Freie Schule will großflächigen Campus in Adorf bauen

Neben dem Stadion sind Unterrichtsgebäude, eine Turnhalle und ein Internat vorgesehen. Auch Tiere sollen auf dem Gelände ein Zuhause finden.

Adorf/Neukirchen.

Ein Schulareal mit fünf geschwungenen Gebäuden für den Schulbetrieb, Internat, großer und kleiner Reithalle, Stall, Turnhalle und Theater soll ab 2020 am Birkenwaldstadion in Adorf entstehen. Bei der jüngsten Neukirchener Gemeinderatssitzung wurde das von einem tschechischen Architekten konzipierte Projekt vorgestellt und die Aufstellung eines Bebauungsplanes befürwortet.

"Hier soll ein Campus entstehen", umreißt Bürgermeister Sascha Thamm (Freie Wähler) das Vorhaben der Gruuna-Schule Chemnitz. Dabei geht es laut Aussage des Trägers um eine bundesweit einmalige Schulform für Legastheniker, also für Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibstörung. Der Betrieb der Freien Waldorfschule, die den Status einer anerkannten Ersatzschule hat, wurde mit einer ersten und einer fünften Klasse bereits an der Saydaer Straße im Chemnitzer Stadtteil Bernsdorf aufgenommen. Doch das ist laut Katja Hentschel, Assistentin der Gruuna-Geschäftsführung, nur eine Übergangslösung. "Die Idee einer ganzheitlichen Schule in Verbindung mit der Arbeit mit Pferden kann am Standort Neukirchen/Adorf aufgrund der großen wunderbaren Flächen für Schulgebäude, Schulgarten und Pferde, sehr guter Verkehrsanbindung sowie der unmittelbaren Nähe zu Chemnitz perfekt umgesetzt werden." Thamm hält das Vorhaben des Trägers für sehr ambitioniert. "Ich weiß gar nicht, wie wir dazu kommen", bekennt der Bürgermeister.

Vorgelegt wurde das Konzept in seiner maximale Ausbaustufe, die gestaffelt über mehrere Jahre angegangen werden soll. Nach Erstellung des Bebauungsplanes im Jahr 2019 könnten die ersten Gebäude ab 2020 errichtet werden. Thamm betont, dass Beeinträchtigungen des benachbarten Wohngebietes am Gärtnerweg weitgehend ausgeschlossen werden sollen. Zum einen sollen die eingeschossigen Bauten mit Gründächern versehen werden, sodass man statt aufs Feld eben auf grüne Dächer schaut. Zum anderen sind Reitställe und Stall in größtmöglicher Entfernung zur Wohnbebauung geplant.

Die unmittelbare Nachbarschaft zum Birkenwaldstadion soll für beide Seiten Vorteile bringen. Einerseits hat die Gruuna-Schule bereits angefragt, ob das Birkenwaldstadion für Leichtathletik genutzt werden kann, denn perspektivisch sollen Kinder von der 1. bis zur 13.Klasse hier unterrichtet werden. Im Gegenzug stellt der Träger örtlichen Vereinen schon jetzt die Nutzung seiner Turnhalle in den Abendstunden und an Wochenenden in Aussicht.

Fast wäre auf einer angrenzenden Fläche, auf der anderen Seite der Bahnlinie Chemnitz-Stollberg, die neue staatliche Grundschule gebaut worden. Doch weil die Landesdirektion die Pläne unter anderem mit Verweis auf Hochwassergefahr ablehnte, schwenkte die Gemeinde auf eine Fläche an der Stollberger Straße um. Dieses Mal haben laut Thamm bereits im Vorfeld Gespräche mit der Landesdirektion stattgefunden. Dabei habe es positive Signale gegeben, unter anderem weil sich der Schulcampus an die bestehende Bebauung anschmiegen würde.

Das Lernkonzept wird an die ungewöhnlichen Fähigkeiten der Zielgruppe angepasst, wie der Bürgermeister erläutert: "Legastheniker haben ein ausgeprägtes räumliches Sehvermögen, sie sehen die Buchstaben quasi dreidimensional." Das Lesen von Buchstaben falle ihnen schwer. Bei chinesischen Schriftzeichen sei das anders. "Die Kinder an der Gruuna-Schule lernen deshalb von klein auf Chinesisch als weitere Fremdsprache", erklärt Thamm.

Die Gemeinderäte nahmen das Projekt positiv auf. "Ich bin relativ sprachlos", bekannte Gemeinderat Jürgen Beyer (Freie Wähler). "Durchaus interessant", meinte Michael Nowack (CDU). "Das Einzige, wovor ich Angst hätte, ist, dass einer anfängt, drei Häuser hinbaut und der Rest ist dann irgendwann Bauruine", warf Robert Gränitz (Freie Wähler) ein. Aber dieses Risiko bestehe bei jedem privaten Bauvorhaben. Letztlich sahen es fast alle wie Jens Heino Beckert (parteilos): "Das ist eine große Geschichte für Neukirchen und Adorf. Das ist einfach der Hammer."

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare
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  • 1
    2
    gerente
    08.11.2018

    na da haben sich ja schon mal die anonymen Meinungsbildner postitioniert. Vielleicht ohne wirklich zu wissen warum. Wir betreiben auch eine Firma in China, die für Mercedes Teile an das chinesische Werk liefert, damit die Chinesen unsere deutschen Autos kaufen können. Das Geld was wir dort verdienen wollen wir Adorf investieren und wir freuen uns über die Gruuna Schule und mit der Gruuna Schule über das enorme Engagement. Wir wünschen Euch alles Gute, Durchhaltevermögen, solvente Sponsoren, gute Bauplaner und gute Handwerker. Macht das Erzgebirge wertvoll, wir drücken Euch die Daumen.

    Sonnenloft Adorf



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