Funkmast in Grundschulnähe - Jetzt rudert die Stadt zurück

Auf den neuen Sendeturm in Borna wird eine Antenne nach der anderen montiert. Den Standort direkt an der Kindereinrichtung sieht selbst die Oberbürgermeisterin skeptisch. Dennoch sind die Betroffenen von ihr enttäuscht.

Elternvertreter, Kinder und Schulleiter haben an jenem Abend das Rathaus mit einem guten Gefühl verlassen. Zur Bürgersprechstunde hatten sie Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ein Schreiben mit annähernd 200 Unterschriften übergeben. Darin protestieren Anlieger, vor allem aber Eltern von Grundschülern, gegen den Sendemast, der direkt neben dem Schulgelände in Borna errichtet wurde. Ein Gesundheitsrisiko für die Kinder, das von der Strahlung der Funkantennen ausgehen könnte, ist nicht nachgewiesen. Dennoch fordern die Bornaer, den Standort aus Vorsorge zu wechseln. Die Rathauschefin habe Verständnis geäußert. "Sie hat den Bau bedauert und gesagt, dass es nicht hätte passieren dürfen", fasst Elternsprecherin Annett Meylan den Besuch bei Ludwig zusammen. Und sie habe den Eltern eine schriftliche Antwort zugesagt. Das war vor drei Wochen, am Nikolausabend.

Post haben die Bornaer inzwischen bekommen, aus dem Umweltamt. Darin steht die Auswertung der Messungen zwischen Juli und November - das Gerät stand auf dem Dach des Verbindungsbaus von Schule und Turnhalle. Die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte seien deutlich unterschritten. Außerdem sei der 100-Meter-Mindestabstand vom Schulgebäude zum Sendemast eingehalten. Dennoch stehe er keine zehn Meter vom Eingangstor zum Schulgelände entfernt, wo sich die Kinder häufig aufhalten, kritisiert hingegen Schulleiter Tilo Oeser.


Auf Anfrage der "Freien Presse" sieht das Umweltamt "keine Veranlassung zur Verlegung der Sendeanlage". Die Stadt schätzt den Standort an der Wittgensdorfer Straße vielmehr als geeignet ein. Sie hat ihn nach Angaben eines Telekom-Sprechers sogar selbst vorgeschlagen. Die Telekom war Bauherr des 33 Meter hohen Sendemastes, weitere Anbieter nutzen ihn inzwischen. Der Schulleiter hat vorige Woche mittlerweile acht Antennen gezählt. Eine davon zeige direkt auf die Schule. Die Forderung der Eltern, zumindest diese Ausrichtung zu ändern, sei bislang nicht erfüllt. "Wir hatten auch erwartet, dass nicht noch weitere Antennen nachgerüstet werden", sagt Meylan, die inzwischen von einer großen Enttäuschung spricht. Denn: Ab Januar soll mit UMTS eine weitere Mobilfunk-Antenne in Borna ans Netz gehen, kündigt das Umweltamt an. Dann will die Behörde erneut Messtechnik aufstellen.

Und wie ist die Aussage der Oberbürgermeisterin zur Riesen-Antenne vor der Schule zu werten? Der Bau von Sendemasten in der Umgebung von Schulen und Kindertageseinrichtungen bedürfe immer einer genauen Abwägung, antwortet ihre Pressestelle auf Anfrage. Und weiter: "Selbst wenn alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten sind, müssen wir für die Zukunft bei der Standortabwägung genauer prüfen und entscheiden." Eine konkrete Aussage, ob künftig grundsätzlich auf Funkantennen in Nähe von Kindereinrichtungen verzichtet wird, trifft das Rathaus nicht.

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