Gemeinde wehrt sich gegen Pläne für Stromleitung

In Limbach-Oberfrohna und Röhrsdorf hat das Projekt bereits für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist die Diskussion auch in Callenberg angekommen. Der Standpunkt der dortigen Lokalpolitiker ist klar.

Callenberg/Limbach-O..

Auf welcher Trasse soll eine neue Hochspannungs-Stromleitung von Röhrsdorf nach Thüringen verlaufen? In Limbach-Oberfrohna wird diese Frage schon lange diskutiert, bereits 2016 gab es eine Infoveranstaltung in der Stadthalle. An der Gemeinde Callenberg scheint die Debatte bislang hingegen weitgehend vorbeigelaufen zu sein - bis zur jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Da überraschte der Lokalpolitiker René Fleischer (Unabhängige Bürgergemeinschaft) seine Kollegen mit der Mitteilung, dass die Trasse der 380-Kilovolt-Freileitung vorbei an Meinsdorf und Langenberg führen soll. Dabei hatte die "Freie Presse" schon Ende 2018 darüber berichtet.

Zunächst hatte der Netzbetreiber 50 Hertz dazu tendiert, die neue Trasse parallel zur bestehenden Hochspannungsleitung zu bauen. Diese verläuft nach dem Umspannwerk in Röhrsdorf nördlich von Limbach-Oberfrohna, überquert in Niederfrohna die Limbacher Straße und führt weiter an Bräunsdorf vorbei nach Westen. Als 50 Hertz diese Pläne erstmals in Röhrsdorf vorstellte, hagelte es allerdings Kritik. Denn die derzeitige Leitung verläuft durch eine Siedlung und überspannt Wohnhäuser. Deshalb wurden die Pläne noch einmal überarbeitet. Nun favorisiert der Netzbetreiber die sogenannte Südvariante, die zunächst zwischen der A4 und Pleißa verläuft. Der südlichste Punkt wird bei Wüstenbrand erreicht, anschließend erfolgt ein Schwenk nach Nordwesten, vorbei an Langenberg und Langenchursdorf. Auch auf dieser Trasse existieren bereits Stromleitungen.


Callenbergs Gemeinderat Fleischer warnt dennoch vor dem Vorhaben. Er weist darauf hin, dass die Übertragungskapazität im Vergleich zur bestehenden Leitung um 40 Prozent erhöht werden soll. Dementsprechend müssten auch die Leitungsquerschnitte und Masten dimensioniert werden. "Das ist schon ein anderes Kaliber", sagt er. Er forderte seine Kollegen zum Handeln auf. "Wir müssen jetzt etwas unternehmen, sonst ist es zu spät, um das noch zu verhindern." Peter Reichel (Die Linke) sieht kaum noch Chancen zum Eingreifen: "Wir hätten dabei sein sollen, als die Gespräche liefen, und uns viel eher engagieren müssen." Er sieht in dieser Hinsicht die Gemeindeverwaltung gefordert. Sie soll retten, was zu retten ist. Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) sicherte zu, abzuklopfen, wie auf die Pläne noch Einfluss genommen werden kann.

Auch in Pleißa trifft die neue Vorzugsvariante auf wenig Gegenliebe. Anwohner des Hohlwegs befürchten, dass Bäume im Rabensteiner Wald gefällt werden müssen - das bedeute weniger Lärmschutz, argumentieren sie. Auch die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna hatte sich für die Beibehaltung der bestehenden Trasse ausgesprochen.

Nun ist die Bundesnetzagentur am Zug. Am 26. März hat 50 Hertz die Planungsunterlagen bei der Behörde eingereicht. Die Bundesnetzagentur prüft diese. Anschließend werden die betroffenen Kommunen und Verbände noch einmal um eine Stellungnahme gebeten. Masten und Kabel sollen ab 2022 montiert werden. Die Fertigstellung ist für 2025 vorgesehen. Die Kosten für das Vorhaben werden insgesamt auf etwa 140 Millionen Euro geschätzt, wobei die nun favorisierte Südvariante Mehrkosten von etwa 5,2 Millionen Euro im Vergleich zur bestehenden Trasse verursacht. Nach der Fertigstellung soll die bestehende Stromleitung abgerissen werden.

Die Modernisierung der Hochspannungsleitung ist wegen der Energiewende nötig. Strom, der in den Windparks in Norddeutschland produziert wird, muss in den Süden transportiert werden. Die Kapazitäten der bestehenden Leitung reichen dafür nicht aus. (mit dy)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    cn3boj00
    24.04.2019

    "Die Modernisierung der Hochspannungsleitung ist wegen der Energiewende nötig. Strom, der in den Windparks in Norddeutschland produziert wird, muss in den Süden transportiert werden. Die Kapazitäten der bestehenden Leitung reichen dafür nicht aus."
    Ich wusste gar nicht, dass Röhrsdorf bei den Windparks im Norden liegt. Aber so ist das, weil man sich im Westen wehrt wird eben der Strom erst mal nach Sachsen geschickt, um dann über Thüringen nach Bayern zu gelangen.
    Letztlich stehen auf beiden Trassen bereits seit langem Strommasten. Dass neue Leitungen nicht mehr über Wohnhäuser laufen dürfen ist nachvollziehbar. Dass deshalb teure Umwege nötig sind, durch die dann nicht 3 Gemeinden, sonder 6 betroffen sind, weniger. Tatsache ist, dass eine 380kV-Leitung durch eine neue ersetzt wird, deren Leiter mehr Strom transportieren können. Für die Menschen entlang der Leitung dürfte sich dadurch kaum etwas ändern, weshalb ich das Gemache der Politiker nur als Selbstinszenierung betrachte, zumal der Bau ja schon seit langem diskutiert wird. Aber in Callenberg ticken die Uhren eben anders.

  • 1
    0
    Haecker
    24.04.2019

    Was den einen recht ist, ist den anderen billig.



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