Firma baut nicht schmelzende Eisplatten

Spezialaufträge wie der Gletscherraum im Archäologiemuseum in Chemnitz sind Alltag für ein Unternehmen aus Augustusburg. Jetzt wird an einer weiteren Neuheit gearbeitet.

Die Gletscher-Landschaft aus den Werkstätten der Firma Rosskopf und Partner im Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz.

Für Sie berichtet: Matthias Behrend

Es war ein sehr spezieller Auftrag, als ihm eine Anfrage auf den Tisch flatterte, sagt Andre Uhlig. Der 32-Jährige ist Tischlermeister in der Firma Rosskopf und Partner im Augustusburger Ortsteil Hennersdorf. Ob er nicht ein großes Stück Gletschereis bauen könne? Warum nicht, dachte er. Sein Unternehmen ist auf solche speziellen Aufträge ausgerichtet. Der Mineralwerkstoff, der in den Werkstätten verarbeitet wird, bietet in Farbe, Form und Verarbeitung unendlich viele Möglichkeiten. Das Material besteht aus Polyester und Acryl sowie Farbpigmenten, ist aber kein Kunststoff. Es lässt sich ähnlich wie Holz bearbeiten, dazu aber thermisch verformen, Einzelteile werden derart maßgenau verbunden und poliert, dass eine hochwertige Oberfläche ohne Spalt entsteht.

Deshalb kann Uhlig auch sagen: "Eigentlich geht immer alles." Selbst die Illusion von Gletschereis sei machbar. Die Anfrage kam von einem Unternehmen aus der Schweiz, das mit dem Innenausbau des Staatlichen Museums für Archäologie in Chemnitz (smac) beauftragt war und einen Gletscherraum gestalten sollte. Raumhohe kantig-schroffe Eisplatten waren gefragt.

"Das war schon sehr speziell", sagt Uhlig, zumal die Eisplatten plastisch wirken sollten. "Besonders knifflig war es, die abstrakte Installation aus 2,60 Meter hohen Platten in einem komplett leeren Raum mit unverputzten Wänden und ohne Bezugspunkte zu errichten", sagt der Tischlermeister. Wie immer bei derart speziellen Aufträgen sucht man sich den Rat von Kollegen, sagt er, und überlegt, was man vielleicht schon Ähnliches gebaut hat.

Die zwölf Millimeter dicken Mineralwerkstoffplatten wurden auf spezielle Stahlgestelle montiert. Insgesamt 65 Quadratmeter Mineralwerkstoffplatten wurden verbaut. Der plastische Eindruck und die schroffen Abbruchkanten entstanden dank mehrerer Platten, die versetzt übereinander montiert wurden. Die weißen Mineralwerkstoffplatten sind transluzent, das heißt: teilweise lichtdurchlässig, wie etwa menschliche Haut oder Blätter es sind. So entsteht mittels hinter den Platten befindlicher Lichtquellen der Eis-Effekt.

Der Gletscherraum war ein besonderer Auftrag, sagt Christin Bergmann, die bei der Firma Vorstand für Finanzen und Controlling ist. Wobei besondere Aufträg beinahe Alltagsgeschäft sind. Für das King Abdulaziz Center im saudi-arabischen Dhahran hat die Firma Wandverkleidungen und Möbel aus Mineralwerkstoff geliefert. Seit 2013 haben Monteure auf dieser internationalen Großbaustelle inmitten der saudi-arabischen Ölfelder gearbeitet.

Solche Projekte sind ein wichtiges Aushängeschild für das Unternehmen, das seit 1991 einen Produktionsstandort in Hennersdorf betreibt und sich hier auf die Verarbeitung von Mineralwerkstoff spezialisiert hat. Etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Hennersdorf, noch einmal so viele sind es in Obermehler in Thüringen, dem Hauptsitz, wo vorrangig Quarz- und Naturstein sowie Porzellankeramik verarbeitet wird. Den Gesamtumsatz beziffert Christin Bergmann mit rund 19 Millionen Euro, etwa die Hälfte davon werde in Hennersdorf erwirtschaftet. Bereits 1984 hat Firmengründer und Vorstand Helmut Roßkopf als gelernter Schreiner begonnen, Mineralwerkstoffe zu bearbeiten. Mehr als 30 Jahre Erfahrung haben dem Betrieb einen Wissensvorsprung verschafft, der Christin Bergmann heute behaupten lässt, dass es weltweit nur wenige Mitbewerber gibt.

Auf einer Fachmesse Anfang Dezember in Stuttgart wollen die Hennersdorfer eine neue Innovation vorstellen. "Wir werden unseren Mineralwerkstoff mit anderen Werkstoffen wie Holz oder Metall kombinieren", sagt Bergmann. Details möchte sie noch nicht verraten, aber eine Überraschung garantiert sie.

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