Freitagsproteste sorgen für Händlerfrust

Geschäftsinhaber beklagen wegen der wöchentlichen Demonstrationen von Pro Chemnitz ausbleibende Kundschaft und Umsatzrückgänge. Die Bürgerbewegung ihrerseits hat bereits jetzt weitere Kundgebungen angemeldet - bis Sommer nächsten Jahres.

Ein zeitiger Dienstschluss am Freitag, in manchen Branchen schon am frühen Nachmittag, kommt Einzelhändlern und Gastronomen normalerweise gut zu pass. Kunden haben Zeit, kommen auch aus dem Umland in die Chemnitzer Innenstadt. Doch nicht so in den zurückliegenden Wochen. Gestern, wie jeden Freitag seit Ende August, versammelten sich laut Veranstalter etwa 1000 Anhänger von Pro Chemnitz am Marx-Kopf zu einer Kundgebung. Nach rund einer Stunde zogen die Demonstranten dann begleitet von Polizei über den Innenstadtring.

Dass das Kunden abschreckt, spüren Händler und Gastronomen. "Freitags kommen ab dem Nachmittag definitiv weniger Kunden", sagt Peggy Münch, Mitarbeiterin im Bekleidungsgeschäft Kult-Design-Unikate an der Theaterstraße. Dabei sei der Freitag sonst immer gut frequentiert gewesen, so Münch. Ebenso schätzt Jens Schmidt, Mitarbeiter bei Eastside Sportmüller, schräg gegenüber auf der Innenstadtseite der Theaterstraße, die Lage ein. "Ab 17 Uhr ist keiner mehr in der Stadt", sagt er. Bis dahin herrsche Begängnis, danach seien auch die Kneipen leer. Außerdem habe er nach Ladenschluss Probleme, heim zu kommen, denn während die Demo läuft, komme er nicht aus dem Geschäft.

Ebenso sieht es auch an der Webergasse, am Düsseldorfer Platz aus. "Am vergangenen Freitag hätten wir beispielsweise um 17 Uhr zumachen können", berichtet Cornelia Seidel, Inhaberin des Steko-Spielhauses. Dadurch, dass die Stadt regelmäßig abgeriegelt sei, vergehe selbst jenen, die noch versuchen, beim Einzelhändler und nicht im Internet einzukaufen, die Lust. Sie spricht von einem Umsatzeinbruch. Die Organisatoren und Teilnehmer der Demo würden nicht darüber nachdenken, dass sie dem Handel schaden. Sie habe die Entwicklung in Dresden mitverfolgt, wo Pegida dem Einzelhandel geschadet habe. "Jetzt haben wir das hier", sagt sie.

Auch in der Galerie Roter Turm, dem größten innerstädtischen Einkaufszentrum, sind die Auswirkungen des allwöchentlichen Demonstrationsgeschehens spürbar - "wenn auch nicht so schlimm, wie bei anderen Einzelhändlern", sagt Centermanager Jörg Knöfel.

Doch auch das andere Bild gibt es. "Die Demos sind für uns eher positiv", sagt Nathalie Wendler, Mitarbeiterin im Café Auszeit an der Theaterstraße. Ein Grund sei vielleicht, dass das Café am Rande der Innenstadt liegt, vermutet sie. Das Café ist bis 17 Uhr geöffnet und freitags laufe es gut.

Miko Runkel, als Bürgermeister für Recht, Sicherheit und Ordnung von Amts wegen zuständig für die Genehmigung von Demonstrationen, bestätigt auf "Freie Presse"-Anfrage die Sorgen und Nöte von Geschäftsinhabern und Gastronomen. Er sei von Vertretern aus der Innenstadt angesprochen worden, so Runkel. "Wegen der Demonstrationen jeden Freitag sind die Straßen in der Innenstadt mehrere Stunden lang blockiert, da kommen natürlich weniger Kunden", sagt er. Die Folge für die Einzelhändler seien Umsatzeinbußen. "Leute, die sich Pro Chemnitz nennen, schaden damit der Entwicklung in der Innenstadt", sagt der Bürgermeister. Er habe den Kundgebungs-Organisatoren einen anderen Wochentag vorgeschlagen, doch darauf sei nicht eingegangen worden.

Bei Pro Chemnitz heißt es hingegen, man sei für die allwöchentliche Demonstration nur auf den Freitag ausgewichen, "da uns der Montag von der CWE weggenommen wurde". Die CWE - Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft - hatte in der Tat nach den Ereignissen von Ende August die Montagstermine für vier Wochen am Marx-Monument an der Brückenstraße besetzt, um dort jeweils Freiluft-Konzerte abzuhalten. Zwei fanden auch statt; das erste mit Kraftklub und den Toten Hosen war wegen des großen Andrangs auf den Parkplatz an der Johanniskirche verlegt worden. Bei Pro Chemnitz heißt es nun, um zu verhindern, dass mit dem Freitag ähnliches passiere wie mit dem Montag, habe man vorsorglich weitere Demonstrationen in der Innenstadt angekündigt - und zwar Woche für Woche bis Juni 2019. (mit bj)

Bewertung des Artikels: Ø 3.1 Sterne bei 7 Bewertungen
30Kommentare
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  • 5
    3
    DTRFC2005
    15.10.2018

    @ArndtBremen: Es tut mir leid, ich schrieb vom Handy aus. Also noch einmal am PC, nur für Sie eine Wiederholung in korrekter Form. - Nun bin ich mal gespannt, ob Sie mir erklären können, wo in meinem Einstellungskommentar, ich Ihre besagte Behauptung, ich würde die Aushebelung des GG fordern und die Versammlungsfreiheit verbieten, geschrieben habe soll ? - . Also zu gut deutsch, wo genau habe ich das konkret geschrieben.

  • 6
    2
    dwt
    15.10.2018

    Nein, ärgern tue ich mich nicht. Dafür gibt's doch auch keinen Grund für.;
    Und Beleidigend empfinde ich meine Worte auch nicht. Punkt.

  • 5
    8
    ArndtBremen
    15.10.2018

    @dwt: ärgern Sie sich ruhig, aber lassen Sie Ihre Beleidigungen sein. Von 0 auf 10% ist ein ganz deutlicher Sieg.

  • 6
    7
    Hinterfragt
    15.10.2018

    …@damenwt,
    Es ist ein Erfolg, denn die AfD ist im Parlament mit derzeit 10,2%
    Besser finde ich, dass die Linke die NICHTWAHL als Erfolg verzeichnet ...

  • 8
    7
    dwt
    14.10.2018

    @arndt..
    Die Wahl in Bayern für die afd als Erfolg zu bezeichnen, zeigt wie viel Gehirnmanipulation vorhanden ist.
    90% der Wähler haben nicht für die afd gestimmt. Das nenne ich einen Erfolg.

  • 10
    11
    franzudo2013
    14.10.2018

    Lasst doch die Leute demonstrieren. Im Gegensatz zur Berliner Demo der Alimentierten demonstrieren in Chemnitz Menschen, die etwas für die Meinungsfreiheit riskieren.
    Sie verdienen jeden Respekt.
    In Berlin wird das Geld ausgegeben, welches in anderen Bundesländern verdient wird. Das konnten die Berliner schon immer gut.

  • 6
    5
    DTRFC2005
    14.10.2018

    @cn3boj00:Da gebe ich Ihnen absolut Recht.Wir gehen auch Freitags immer noch gerne in die Stadt.Was vorm Marx Kopf ab 17 Uhr los ist, interessiert uns da gar nicht, aber es gibt ja Menschen, die sich verständlicherweise unwohl fühlen.Hier darf das Wohl aller, nicht über das einzelner stehen, die sich für den Nabel der Welt halten.

  • 6
    13
    ArndtBremen
    14.10.2018

    @DTRFC: Ihre Satzstellung irritiert mich. Aber lesen Sie Ihre Schreiberei selbst nochmal, dann finden Sie Antworten. Übrigens ist die AfD gerade zweistellig in den bayrischen Landtag eingezogen. Ich nehme Ihre Glückwünsche gerne entgegen. Ein Abend für Siegertypen. Für Sie dann eher nicht.

  • 6
    4
    DTRFC2005
    14.10.2018

    @ArndtBremen:Nun bin ich Mal gespannt, ob Sie mir erklären können, wo ich Ihre besagte Behauptung , ich würde die Aushebelung des GG fordern und die Versammlungsfreiheit verbieten wollen?

  • 12
    7
    cn3boj00
    14.10.2018

    @Arndt Sie gehen mir auch auf den Zeiger, weil Sie inhaltlich nichts beizutragen haben. Glauben Sie ernstlich, dass dass Sie durch diese peinlichen Auftritte von ein paar Berufsdemonstarnten und ein paar propagandageblendeten irgendwen erreichen können? 99% der Chemnitzer machen einen Bogen, und Sie finden das großartig? Das ist an Selbstüberschätzung kaum noch zu überbieten.
    Aber in einem haben Sie recht: wir sollten uns Chemnitz nicht von ein paar Idioten wegnehmen lassen. Einfach trotzdem in die Stadt gehen, über diese Einfältigen milde lächeln, das wäre wohl die beste Lösung.

  • 9
    6
    SimpleMan
    14.10.2018

    @franzudo2013 " ... sollten sich mal befragen, wie sich ihr Verhalten und die Besuchsfrequenz des Zentrums geändert hat. ..." Für mich kann ich sagen, dass ich Freitags die Innenstadt zwischen 17 Uhr und 21 Uhr meide und falls ich mit Auto unterwegs bin, überlege ich, wie ich am besten von A nach B komme, ohne auf eine Straßensperrung zu treffen. Es nervt und eine Kundgebung an einem festen Ort ist völlig ausreichend um dem Demonstrationsrecht nachzukommen.

  • 11
    4
    SimpleMan
    14.10.2018

    @ArndtBremen Ich würde mal so sagen, Demonstranten, die hinter Leuten hinterher rennen, die den Anschluss Sachsens an die Visegrád - Staaten fordern, werden vermutlich einfach nicht ernst genommen.

  • 7
    15
    ArndtBremen
    14.10.2018

    Blackadder ist noch da. Sie sehen Ihre Felle davon schwimmen. Kein Inhalt und kein Biss mehr in Ihren Kommentaren. Einfallslose Zahlenhascherei. Was ist los? Die Antifa hat auch schon aufgegeben. Nun Sie?

  • 10
    7
    Blackadder
    14.10.2018

    "Alle"? Wohl kaum.

  • 5
    7
    Interessierte
    14.10.2018

    Warum rennen denn dieser ´Bürgerbewegung` alle hinterher ???
    Und was kostet denn dieses ständig erforderliche Polzeiaufgebot ???

  • 12
    8
    Blackadder
    14.10.2018

    @ ArndtBremen: Großartige Demonstrationen? Mit 1000 Mann? In Berlin gestern mi einer viertel Million Menschen - DAS war eine großartige Demonstration.

  • 6
    15
    ArndtBremen
    14.10.2018

    @cn3..: Den Leuten auf den Zeiger gehen? Genau das ist doch das Ziel dieser großartigen Demonstrationen. Wenn wir Ihnen auf den Zeiger gehen, dann haben wir unser Ziel doch erreicht. Also weitermachen, bis sich noch mehr "Zeiger" angesprochen fühlen.

  • 6
    15
    ArndtBremen
    14.10.2018

    @DTRFC2005: Sie fordern die Aushebelung des Grundgesetzes und wollen die Versammlungsfreiheit verbieten? Damit das nicht passiert, gehen friedliche Menschen Freitags auf die Straße.

  • 11
    7
    Hankman
    13.10.2018

    @DTRFC2005: Mit Ihrer Vermutung bezüglich der Wahl werden Sie wohl Recht haben. Und, ja, es gibt tatsächlich Möglichkeiten, die Demo an einen anderen Ort zu verlegen. Die Innenstadt ist groß genug, zudem gibt es reichlich Gewerbegebiete, in die man zum Demonstrieren ausweichen könnte (es wäre beileibe nicht die erste Demo, die an so einen Ort verlegt würde). Da wäre genug Platz, man könnte seine Meinung frei äußern, wer zuschauen will, geht dorthin - und die Innenstadt wäre für alle normal zugänglich. Allerdings möchte ich nicht den Aufschrei hören, wenn die Stadt tatsächlich so etwas vorschlägt. Zeter! Mordio!

  • 12
    8
    cn3boj00
    13.10.2018

    Lieber Arndt, Sie können sich wohl nicht vorstellen, dass es Leute gibt denen das einfach auf den Zeiger geht? Ich sag jetzt mal nicht, dass mir die Meute Angst macht, denn mir machen auch keine "Kopftuchmädchen" Angst, aber schon die Polizei und die ganze Atmosphäre ist nun nicht gerade einladend. Man kann es nicht verbieten, wenn ein paar ... (jeder mag die Leute da nennen wie er will) meinen, auf diese Art Chemnitz vor wovor auch auch immer zu retten, aber man kann einfach einen sehr großen Bogen machen um die Chemnitzer Innenstadt und die dort verbreitete miese Stimmung.

  • 7
    6
    994374
    13.10.2018

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Am Abend ist in der Innenstadt sowieso nicht viel los (bis dann die Partygänger den Heimweg antreten).
    Während der Demo-Zeit habe ich schon mehrfach sehen können, wie man auch im Stadthallenpark in aller Ruhe dem "business as usual" nachgeht.

  • 4
    8
    CPärchen
    13.10.2018

    @Deluxe:
    Von meiner Seite aus: Ja!

    Ich brauche auch nicht jeden Freitag zu hören, wie schön es ist, bunt zu sein. Die sollen dafür von mir aus den Brühl nutzen und mich in Ruhe lassen

  • 6
    13
    franzudo2013
    13.10.2018

    Die Innenstadt leidet sicher nicht an den Demonstrationen. Die Menschen stimmen mit den Füßen ab. Wer will schon am Geldautomat erstochen werden.
    Diejenigen, welche die Demos missbilligen, sollten sich mal befragen, wie sich ihr Verhalten und die Besuchsfrequenz des Zentrums geändert hat.

  • 21
    13
    DTRFC2005
    13.10.2018

    Klar das Pro Chemnitz bis nächstes Jahr einmal wöchentlich die Stadt zu blockieren versucht.Man muss sich bis zur Wahl ja in Erinnerung halten.Herr Runkel darf hier gern Mal mit der juristischen Faust auf den Tisch schlagen.Es gibt in Chemnitz bestimmt einen Flecken, der für eine Demo als Ausweichpunkt ausreicht .Das Demonstrationsrecht wird ja wohl nicht an einem bestimmten Ort gebunden sein.

  • 14
    21
    thomboy
    13.10.2018

    Daran sind aber wohl weniger die daran schuld die Freitags demonstrieren gehen.

  • 19
    19
    Deluxe
    13.10.2018

    Ich habe dazu nur eine einzige Frage:

    Wäre der Aufschrei der Einzelhändler genau so groß und wäre das mediale Echo dieses Aufschreis ähnlich laut zu hören, wenn es sich nicht um eine Demonstration von Pro Chemnitz handeln würde, sondern vielleicht von Pro Asyl oder ähnlichem?????

  • 11
    19
    ArndtBremen
    13.10.2018

    Herr oder Frau Distelblüte: wer hat Sie denn daran gehindert? Aber bitte konkret antworten.

  • 23
    14
    Hankman
    13.10.2018

    Pro Chemnitz wird zu Anti Chemnitz. Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Insofern scheue ich mich ein wenig, den Veranstalter zu kritisieren. Aber auch mir geht das freitägliche Demonstrieren langsam auf den Zeiger, zumal das seit Wochen so geht, eigentlich alles gesagt ist, nichts Neues mehr zu hören und auch die Zahl der Demonstranten deutlich zurückgegangen ist. Es sollte doch genügen, wenn sich Pro Chemnitz ein- oder zweimal im Monat in Erinnerung bringt und vielleicht auch wieder auf den traditionellen Demo-Montag ausweicht (sofern da die Teilnehmer nicht schon ausgebucht sind, weil sie vielleicht in Dresden bei Pegida mitlaufen). Alternativ könnte man es zumindest jede zweite Woche bei einer Kundgebung belassen statt immer das Ritual Kundgebung-Demo-Kundgebung zu zelebrieren. Eine stationäre Kundgebung blockiert nicht so viele Straßen wie eine Demo, und man kann sich besser in Rage reden. Also vielleicht findet sich eine Lösung pro Chemnitzer Innenstadt.

  • 24
    16
    Distelblüte
    13.10.2018

    Super gemacht, Pro Chemnitz! Genau das braucht die Innenstadt! Wer will schon Freitag abends in Ruhe durch Chemnitz bummeln oder sogar internationale Küche genießen...

  • 11
    12
    CPärchen
    13.10.2018

    Hmm... und ein Ausweichen auf einen anderen Tag kommt für Pro-C nicht in Frage? Klar, das Demonstrationsrecht gilt auch am Freitag, aber wöchentlich und dann noch in der Innenstadt, die eh zu wenig anzieht (ist auch teils kommunal verschuldet).
    Vielleicht findet man ja eine Lösung ab Juli 2019.



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