Früherer Chef der Heimgesellschaft sucht jetzt in Asien nach Fachkräften

Längst im Ruhestand, hat der ehemalige Geschäftsführer eine neue Firma gegründet. Beauftragt wird er von Unternehmen der Region, um gezielt Personal zu finden.

Er ist 28 Jahre lang Geschäftsführer der gemeinnützigen Pflegeheim-Gesellschaft gewesen. Als Rentner wollte er aber keinen Ruhestand. Und er wusste aus aktiven Zeiten, wie schwer es ist, Personal zu finden. Jetzt hat Karl-Friedrich Schmerer ein Unternehmen gegründet, das Fachkräfte aus dem Ausland in die Region holt. Gebraucht werden Mitarbeiter nach seiner Aussage nicht nur in der Pflegebranche, sondern auch in der Gastronomie und Hotellerie sowie im verarbeitenden Gewerbe.

Duc Duy Minh Tang ist 26 Jahre alt und stammt aus Vietnam. Weil er in seiner asiatischen Heimat kaum Chancen auf berufliche Entwicklung sah, wollte er in Deutschland Elektrotechnik studieren. Dann lernte er den Unternehmer Schmerer und dessen neues Projekt kennen. Von ihm ließ er sich überzeugen, nicht zu studieren, sondern eine Berufsausbildung zu beginnen - und zwar in einer Chemnitzer Firma. Duc Duy Minh Tang erlernt nun im Betrieb Elektro Vieweg den Beruf als Elektroniker in der Energie- und Gebäudetechnik. Die ersten Wochen verbrachte der Vietnamese in der Berufsschule. In dieser Woche schaute er sich erstmals im Unternehmen am Chemnitzer Stadtrand um. "Ich hoffe, dass ich hier meine Zukunft verbringen kann", sagte er bei seinem Firmenbesuch.

Das Elektro-Unternehmen hat mehr als 120 Mitarbeiter im gesamten Bundesgebiet im Einsatz. Etwa 30 davon durchlaufen derzeit eine Ausbildung. "Wir lassen kaum eine Möglichkeit aus, um Nachwuchs zu gewinnen", sagt Geschäftsführer Martin Vieweg. "Wir besuchen Schulen und Ausbildungsmessen. Und wir scheuen uns nicht, unser Team international aufzustellen." Denn dadurch gebe er nicht nur Menschen aus anderen Ländern eine Chance auf eine gesicherte Zukunft. Davon würden auch die aus Deutschland stammenden Kollegen profitieren. "In der Mittagspause tauschen sich die Mitarbeiter über ihre Herkunft und ihre Lebensumstände aus. Das erdet nicht nur, sondern öffnet auch andere Sichtweisen auf das eigene Auskommen", weiß Vieweg-Ausbildungsleiter Michael Schulz. Das Unternehmen habe zwar genügend Nachwuchs, aber eben nur, weil es über den Tellerrand hinausschaue. "Unter anderem, um Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen", sagt Vieweg.

Genau da setzt das im Juni von Schmerer gegründete Unternehmen an. Mit der Gesellschaft "Bildung und Arbeit ohne Grenzen" akquiriert er Arbeitskräfte für den Markt in der Region. Die Aufträge erhält er von Firmen, die seinen Aufwand im Ausland finanzieren, so der 71-Jährige. Er selbst arbeitet unter anderem mit Instituten und Kollegs in Vietnam zusammen, wo junge Leute Deutsch lernen. Unterstützung erhalte er zudem von seinen zwei Mitarbeiterinnen aus Vietnam beziehungsweise von den Philippinen. Die wüssten, so Schmerer, wo in deren Ländern Ansprechpartner für fleißigen Nachwuchs sitzen. Sie helfen den Neu-Chemnitzern auch, den Alltag zu bewältigen. Meist wohnen sie in kleinen Wohnungen oder Wohngemeinschaften der CAWG und GGG, mit denen Schmerer ebenfalls zusammenarbeite. Er sagt: "Zu viel wurde bisher über die prekäre Situation des Fachkräfte- und Ausbildungsmarktes in der Region nur geredet." Seine Firma habe in den ersten Monaten 28 Auszubildende in die Region vermittelt. Sie würden nun unter anderem als Köche, Servicekräfte in Restaurants, Pflegekräfte oder eben als Auszubildende im Handwerk arbeiten.

Neu ist die Idee, Fachkräfte aus dem Ausland für den deutschen Markt zu generieren, indes nicht. Bereits 2014 reisten Vertreter der medizinischen Berufsfachschule Medi-Campus nach Vietnam. Die Einrichtung arbeitet unter dem Dach der gemeinnützigen Gesellschaft für Fortbildung und Umschulung Sachsen. Schulleiterin Simone Pitsch: "Wir besuchten Konsulate, Botschaften und Kollegs in Nord-, Zentral- und Südvietnam, um zuverlässige Nachwuchskräfte für Südwestsachsen begeistern zu können." Mehr als 180junge Menschen seien dem Aufruf bereits gefolgt. "Insgesamt 36sächsisch-vietnamesische Fachkräfte sichern inzwischen ausgelernt unseren Pflegebedarf in Chemnitz und Umgebung mit ab", so Pitsch. Alle hätten bereits in Vietnam einen Deutschkurs absolviert, der die sprachlichen Voraussetzungen für eine Ausbildung in Deutschland erfülle. Auch unter den 40 Auszubildenden der Heim-Gesellschaft, deren Chef Schmerer bis 2017 war, kommt fast die Hälfte aus dem Ausland: aus Pakistan, Indonesien, Georgien, Tadschikistan und Syrien.

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