Friseure kommen Schließpflicht zuvor

Erst kündigten einige Saloninhaber an, ihre Geschäfte dicht zu machen. Dann schaltete sich die Staatsregierung ein. Die Innung kam derweil mit Meldungen nicht nach.

Am Freitagnachmittag machte André Bernert den Schnitt: Der Inhaber von fünf Friseursalons, alle in großen Chemnitzer Einkaufszentren eingemietet, schloss seine Geschäfte. Damit kam er einer Verordnung der Staatsregierung zuvor.

Am Mittag noch begründete Bernert seine Entscheidung so: "Die Sicherheit für unsere Kunden und natürlich auch für mein Team steht an oberster Stelle." Kurz nach 16 Uhr sendete das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt dann eine neue Verordnung: Die Allgemeinverfügung vom 18. März würde weiter verschärft. Zu den Geschäften und Einrichtungen, die jetzt geschlossen werden müssten, gehören auch Friseure. Warum die Salons von den Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung, also der Schließung, bisher ausgenommen waren, hatte Bernert von Anfang an nicht richtig verstanden. "Das Ansteckungsrisiko ist trotz aller Hygienemaßnahmen sehr groß", schätzte er ein. Zudem seien zuletzt gerade in den Centern kaum noch Kunden gekommen. Bernerts Beispiel war am Freitag vor der Mitteilung aus dem Sozialministerium auch schon Anna-Katharina Götz gefolgt. "Wir machen ab Montag dicht. Gesundheit geht vor. Jetzt sind Geld und Umsatz nicht alles. Wir freuen uns aber auf Terminvereinbarungen ab Ende April wieder."

Von der Nachricht aus dem Ministerium zeigten sich derweil die Betreiberinnen des Salons gegenüber dem Stadtbad überrascht. In einem Interview hatten sie gerade noch betont, dass sie es unverständlich finden, dass die Administration beispielsweise der Handwerkskammer den öffentlichen Besucherverkehr einstelle, sie ihre Mitarbeiter aber der Ansteckungsgefahr aussetzen müssten. Ohne staatlichen Beschluss wollten sie den Betrieb aber vorzeitig nicht einstellen.

Jörn Lüdecke, Chef der Friseur- und Kosmetikerinnung Chemnitz, kam am gestrigen Freitag mit dem Formulieren von Meldungen an seine Kollegen nicht nach. Er konnte die Verordnung zur Schließung zunächst nicht glauben. "Erst heute Nachmittag hatte ich doch vom Sozialministerium die Nachricht erhalten, Salons dürften geöffnet bleiben. Nun kommt doch wieder alles anders", sagte er. Er müsse die Innungsbetriebe nun von der aktuellen Situation in Kenntnis setzen. "Dabei schneide ich selbst gerade einer Kundin die Haare."

Grundsätzlich begrüßte Lüdecke allerdings die neueste Verordnung aus dem Ministerium. "Am wichtigsten ist jetzt, dass es für die Friseurinnen und Friseure nun Gewissheit gibt", so der Innungschef. "Das Durcheinander ist dabei der Krise geschuldet."


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