Galerie zeigt Warhol-Werke für hunderttausende Euro

Erst seit wenigen Monaten gibt es die Ausstellungsräume Ferdin-Art auf dem Sonnenberg. Jetzt werden dort Bilder des berühmten amerikanischen Pop-Art-Künstlers gezeigt. Ob sie einen Käufer finden?

Sonnenberg.

Es braucht kein großes Kunstverständnis, um den Namen Andy Warhol schon einmal gehört zu haben. Der 1987 verstorbene Künstler ist Mitbegründer und bedeutendster Vertreter der amerikanischen Pop-Art. Seine Bilder von Marilyn Monroe, Suppendosen und Mao sind weltweit bekannt, werden häufig ausgestellt und sind - logisch - teuer. Darum überraschte die Einladung zur Vernissage in der Galerie Ferdin-Art an der Hainstraße für Mittwochabend. Eine Ausstellung mit insgesamt zwölf Bildern von Warhol wurde dort eröffnet. Dabei gibt es die Galerie erst seit Dezember. Bisher wurden dort vor allem Arbeiten von Künstlern gezeigt, die in Chemnitz ansässig sind.

Dass man die Bilder des berühmten Amerikaners zeigen könne, liege an einer persönlichen Beziehung zur Galerie Rhomberg im österreichischen Innsbruck. Dahin haben zum einen der Inhaber der Galerie Ferdin-Art, ein Immobilieninvestor, und Ferdinand Szechenyi Kontakt. Szechenyi ist Österreicher, Künstler und lebt seit zweieinhalb Jahren in Chemnitz. Er fungiert gemeinsam mit Alexa Künsberg als Galerist. Die Innsbrucker seien überzeugt vom Standort Chemnitz, weil sie dort Interesse für Kunst sehen, sagt Künsberg. Also vertraute die Galerie den Chemnitzern die zwölf Bilder an. Zu sehen ist die Ausstellung nur bis zum 22. Mai, also bis nächsten Mittwoch. "Dann gehen die Bilder weiter zur nächsten Ausstellung", sagt Künsberg. Warhol ist eben begehrt. Außerdem eröffne man selbst am 23. Mai eine lange geplante Ausstellung mit dem Chemnitzer Künstler Osmar Osten, hat Warhol also dazwischengeschoben, so Szechenyi.

Sascha Aurich

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Unter den zwölf gezeigten Bildern sind vier, die besonders auffallen: Es sind die berühmten bunten Skulls, also Totenköpfe. Für Künsberg sind das auch die spannendsten Bilder. Es sei überraschend, den Künstler, der eher für triviale Sujets bekannt sei, von seiner tiefen Seite zu erleben. Die Totenschädel sind Symbole der Vergänglichkeit, ein Memento-mori-Motiv. Sie waren schon einmal in Chemnitz zu sehen, nämlich 2014 in den Kunstsammlungen. Zum ersten Mal in Europa wurden dort Arbeiten Warhols aus dem Zyklus "Death and Disaster", also Tod und Unglück, gezeigt. Zu sehen waren Siebdrucke mit einem elektrischen Stuhl, Fotos von Verkehrsunfällen, Rassenunruhen, Suiziden und eben jene bunten Totenschädel. Die Schau war einer der großen Würfe von Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen bis zum Frühjahr 2018. Darum kam man in der Galerie Ferdin-Art auch auf die Idee, sie zu bitten, die Rede zur Vernissage zu halten. Und siehe da, Mössinger habe sofort zugesagt, berichtet Alexa Künsberg.

Der "Freien Presse" hatte Mössinger 2014, nach der Warhol-Ausstellung, gesagt, diese sei bis dahin die anstrengendste in Chemnitz gewesen. Denn es sei enorm schwierig gewesen, die 61 Leihgaben zu bekommen, "wegen der Höchstpreise, die in letzter Zeit für Werke des Künstlers erzielt wurden", sagte sie. Das zeige, dass Warhol zu den begehrtesten Künstlern zähle und die Werke oft angefragt werden, so Mössinger damals.

Um so überraschender ist es, dass die Bilder, die nun auf dem Sonnenberg gezeigt werden, auch zum Verkauf stehen. Zu sehen sind Siebdrucke, Zeichnungen und Collagen, alles signierte Originale, zertifiziert von der Andy Warhol Foundation in New York. Die günstigsten Werke liegen im unteren fünfstelligen Bereich. Wer aber gern die vier bunten Schädel-Siebdrucke - es handelt sich um die Nummer 34 aus einer 50er-Serie - sein Eigen nennen will, muss eine sechsstellige Summe hinblättern, verrät Ferdinand Szechenyi.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai in der Galerie Ferdin-Art an der Hainstraße 49 zu sehen. Geöffnet ist täglich von 8 bis 22 Uhr, der Zugang erfolgt über das benachbarte Kaffeehaus Ferdinand.


Künstler, Filmemacher, Partygänger

Andy Warhol wurde 1928 als Andrej Warhola in Pittsburgh, Pennsylvania geboren. Er war Künstler, Filmemacher und Verleger. Der studierte Gebrauchsgrafiker verstand es, sich zu inszenieren, war auf allen Partys und tanzte in allen Clubs. Er ist Mitbegründer der Pop-Art und neben Roy Lichtenstein ihr wichtigster Vertreter. Nachdem ihn 1968 die Frauenrechtlerin Valerie Solanas mit mehreren Schüssen schwer verletzt hatte, zog er sich zurück, arbeitete aber wie am Fließband in seiner Factory in New York. Nach einer Routine-OP starb Warhol im Februar 1987 an Komplikationen infolge einer Penicillin-Unverträglichkeit. Seine 32 Bilder der Campbell's Dosen zählen zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts. 1996 kaufte das Museum of Modern Art sie für 15 Millionen Dollar. (jpe)

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