Firmen und Behörden erpresst - Täter gesteht

Mann drohte mit Anschlag auf Weihnachtsmarkt - Haftstrafe auf Bewährung

Das Schreiben, das am 25. Oktober 2016 bei der Stadtverwaltung einging, muss die Mitarbeiter verunsichert haben. Der Absender forderte 4000 Euro von der Stadt - zu senden an eine Adresse im Chemnitzer Süden. Sollte die Verwaltung dem nicht nachkommen, werde er einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verüben und Öl auf die Straßen der Stadt gießen, drohte der Absender. Das Rathaus zahlte nicht und übermittelte das Schreiben an die Polizei. Die machte einen heute 51-jährigen Chemnitzer als Absender aus. Der Mann musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht verantworten.

Ihm wurden sechs Fälle von Erpressung vorgeworfen. Neben der Stadtverwaltung hatte er einer Immobilienfirma aus Nürnberg, einem Chemnitzer Autohaus und einem Bauunternehmen aus Dresden Schaden angedroht. Aber auch eine große Lebensmittelfirma und der städtische Verkehrsbetrieb CVAG erhielten Schreiben von ihm. Der CVAG drohte er mit der Sprengung von Ticketautomaten, dem Lebensmittelunternehmen mit der Vergiftung von Produkten. Die geforderten Summen beliefen sich auf 3000bis 5000 Euro. Obwohl kein Geld floss, setzte der Angeklagte die Drohungen nie in die Tat um.

Der 51-Jährige äußerte sich vor Gericht nicht selbst, sein Anwalt räumte aber alle Vorwürfe ein. Sein Mandant habe aus Frust über seine Lebenssituation gehandelt: Er sei arbeitslos, habe Schulden und hadere mit früheren Verurteilungen unter anderem wegen der Störung des öffentlichen Friedens. Die Drohungen habe er aber nicht ernst gemeint, so der Anwalt. Zudem sei sein Mandant krank.

Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten paranoide Züge und eine leichte Intelligenzminderung. Der Beschuldigte wisse, was er tue, sei aber aggressiv und sehr misstrauisch, sagte der Psychiater. Der Mann erhalte zwar Medikamente, benötige aber eine längere ambulante Behandlung bei einem Facharzt. In diesem Zusammenhang kritisierte der Gutachter Berufskollegen, die sich seiner Meinung nach nicht ausreichend um den Angeklagten gekümmert haben, als dieser stationär behandelt wurde. Der Richter verurteilte den Mann, dem verminderte Schuldfähigkeit attestiert wurde, zu neun Monaten Haft, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt wurden. Er muss sich einer mindestens sechsmonatigen ambulanten Behandlung unterziehen. Das Urteil ist rechtskräftig. (lumm)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...