Freude über neuen Kindergarten getrübt

In Mühlau ist mit vier Jahren Verspätung eine Kita mit 120 Plätzen eröffnet worden. Eine Mutter erzählt, warum ihr nicht zum Feiern zumute ist.

Mühlau.

Heimlich, still und leise ist die neue Kindereinrichtung mit 120 Plätzen in Mühlau eröffnet worden. Für 3,2 Millionen Euro hat die Gemeinde eine moderne Einrichtung bauen lassen. Aufgrund gestiegener Baupreise, Vergabebeschwerden, Baustopps und Planungsänderungen hatten sich die Bauarbeiten immer wieder verzögert und die Kosten verteuert. "Deshalb haben wir in aller Stille eröffnet", sagt Bürgermeister Frank Petermann (Alternative für Mühlau).

Eigentlich war ein Tag der offenen Tür im September geplant. Aber Restarbeiten seien notwendig gewesen, die Betriebserlaubnis lag noch nicht vor. "Aber das holen wir nach", versprach Petermann zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Umzug sei vorige Woche problemlos über die Bühne gegangen. Die Belegschaft habe toll mitgemacht, lobte er. Auch das morgendliche Chaos durch parkende Autos der Eltern sei ausgeblieben, fügte er hinzu. Die Gemeinde hatte mehrere Kurzzeitparkplätze mit Dauer von 30 Minuten vor der Kita und neben dem Feuerwehrgerätehaus angebracht.

Befragte Eltern wollen anonym bleiben, weil sie Nachteile für ihre Kinder befürchten. So wie Kerstin Lange *, die sich an die "Freie Presse" gewandt hat. "Ich habe erst aus der Zeitung erfahren, wann der Umzug und die Einrichtung deshalb geschlossen ist", sagt sie. Die Kita-Leitung habe erst kurz vor Eröffnung am 4. Oktober über Aushänge informiert. Bis zuletzt habe sie nicht gewusst, ob an diesem Tag die neue Kita tatsächlich öffnet. "Wir sind natürlich wahnsinnig erleichtert und glücklich, dass die Kita fertig ist", sagt sie im Namen vieler Eltern. Die Kinder hätten den turbulenten Umzug gut überstanden und fühlten sich in der modernen Einrichtung sehr wohl, ergänzt sie. "Doch ich vermisse mal eine generelle Information." Am ersten Tag hätte ein Chaos geherrscht: "Wir sahen zum ersten Mal die Kita von innen", erzählt sie. Für eine Mutter mit einem Kind auf dem Arm, dem anderen an der Hand und zwei große Taschen mit den neuen Garderobensachen sei das nicht einfach gewesen. "Wo befindet sich eigentlich die Eingangstür?", fragte sich Kerstin Lange. Die Kinder seien verschüchtert und ängstlich gewesen, als sie "ihre" neuen Räume erstmals betraten. "Wenn man Glück hatte, ergatterte man eine Erzieherin, die nicht gerade von fragenden Eltern umzingelt war", sagt Lange. Absolut verschwitzt und mit vielen neuen Eindrücken habe sie das Gebäude verlassen, "und das knisternd", berichtet die Mutter. Denn die Füße zierten zwei blaue Überzieher für die Schuhe. "Auch neu, vermutlich der Sauberkeit wegen", sagt Lange. "Und was ist mit den Händen?", fragt sie sich. Für einen Desinfektionsspender habe wahrscheinlich das Geld gefehlt, meint sie. Die folgenden Tage seien für sie problemlos verlaufen, erzählt die Mutter. Doch sie vermisse auch eine Woche nach der Eröffnung weiterreichende Informationen zum Kita-Alltag und dem Gebäude. "Trotzdem wollen wir nicht meckern", fügt sie hinzu. Sie sei stolz, dass Mühlau jetzt ein positives Aushängeschild habe.

Sechs Jahre lang mussten Kinder, Eltern und Erzieher auf die Fertigstellung warten. 2012 hatten die Planungen im Bauamt begonnen. Die Verzögerungen beliefen sich zuletzt auf vier Jahre. Bisher waren die Kinder in einer ehemaligen Villa im Unterdorf untergebracht. Das alte Gebäude war ausgelegt für 78 Plätze. Dort sollen noch Spielgeräte abgebaut und auf umliegende Spielplätze verteilt werden. Für die künftige Nutzung gebe es noch kein Konzept, sagt Bürgermeister Petermann. In der neuen Einrichtung sind es 50 Plätze für Kinder im Krippenalter und 70 für die größeren. Kita-Leiterin Undine Genschorek will sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern. "Die schlechten Schlagzeilen über Mühlau gefallen mir nicht", meint sie. Der Bürgermeister sagt auf Nachfrage, dass ab 18. Oktober für vier Wochen an jedem Donnerstag von 17 bis 18 Uhr die Kita für die Bevölkerung zur Besichtigung offen stehe. Erzieher stünden für Fragen bereit. Im Gemeinderat wurde vorgeschlagen, einen Tag der offenen Tür zum Kindertag am 1. Juni 2019 zu organisieren.

* Name von der Redaktion geändert.

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