Fleischerei Haase schließt nach 47 Jahren

Der Stammsitz mit Bistro des Traditionsunternehmens auf dem Kaßberg hat zu. Für zwei verbliebene Filialen gibt es aber gute Nachrichten.

Kaßberg.

Immer wieder steuern Menschen zielgerichtet auf die Tür zu, die genau zur Ecke Puschkinstraße/Ulmenstraße zeigt. Wenige Meter davor bleiben sie stehen und lesen, was auf der Tafel dort steht. "Aus betrieblichen Gründen geschlossen", ist mit Kreide dort angeschrieben. "Nu hammer keene Wurscht", sagt eine ältere Frau zu sich selbst und zieht weiter.

Ein paar Meter neben der Fleischerei, zu der auch ein Imbiss und eine Terrasse gehören, befindet sich eine Filiale der Bäckerei Pönisch. Auch dort ist das geschlossene Geschäft Thema. "Unsere Kunden fragen, was dort los ist, aber wir wissen nichts", sagt Mitarbeiterin Simona Gröbel. An der Theke steht eine 75-Jährige aus der Nachbarschaft. Es sei gut für sie gewesen, dass es eine Bäckerei, ein Obst- und Gemüsegeschäft sowie die Fleischerei in einer Reihe gegeben habe. "Dann muss ich jetzt freitags eben die Wurst bei Edeka holen", sagt die Frau, die auf eine Krücke gestützt geht. "Ja", kommentiert Gröbel hinter dem Tresen, "die Großen machen die Kleinen kaputt". Doch einen Hoffnungsschimmer hat die ältere Dame: "Vielleicht machen sie doch wieder auf." Denn anfangs habe an der Tafel vor dem Geschäft "geschlossen wegen Inventur" gestanden. Doch dem erteilt Stephanie Blumhagen, Inhaberin der Fleischerei Haase, eine Absage. Man werde nicht wieder öffnen. Die beiden verbliebenen Filialen im Rabenstein-Center und in der Trabant-Passage in Siegmar seien von einer anderen Fleischerei übernommen worden. Weiter wollte sich Blumhagen nicht äußern. Nach "Freie Presse"-Informationen hat die Firma einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Insolvenzverwalter war am Freitag nicht zu erreichen.

"Es ist schade, wenn ein einheimisches Unternehmen den Bach runtergeht", sagt Anwohnerin Simone Schott. Seit 2000 sei sie Kundin gewesen und habe auch gern das Mittagsangebot genutzt. Die nächste Fleischerei sei nun wohl erst auf der Limbacher Straße zu finden, denn die Haase-Filiale vor der Rossmann-Drogerie an der Weststraße hat seit Monaten ebenfalls geschlossen. "Dabei sind wir extra wegen der Mischung an Geschäften, die fußläufig zu erreichen sind, auf den Kaßberg gezogen", so Schott.

Dass er die beiden Haase-Filialen und acht Mitarbeiter übernommen hat, bestätigt Enrico Baumgarten, Geschäftsführer der Firma Hilbersdorfer Fleischwaren. Seit 1. Oktober sei man Inhaber der Filialen, ab der kommenden Woche sollen diese als die Seinen kenntlich gemacht werden. Für das Unternehmen sind es die ersten Filialen in Chemnitz. Bisher ist die Firma in Freital, Radebeul, Nossen, Siebenlehn, Oederan und Freiberg vertreten.

Haases Fleischerei wurde 1972 an der Puschkinstraße gegründet. Nach der Wende wuchs das Unternehmen und hatte zeitweise Filialen in vielen Stadtteilen, auch im Zentrum.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    alibaba75
    25.10.2019

    Die Probleme der "Kleinen" sind größer als das Außenstehende auf Anhieb wahr nehmen.
    Allein die geforderten Finanzamt gerechten Kassen, Hygieneüberwachungskosten wie bei den "Großen", gestiegene Mindestlöhne, erhöhte Grundsteuern u.s.w. sind es, die die
    "Kleinen" in die Knie zwingen.
    Da hilft auch keine erstklassigen und darum arbeitsintensiveren Angebote.
    Und die niedrigen Mindestrenten zwingen den Großteil der Bevölkerung zum "Billigkauf". Einfach alles abgewürkt.

  • 23
    0
    Hankman
    13.10.2019

    @cn3boj00: Grundsätzlich mögen Sie vielleicht Recht haben. Aber was im vorliegenden Fall der Grund für die Insolvenz war, wissen wir nicht. Es muss nicht immer daran liegen, dass die Großen die Kleinen plattmachen. Und so klein war das Geschäft ja auch nicht, zeitweise hat man ein ziemlich großes Rad gedreht, mit einer ganzen Reihe Filialen, Bistro, Partyservice ... Zuletzt gab es noch drei Filialen in Centern - da kann man vielleicht viel mehr Kundschaft erreichen, muss aber auch erst mal die Miete erwirtschaften. Will sagen: Wenn einem Unternehmen die Puste ausgeht, kann das auch daran liegen, dass der Unternehmer falsche Entscheidungen getroffen oder zu spät auf einen sich verändernden Markt reagiert hat. Ich bin bei Haase selbst jahrelang Kunde gewesen und habe vor allem das Bistro geschätzt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Laden schlecht läuft. Aber man blickt halt nicht hinter den Tresen - Einkaufspreise, Personalkosten, Miete ... Jedenfalls finde ich es schade, dass es den Laden nicht mehr geben soll. Und es tut mir sehr leid für die Inhaberin und die Mitarbeiter.

  • 8
    0
    994374
    13.10.2019

    Eine Bekannte fand nach 1990 am Stammsitz von Lidl&Schwarz Arbeit.
    Noch heute orientiert sie sich am Ausspruch ihres damaligen (Wessi-) Chefs, dass er weder Fleisch noch Wurst bei seinem Arbeitgeber kaufe!

  • 20
    7
    cn3boj00
    12.10.2019

    Der Fleischer / Metzger um die Ecke hat keine Zukunft. Die Massentierhaltung mit Schlachtung im Ausland zwar auch nicht, aber das wird man erst erkennen wenn die Fleischerinnung ausgestorben ist. Das Verschwinden der Weidetierhaltung und Schlachtereien vor Ort waren der Todesstoß.



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