, ausgestattet mit einer gefundenen Hauptmannsuniform, im Emsland 1945 Massenerschießungen befahl und sich an ihnen beteiligte. Genannt worden sei er auch der "Henker vom Emsland". Bönitz recherchierte weiter, erfuhr so, dass eben jener Mann aus Lunzenau stammte und er ihn sogar kannte, schreibt er.

Bönitz hat zur Biografie Herolds recherchiert: 1925 in der Stadt an der Mulde geboren, besuchte Herold die örtliche Schule und absolvierte bis zu seiner Einberufung 1943 eine Lehre zum Schornsteinfeger. Herold habe sich zunächst dem Jungvolk, später der Hitlerjugend angeschlossen. "Er entsprach in vielem den nazistischen Bildungsidealen", beschreibt Bönitz. Er sei sehr ehrgeizig gewesen und habe schnell gelernt, den Kommandoton anzuwenden. "Er wollte, um selbst zu befehlen, nicht auf eine Beförderung warten, sondern setzte sich an die Spitze von beliebig gebildeten Gruppen in seiner Wohnumgebung und begann Streitigkeiten mit Jungs aus anderen Straßen. Da war er der unbestrittene Anführer", berichtet Bönitz. Bei seinem ersten Heimaturlaub als Soldat habe er ausschließlich Uniform getragen, mit einer Reihe von Orden, die er als 19-Jähriger nur äußerst schwer hätte erkämpfen können. "Da war es recht verständlich, wenn das in Lunzenau überraschtes Gemurmel erzeugte", heißt es.

Der Film "Der Hauptmann" zeichnet den Lebensweg des Lunzenauers nach. Gedreht wurde er von Regisseur Robert Schwentke 2017 in Polen und Deutschland. "Mich interessierten die Täter aus den hinteren Reihen. Sie waren nicht die Architekten des Systems, sondern die Menschen von nebenan, die ,kleinen Leute', die das Nazi-System am Leben hielten", sagte Schwentke. In Lunzenau hat man davon nichts mitbekommen. "Es war niemand hier und hat sich erkundigt oder im Geburtsort der Filmfigur recherchiert", sagt Hofmann.

Der Film "Der Hauptmann" läuft heute sowie am Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils 20 Uhr im Clubkino Siegmar in Chemnitz, Zwickauer Straße 425.

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