Freibad Erfenschlag: Auf der Suche nach neuen Wegen

Die Rettung der Freizeitanlage steckt in einer Sackgasse. Nun hat sich ein Chemnitzer Tipps für den Dialog mit der Stadtverwaltung geholt.

Erfenschlag.

Es dauerte 90 Minuten, bis Helmut Steinbach bei der Podiumsdiskussion zu bürgerschaftlichem Engagement die Frage stellen konnte, die ihm auf den Nägeln brennt: Was können die Bürger zur Rettung des Erfenschlager Freibades tun und den Kontakt zur Stadtverwaltung so gestalten, dass es eine sinnvolle Lösung gibt?

Zuvor hatten SPD-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Jörg Viehweg und der Koordinator der Bürgerplattform Chemnitz-Mitte, Thomas Rohde, über ihre Erfahrungen und aus ihrer Sicht richtige Wege in der Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und Einwohnern gesprochen. Eingeladen zu dem Abend unter dem Titel "Bürgerschaft, Verwaltung und Politik auf Augenhöhe - Bürgerbeteiligung für eine tragfähige Kommune" hatte die Bürgerstiftung für Chemnitz.

Helmut Steinbach war gekommen, um Ratschläge von Teilnehmern der Diskussion zu erhalten. Er engagiert sich in einer Arbeitsgruppe für die Rettung des Erfenschlager Freibades. Die Stadtverwaltung wollte es schließen. Der Stadrat hatte entschieden, das Bad dem Bürgerverein Erfenschlag zu übergeben. Doch die Übergabe per 30. Juni fand nicht statt, weil die Verwaltung das Betreiberkonzept des Vereins als nicht hinreichend aussagefähig eingestuft hat. Wie soll es weitergehen, fragte Helmut Steinbach nach Tipps. Und die bekam er.

Er habe bisher den Austausch von Positionen, aber nicht von Argumenten wahrgenommen, sagte Viehweg. "Das ist ein hochkonfrontativer Ansatz." Und schlug Steinbach vor: "Geht noch einmal einen Schritt in der Diskussion zurück, tauscht mit der Verwaltung Argumente aus und hört Experten für die Betreibung von Bädern an." Er riet zudem, die Diskussionen um das Freibad künftig von einem neutralen Mediator leiten zu lassen. In der bisherigen Auseinandersetzung um das Bad sieht er einen "gescheiterten Prozess des Miteinanders".

Vorab ein gemeinsames Ziel festlegen und dann zusammen Lösungen suchen, schlug die Behindertenbeauftragte der Stadt, Petra Liebetrau, vor. Sie verfolgte die Diskussion als Besucherin. In dem Prozess sei vor allem Transparenz und eine "faire, sachliche und konstruktive Gesprächsführung" vonnöten, so Liebetrau. Er habe bisher ein konfrontatives Verhalten der Verwaltung gegenüber engagierten Bürgern, die um ihr Bad kämpften, wahrgenommen, sagte Stadtrat Toni Rotter (Die Piraten). Seine Fraktion habe sich vorgenommen, den Dialog zwischen Verwaltung und den engagierten Bürgern noch einmal anzuschieben, fügte er hinzu.

Urs Kohlbrenner aus Berlin, der sich dort für die Entwicklung der Hauptstadt engagiert und auch mit der Berliner Stadtverwaltung zusammenarbeitet, gab den Chemnitzern den Rat, von ihrem Rathaus Verbindlichkeit einzufordern: "Vereinbart feste Gesprächstermine mit der Verwaltung und mit den Politikern", riet Kohlbrenner. Denn letztendlich seien es die Stadträte, die Entscheidungen treffen, betonte Kohlbrenner.

Helmut Steinbach zeigte sich mit den Hinweisen, die er erhalten hatte, zufrieden. "Wir müssen jetzt von der Verwaltung einen Dialog einfordern, den es bisher nicht gegeben hat. Und wir brauchen einen Mediator", steht für ihn fest.

Die Gesprächsrunde ist der Auftakt zu einem neuen Veranstaltungsformat gewesen, das die Bürgerstiftung unter dem Namen "Impulse für Chemnitz" künftig regelmäßig anbieten will.

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