Freibad-Entscheidung löst Freude und Kopfschütteln aus

Vor allem in Erfenschlag herrscht Erleichterung über den abgewendeten Abriss des Schwimm- beckens. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Erfenschlag.

Mit Freude und Erleichterung ist die Stadtratsentscheidung zum Weiterbestehen des Freibades Erfenschlag in dem Stadtteil aufgenommen worden. "Wir sind froh, dass der CDU-Antrag eine fraktionsübergreifende Mehrheit gefunden hat", sagte Felix Kreißel vom Bürgerverein Erfenschlag.

Außer denen von AfD und Pro Chemnitz hatten am Mittwoch auch die Stadträte der FDP sowie Mitglieder der Fraktionsgemeinschaft Bündnis 90/Die Grünen für den CDU-Vorschlag gestimmt. Laut dem soll das seit 2014 geschlossene Sommerbad kommunal bleiben und die Stadtverwaltung 2020 ein Konzept für dessen Sanierung oder Neubau und künftigen Betrieb - vorzugsweise unter Einbindung des Bürgervereins - vorlegen. Der von Linken und SPD unterstützte Antrag der Stadtverwaltung, das Schwimmbecken abzureißen und durch eine "naturnahe Freizeit- und Erholungsfläche" mit Spielmöglichkeit zu ersetzen, wurde damit ebenso hinfällig wie Anträge von Pro Chemnitz, das Bad für lediglich 250.000 Euro instandzusetzen, und der Grünen, eine öffentliche Wasserfläche langfristig zu sichern.

Er freue sich, dass das jahrelange bürgerschaftliche Engagement der Erfenschlager letztendlich doch noch eine Mehrheit gefunden hat, erklärte Tino Fritzsche, der Chef der CDU-Stadtratsfraktion. Diese erwarte, dass sich Verwaltung, Stadträte und Bürgerverein jetzt zügig auf eine Zeitschiene verständigen.

Mit 250.000 Euro ließen sich sicher nicht alle Auflagen für das Bad erfüllen, sagte Kreißel zum Vorschlag von Pro Chemnitz. Allerdings wünsche sich auch der Bürgerverein, dass die Kosten nicht ausufern. Eine in dessen Auftrag 2018 erarbeitete Studie sieht einmalige Investitionen von 1,7 Millionen und jährliche Betriebskosten von 30.000 bis 50.000 Euro vor. Die Erfenschlager wünschen sich, dass die Stadt diese Studie nutzt, so Kreißel. Dafür wolle der Bürgerverein im Gespräch mit den Ratsfraktionen und der Verwaltung bleiben. Nach deren Schätzung müssen bis zu 2,75 Millionen Euro in das Bad investiert werden.

Leser der Online-Ausgabe der "Freien Presse" kommentieren den Stadtratsbeschluss gegensätzlich. "Eine sehr gute Entscheidung", finden mehrere von ihnen. Andere werfen den Stadträten verantwortungslose Verschwendung von Steuergeldern vor. Denn von Erfenschlag aus seien die Freibäder in Bernsdorf und Einsiedel mit dem Auto in zehn Minuten zu erreichen.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    cn3boj00
    03.11.2019

    In meinen Augen zeigt dieser Beschluss, dass Chemnitz nicht mehr von Vernunft regiert wird, sondern von Machtdemonstration und Klientelpolitik.
    Ich darf daran erinnern, dass 2016 mehr als 10000 Chemnitzer in einer Petition eine Schwimmhalle im Norden der Stadt gefordert hatten. Der Bürgerwille wurde damals von den Fraktionen der SPD, der Linken und der Grünen mit Füßen getreten, allen voran SPD Mann Müller und der Grüne Lehmann. Warum? Weil die Idee einem Antrag der CDU entsprang und CDU Mann Heinrich Präsident des Schwimmsportvereins war. Es ging nicht um Bürgerinteressen, sondern um eine Machtdemonstration.
    Nun kommt die Retourkutsche der CDU. Zusammen mit AfD hat man nun eine Mehrheit, und damit kann man vernünftige Vorschläge eben auch einfach mal vom Tisch wischen. Wem nützt ein Freibad in Erfenschlag? Ein paar lokalen Enthusiasten. Ich habe nichts gegen Bürgervereine, im Gegenteil. Und wenn der Bürgerverein das Bad haben will soll er. Aber bitte auf seine Kosten. Denn ich habe etwas dagegen, wenn ein Bürgerverein für seine Interessen, die nicht der Allgemeinheit dienen, mit Millionen Steuermitteln unterstützt wird, während breite Mehrheiten in der Stadt leer ausgehen. Denn wenn die Stadt neben den aus dem Ruder laufenden Investitionen in Bernsdorf nun auch noch in Erfenschlag investiert wird die Wahrscheinlichkeit einer dringend benötigten Schwimmhalle im Norden immer unwahrscheinlicher. Dass Grüne gegen die Schwimmhalle im Küchwald sind (samt der Idee "grüner" Energie), aber für ein Bad in Erfenschlag, zeigt die Perversion der Politik ganz deutlich.
    Und liebe @Interessierte, in welches Bad laufen denn die Kinder aus Altendorf, Borna, Glösa, Ebersdorf, Hilbersdorf, Kassberg usw.?

  • 1
    6
    Interessierte
    03.11.2019

    Denn von Erfenschlag aus seien die Freibäder in Bernsdorf und Einsiedel mit dem Auto - in zehn Minuten zu erreichen.
    ( welches Kind fährt denn mit dem Auto ins Freibad ?



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