Gedenkstätte Hoheneck: Konzept für Ausstellung steht

Erste Details für den Erinnerungsort an das ehemalige Frauengefängnis sind bekannt geworden. Berücksichtigt wird auch ein großer Wunsch ehemaliger Insassen.

Stollberg.

Das Credo der künftigen Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg kristallisiert sich heraus: "Wir wollen Geschichte anhand von Biografien lebendig darstellen", sagt Objektleiterin Bianca Eichhorn. Ehemalige Häftlinge sowie Zeitzeugen sollen zu Wort kommen - explizit ist auch ehemaliges Gefängnispersonal vorgesehen. Dazu soll in Zusammenarbeit mit Historikern ein Zeitzeugenportal aufgebaut werden.

Drei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR gibt es im ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck noch immer keine inhaltlich fundierte Gedenkstätte. Immerhin ist der Komplex, in dem zu DDR-Zeiten mehr als 20.000 Frauen in der Regel aus politischen Gründen inhaftiert waren, weitgehend erhalten geblieben, sodass Zeitzeugen durch den früheren Zellentrakt führen können. Künftig wird dieses Angebot um eine Dauerausstellung auf rund 600 Quadratmetern ergänzt. Für die Einrichtung kalkuliert Stollberg mit Kosten in Höhe von rund einer Million Euro und hofft auf eine nahezu komplette Förderung. Untergebracht wird die Schau unterhalb des Theaterpädagogischen Zentrums, das im Westflügel entstehen wird.


Für den Umbau dieses Traktes und des Südflügels hat der Stadtrat kürzlich 1,7 Millionen Euro bewilligt. Weitere 25.000 Euro hat das Gremium für die Konzeption freigegeben, die nun von "Beier+Wellach" erarbeitet wird; das Unternehmen ist auch in den Aufbau einer Gedenkstätte im ehemaligen Kaßberggefängnis in Chemnitz involviert. "Die Konzeption ist wichtig, um Fördermittel zu bekommen", sagte Oberbürgermeister Marcel Schmidt im Stadtrat.

Ein großer Wunsch der ehemaligen Häftlinge ist ein Ort der Stille, wo Besucher ihren Gedanken nachgehen oder Kerzen aufgestellt werden können. Wo dieser Ort entstehen soll, wird noch geprüft. "Wir möchten möglichst das ganze Gelände bespielen", sagt Eichhorn. Das könne über Info-Stelen geschehen, die Hintergrund zu Gebäudeteilen oder besonderen Plätzen auf dem Areal liefern.

Für die präsentierten Inhalte strebt die Stadt die Zusammenarbeit mit Experten an, beispielsweise Mitarbeiter von Universitäten oder Forschungseinrichtungen sowie Fachleute aus Museen und Gedenkstätten. Diese Kooperation ist eine Forderung der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten für die Bewilligung von Fördermitteln. Hintergrund: Es gab bereits eine Konzeption, die ein Leipziger Unternehmen erarbeitet hatte. Diese erfüllt aber nicht die Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln. Sie wird deswegen nur noch als Vorkonzept betrachtet, das weiterentwickelt werden muss.

Die Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck wird eng mit anderen Einrichtungen zusammenarbeiten. Historische Verbindungen gibt es zum Kaßberggefängnis, aber auch nach Bautzen. "Dort haben viele Ehemänner von Hoheneckerinnen eingesessen", erklärt Eichhorn. Eine weitere Idee ist, den Weg von Häftlingen von der U-Haft in Dresden über Hoheneck und den Kaßberg nach Gießen in Zusammenarbeit mit den dortigen Gedenkstätten nachzuzeichnen.

Die Konzeption geht im Sommer den Weg durch die Landes- und Bundesinstanzen. Vor Ende 2021, Anfang 2022 ist nicht mit einer Eröffnung der Gedenkstätte zu rechnen. "Ich habe volle Zuversicht und bin glücklich, dass die Umsetzung Formen angenommen hat", sagt Constanze Helber von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). "Hoheneck ist auf einem guten Weg."

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