Firma holt wertvolle Rohstoffe aus ausgedienten Solarmodulen

Eigentlich produziert das Unternehmen aus Ottendorf Trocknungsanlagen. Aber Konstrukteure hatten eine ganz andere Recycling-Idee.

Ottendorf.

Überall, wo maschinell etwas bedruckt oder beschichtet wird, muss es anschließend auch getrocknet werden. Die Firma Tesoma, die seit 15 Jahren im Gewerbegebiet des Lichtenauer Ortsteils Ottendorf ansässig ist, hat sich auf den Bau von Trocknungsanlagen spezialisiert. 1800 Maschinen wurden seit Firmengründung im Jahr 1993 in 53 Länder geliefert. Dabei wurde laut Firmenleitung im Vorjahr ein Umsatz von mehr als sieben Millionen Euro erzielt.

Seit 2016 ist Tesoma ein Unternehmen der Loser-Holding-Gesellschaft. Betriebszweck einer Holding ist es, sich ausschließlich an anderen Unternehmen zu beteiligen. Zur Organisation gehören zudem ein Werk in Zwickau, das chemische Produkte herstellt, und ein Werk in Tangermünde, welches Phosphordünger produziert. Die Loser-Holding hat insgesamt 120 Mitarbeiter, die jährlich einen Umsatz von etwa 20 Millionen Euro erwirtschaften. 25 Prozent der Beschäftigten sind mit Forschung und Entwicklung beschäftigt. "Jetzt ist es uns gelungen, eine Weltneuheit herauszubringen", sagt Geschäftsführer Ulrich Loser. Seit 2006 forscht der Zwickauer Betrieb mit dem chemisch-technischen Leiter Wolfram Palitzsch an den Möglichkeiten eines Photovoltaik-Recyclings und der damit verbundenen Wiedergewinnung von seltenen Metallen.

Es wurde ein Verfahren zum Ablösen der metallischen Schichten entwickelt, erläutert Loser. Seltene Erden sind besondere Metalle. Ohne sie gäbe es keine Smartphones und viele andere technische Geräte. Ohne Indium keine Dünnschicht-Photovoltaik, ohne Germanium keine Glasfaserkabel und Infrarotoptik, ohne Kobalt keine Lithium-Ionen-Akkus und ohne Tantal keine Mikrokondensatoren. Handys und Tablets brauchen seltene Metalle genauso wie Flachbildschirme und Hybridautos. Und die neueste Lasertechnik funktioniert nur mit seltenen Erden wie Neodym oder Yttrium.

"Und da haben wir angesetzt", sagt Loser. Bisher seien kleine Mengen von Indium, Germanium und Tantal beispielsweise herausgelöst worden. Die Menge sei noch zu klein, um damit Geld zu machen, fügt Loser hinzu. Für das neue System habe das Unternehmen zwei Millionen Euro investiert.

Weil der Hauptlieferant China die Ausfuhr beschränkt hat, wird in Deutschland nach den Rohstoffen gesucht. Eine alternative Quelle für die seltenen Metalle wäre Recycling. Mehr als die Hälfte des Elektroschrotts wird aber nicht recycelt, so Experten. Bisher gebe es noch kein ausgereiftes Verfahren, um die seltenen Erden in großem Stil zurückzugewinnen.

Da sich diese Schichten jedoch bei dem überwiegenden Teil der sogenannten Dünnschichtmodule zwischen zwei miteinander laminierten Glasscheiben befinden, war die nächste Aufgabe, eine Maschine zu erfinden, welche diesen Verbund öffnen kann, erörtert Loser. Mit der Entwicklung eines Verfahrens wurde eine Maschine konstruiert, die es ermöglicht, Photovoltaik-Module aufzutrennen. In die Konstruktion der neuen Anlage wurden laut Geschäftsleitung etwa 500.000 Euro investiert. Dabei werden die Module mittels Laser zunächst belichtet, wodurch es möglich wird, die Scheiben auseinanderzuziehen. Nach Meinung von Loser ist das Verfahren weltweit einzigartig.

In der Branche wurden bisher die Module geschreddert. Mit der nach den Erfindern benannten Tesoma-Loser-Technik könne sowohl das Glas in der Produktion für hochwertige Gläser genutzt und die im Photovoltaik-Modul enthaltenen seltenen Metalle zu 100 Prozent wiedergewonnen werden, erklärt Marketing-Chefin Susan Müller. Damit würden Ressourcen gespart und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, ergänzt sie. Mit einer einzigen Recycling-Anlage könnten mehr als 10.000 Tonnen Altmodule pro Jahr verwertet werden.

Das sei umso wichtiger, weil im vergangen Jahr ein neues Elektroschrott-Recycling-Gesetz in Kraft getreten ist, das Hersteller von Photovoltaik-Modulen zur Rücknahme nach deren Lebensdauer verpflichtet. Seit dem 1. Juni 2017 muss bei einem Verstoß gegen die Rücknahmepflichten für Elektro- und Elektronikaltgeräte mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro gerechnet werden, fügt Müller hinzu.

Photovoltaik-Anlagen hatten ursprünglich eine angenommene Laufzeit von etwa 25 Jahren. Viele Module werden aber schon eher erneuert, weil die Leistung eines Moduls von anfänglich unter 100 inzwischen auf 350 Watt verbessert wurde, erklärt Loser. Der 58-Jährige schätzt, dass er in den nächsten fünf Jahren 25 Anlagen verkaufen wird. "Wir wollen die Anlage weltweit installieren", sagt der gebürtige Rheinland-Pfälzer. In Joint-Venture-Gesellschaften soll die Loser-Holding an dem weltweit operierenden Gesellschaften für Photovoltaik-Recycling beteiligt werden.


Weitere Erweiterung im Ottendorfer Gewerbegebiet

Drei Ingenieure aus Auerswalde haben Tesoma 1993 gegründet. 2003 zog das Unternehmen ins Gewerbegebiet Ottendorf. Neue Trocknersysteme im Textilbereich wurden entwickelt, dann kam der grafische Bereich hinzu. Anschließend stieg das Unternehmen in den Flachglasbereich ein.

Inzwischen ist Tesoma ein Entwickler und Systemlieferant für die thermische Behandlung industrieller Bauteile.

Die Produktionsfläche von anfänglich 4500 wurde durch den Zukauf eines 2000 Quadratmeter großen, benachbarten Firmengebäudes auf 6500 Quadratmeter erweitert. Eine Vergrößerung der Produktionsflächen auf insgesamt 9000 Quadratmeter ist geplant. Mit der Erweiterung und den Aufbau weiterer technischer Anlagen investiert das Unternehmen in den nächsten drei Jahren zwischen vier und fünf Millionen Euro. (bj)

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